Fahrbericht

500-km-Testfahrt: So schlägt sich der neue Volvo EX60

Beim elektrischen Pendant zum SUV-Millionenseller XC60 musste für Volvo alles passen – jetzt ist der EX60 da. In der exklusiven 500-km-Testfahrt der AUTO ZEITUNG darf er sofort zeigen, was er kann!

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Der Volvo EX60 fährt auf einer Landstraße, von vorne links fotografiert.
Ein ernstzunehmender Konkurrent für BMW iX3 und Mercedes GLC EQ: Wir fahren den neuen Volvo EX60. Foto: Christian Bittmann
Der Volvo EX60 fährt auf einer Bergstraße, von hinten fotografiert.
Sportive Fahrfreude im Volvo? Der souverän und geschmeidig swingende EX60 fühlt sich auch auf kurvigen Landstraßen wohl. Foto: Volvo
Das Cockpit des Volvo EX60.
Das EX60-Cockpit ist Klavierlack-freie Zone – statt Plastikglanz halten Holz und Stoff sowie hochwertige, matte Oberflächen Einzug. Foto: Volvo
Der Kofferraum des Volvo EX60.
Der Kofferraum bietet unterhalb des Ladebodens zusätzlichen Stauraum. Foto: Volvo
Der Frunk des Volvo EX60.
Mit seinen 58 l gehört der Frunk nicht zu den allergrößten, er reicht aber fürs Wesentliche: Ladekabel und Schmuddelkram. Foto: Volvo
Der Volvo EX60 steht vor einem Gebirgspanorama, von vorne rechts fotografiert.
Thors Hammer-Tagfahrleuchten, geschlossene Front – hier steht zweifellos ein aktueller Volvo. Foto: Volvo
Der Volvo EX60 steht vor einem Gebirgspanorama, von hinten links fotografiert.
Flache Silhouette: Der EX60 liegt – aerodynamisch geduckt – irgendwo zwischen hochbeinigem Kombi und SUV. Sehr harmonisch. Foto: Volvo

Erste Testfahrt: 500 km im Volvo EX60

Besonders in einer Hinsicht könnte der neue Volvo EX60 einen Wirkungstreffer gelandet haben: Während es die modernen 800-V-Rivalen BMW iX3 und Mercedes GLC EQ zum Einstieg nur in den teuren Top-Varianten gibt, startet Volvo mit der Einstiegsmotorisierung P6 electric und der mutmaßlich meistgebuchten Mittelvariante P10 AWD electric. Die Spitzenversion P12 AWD electric (ab 71.990 Euro) mit ihrer brachialen Doppelmotor-Power von 500 kW (680 PS), Fahrdynamik-Fabelzeiten (null auf 100 km/h in 3,9 s) und Verbrenner-Reichweite (bis 810 km nach WLTP) wird etwas später ausgeliefert.

Nach den ersten 500 km im Volvo EX60 P6 electric können wir daran nichts Nachteiliges finden, denn der 275 kW (374 PS) starke Basis-P6 präsentiert sich auf unserer Testfahrt druckvoll, effizient, komplett – sowie mit 62.990 Euro vergleichsweise bezahlbar eingepreist (alle Preise: Stand Mai 2026).

Eigentlich gibt es nur exakt zwei Gründe, eine der stärkeren Allrad-Versionen ins Auge zu fassen: Man muss entweder deutlich über zwei Tonnen schwere Anhänger schleppen (P10 und P12 schaffen bis 2,4 t), oder man lebt in einer schneereichen Bergregion. Die übrigen 80 Prozent der potenziellen deutschen Kundschaft werden am hinterradgetriebenen, zwei Tonnen ziehenden P6 ihre helle Freude haben.

Der Volvo EX60 im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

"Nur" 80 kWh, aber schnelles Laden

Selbst dass der kleine Volvo EX60 mit seiner lediglich 80 kWh (netto) großen Hochvoltbatterie nur bis zu 611 km WLTP-Reichweite schafft, ist für E-Auto-Bewanderte kein Problem – schließlich lädt der Volvo mit immerhin bis zu 320 kW Leistung. Damit sind reisetauglich kurze Ladestopps in Minutenlänge möglich.

Dass sich der Volvo EX60 P6 in dieser Hinsicht so souverän schlägt, liegt auch an seiner guten Ladestabilität: Auf unserer 500-km-Testfahrt zwischen Barcelona und Pyrenäen hat es uns mit auf 25 Prozent geleertem Akku an einen 350-kW-Schnelllader hinter Andorra verschlagen – nach wenigen Sekunden am Kabel rauschte die Ladeleistung bereits auf über 100 kW, landete wenige Augenblicke später jenseits der 300 kW und hielt dieses Niveau erfreulich lange.

Auch der Verbrauch des P6 konnte sich sehen lassen: Der Bordcomputer zeigte selbst bei zügiger Fahrweise in den Bergen unter 24 kWh auf 100 km an, der Schnitt unserer 500-km-Testfahrt lag bei 18,3 kWh pro 100 km. In der Praxis dürfte er also rund 450 km mit einer Batterieladung schaffen – oder von der Zugspitze an die Nordsee mit zwei 15-min-Ladestopps fahren. Die werden von der integrierten Google Maps-Navigation dynamisch und intelligent festgelegt unter Einbeziehung von Verbrauch und potenzieller Verfügbarkeit von Ladepunkten – mühsames Hantieren mit Smartphone-Apps ist damit nicht mehr notwendig.

Top Klangerlebnis und reduziertes Cockpit

Von der Kür zur Pflicht, das EX60-Erlebnis der Reihe nach. Statt fixer oder klappbarer Türgriffe kommt der neue Volvo mit kleinen, beleuchteten Finnen an den Türen, hinter denen sich gummierte Drucktasten verbergen. Und interessanterweise gehört diese Antwort auf eine nie wirklich gestellte Frage zum eher erträglichen Klipp-Klapp-Surr der Autotürgriff-Historie der letzten Monate: griffig, sofort öffnend, prima. Dann rein ins Auto: Der Fahrersitz des eher niedrig bauenden Volvo EX60 will nicht in Kutschbock-Höhe bestiegen werden, sondern befindet sich auf komfortabler Höhe.

Von der starken Google-Verflechtung des Volvo-Betriebssystems darf man prinzipiell halten, was man möchte, rein funktional betrachtet sorgt sie für leichte Bedienbarkeit, solide integrierte, vernetzte Dienste und schnelle Reaktionen. Als kleinen Protest gegen Beinahe-Software-Monopolisten haben wir uns im Google-Store die Musik-App des europäischen Streaming-Diensts Quobuz runtergeladen, hochauflösende Musikdaten an die hervorragende Bowers & Wilkins-Anlage (Serie für Ausstattung Ultra) geschickt und 500 km lang anrührend guten Sound genossen. Natürlich haben wir auch die im Volvo EX60 angebotene Apple Music-Integration inklusive Dolby Atmos-3D-Klang getestet und für spektakulär gut befunden – zum umgehend gelösten Apple-Abo hat unsere Begeisterung dann allerdings doch nicht gereicht.

Redakteur Johannes Riegsinger sitzt am Steuer des Volvo EX60.
Foto: Christian Bittmann

Allgemein wirkt der Innenraum wohnlich sowie aufgeräumt und durch das serienmäßige Glas-Panoramadach ausgesprochen hell. Statt opulenter Display-Landschaften und gleißender Ambiente-Lichteffekte serviert Volvo skandinavischen Minimalismus, ohne unterkühlt zu wirken – sehr sympathisch.

Luftiges Raumangebot findet sich auf allen Plätzen, an viele große Ablagen oder USB-Ladebuchsen wurde ebenfalls gedacht, und der Kofferraum ist klassenüblich souverän dimensioniert. Praktisch ist, dass der Kofferraumboden im hinteren Drittel zweigeteilt ausgelegt wurde, man hat so auch bei teilweiser Beladung noch Zugang zum tiefen Kellerfach darunter.

Abfahrt! Der neue Volvo EX60 P6 wuselt mit präzise dosierbarer Kraft und geschmeidig abgestimmter Lenkung über die Ramblas im Zentrum von Barcelona – schön, dass Volvo den Neuen trotz des guten Innenraumangebots nicht opulent und massig gebaut hat. Seine Übersichtlichkeit und seine maßvolle Statur passen perfekt zur turbulenten Hauptstadt Kataloniens. Auch mit den Tumultmomenten des Stadtverkehrs kommt der EX60 bei unserer Testfahrt gut klar, sprintet mit souveräner Kraft von den Ampeln los, füllt entschlossen die wenigen Lücken im Verkehr, fließt dann wieder leise und anpassungsfähig mit der Masse – E-Auto-Fahrspaß pur.

Das gilt genauso für die ersten Schnellstraßenkilometer nach Norden: Der Volvo EX60 segelt entspannt voran, beschleunigt druckvoll und zeigt an steilen Autobahnaufstiegen brachiales Beharrungsvermögen. Egal, ob mit nur einer Person besetzt oder vollbepackt und mit Zweitonnen-Caravan am Haken – dieser P6 bleibt mühelos.

Dass es die stärkeren Allradmodelle eventuell noch besser, noch lässiger können, dürfte eher fast überflüssiger Luxus sein als echter Mehrwert. Die Testfahrt ist derweil wunderbar leise, hinzu kommt die gelungene Abstimmung des konventionellen Stahlfeder-Fahrwerks im P6: Auch ohne Adaptivdämpfer deckt der EX60 P6 eine sehr anspruchsvolle Spreizung zwischen Abroll- und Federungskomfort sowie sportiven Handling-Ansprüchen ab.

Der Volvo EX60 fährt auf einer Bergstraße, von hinten fotografiert.
Foto: Volvo

Ein superkonkreter Sportler will und muss dieses Auto überhaupt nicht sein, doch dass der Schwede gern auch auf kurvigen Bergstraßen surft und dabei schwungvoll, ansteckend, fahrfreudig und unkompliziert fährt, ist ein Pluspunkt. Auch hier bleibt unsere Sehnsucht nach den für die P10- und P12-Modelle verfügbaren Aktiv-Fahrwerken äußerst überschaubar.

Vermutlich – theoretische Spekulation – dürfte für wahrlich Anspruchsvolle ja das P10 AWD-Modell des Volvo EX60 Cross Country zum Goldstandard werden: Hier trifft stilvolle Outdoor-Kosmetik auf kompromisslose Doppelmotor-Allrad-Traktion und 2,4 t Anhängelast. Die etwas längeren Federwege des Cross Country-Modells müssten besonders auf rumpeligen B-Straßen für lässigen Komfort sorgen, und mit dem verfügbaren Aktiv-Fahrwerk lässt sich die erhöhte Bodenfreiheit in Autobahnmomenten dann luftwiderstandsfreundlich absenken. Bei nächster Gelegenheit wird das natürlich unbedingt ausprobiert ...

Vielseitig und alltagsnah mit Hightech-Elementen

Aber nun bringen wir zuerst einmal unsere ersten 500 km im ganz normalen Volvo EX60 P6 zu Ende: U-Turn oben in Andorra, zurück auf den langen Weg nach Süden ans Meer. Wir freuen uns über den hohen Komfort der einstellbaren Sitze mit atmungsaktivem Wollstoffbezug, plaudern ein wenig mit dem integrierten Google Gemini KI-Assistenten über Gott und die Welt und legen am Ende der Tour sogar noch ein paar Umwege zum Ziel in Barcelona ein, um die anvisierten 500 km unserer Testfahrt auch in einer Punktlandung zu schaffen. Am Ende fehlen uns zehn Kilometer – die können wir uns auch so gut vorstellen.

Das spricht für und gegen den Volvo EX60

Positiv

Toller Antrieb in jeder Disziplin: Der neue Volvo EX60 ist ein Vorzeige-Elektroauto: Preislich deutlich unter einem in Anspruch, Leistung und Größe vergleichbaren XC60-Verbrenner liegend, zeigt er, was Stand der Technik ist – nicht nur bei Volvo: äußerst souveränes Fahren, hohe Effizienz, reisetaugliche Reichweiten und Ladezeiten. Hinzu kommen ein gutes Raumkonzept, solide Alltags-Kompetenz sowie ein rundes Paket an gut integrierten Connectivity- und Assistenzsystemen.

Negativ

Digitales Wundern: Bei den Fensterhebern ist Volvo zurück beim „Heber pro Seitenscheibe“-Prinzip – die holprige Außenspiegel- und Lenkradeinstellung findet man aber in einem Einstellungs-Untermenü. Einen blitzschnellen Drehregler für die Audio-Lautstärke hat der Volvo EX60 ebenfalls – für Klimaanlagen-Funktionen muss aber immer noch unsicher getoucht werden. Und die Schließfunktionen ohne physischen Schlüssel funktionieren ebenfalls noch immer nicht ohne „Vorführeffekt“.

Fazit

Dass Volvo sich ein paar Monate zusätzliche Zeit genommen hat, um den neuen EX60 abzurunden, hat dem Auto ausgesprochen gut getan: Das Mittelklasse-SUV wirkt gut gemacht, ist ein starker und sympathischer Charakter. Fahren und Antrieb, Reichweite und Laden können sich mehr als sehen lassen, die Funktionalität ist in den allermeisten Momenten mühelos und entgegenkommend. Konzeptionell und ganz konkret technisch hat Volvo mit dem EX60 ein ausgezeichnetes Paket geschnürt, die Schwächen liegen im Detail: Klimabedienung oder Außenspiegeleinstellung übers Touch-Display sind mindestens fragwürdige, auf jeden Fall aber unnötige „Innovationen“, auch die Türöffnung per NFC-Smartphone-Profil funktioniert nicht immer problemlos.

Technische Daten des Volvo EX60 P6 electric

AUTO ZEITUNG 11/2026

Volvo EX60 P6 electric

Technische Daten

Motor

Permanenterregte Synchronmaschine

Antrieb

Konstantübersetzung; Hinterrad

Leistung

275 kW / 374 PS

Max. Drehmoment

480 Nm

Kapazität / Spannung

80 kWh (netto) / 800 V

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

4803 / 1899 (2067)* / 1635 mm

Leergewicht / Zuladung

2189 / 461 kg

Kofferraumvolumen

523 – 1647 l, Frunk: 58 l

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

5,9 s

Höchstgeschwindigkeit

180 km/h

Verbrauch auf 100 km (WLTP)

14,9 – 18,0 kWh

Reichweite (WLTP)

511 – 611 km

Kaufinformationen

Grundpreis

62.990 €

Alle Daten Werksangaben; *Breite inklusive Außenspiegel