Fahrbericht

Farbenfrohe Testfahrt: Das Renault Twingo-Comeback begeistert

Da stehst du, hast einen Rührungs-Kloß im Hals, denn der Renault Twingo ist zurück. Geradewegs aus den 90ern, bereit fürs kleine und feine Leben. Nur ein Problem hast du: Welche Farbe für die erste Testfahrt wählen? Lösung: einfach alle!

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Der Renault Twingo E-Tech elektrisch in den drei Farben Gelb, Grün und Rot statisch von vorne und hinten fotografiert.
„Und welchen wollen Sie fahren?“, fragt der Renault-Fuhrparkmanager, „Rot, Gelb, Grün?“ „Einfach alle!“ Foto: Renault
Der Renault Twingo E-Tech elektrisch in Grün fahrend von schräg vorne fotografiert auf einer südeuropäischen Landstraße.
Landmaus: Der neue Twingo hat ein ausgeprägtes Faible für kleine Abenteuer. Foto: Renault
Der Renault Twingo E-Tech elektrisch in Rot fahrend von der Seite fotografiert auf einer südeuropäischen Landstraße.
Warst du im Fitness-Studio? Twingo, ungewohnt knackig. Foto: Renault
Der Renault Twingo E-Tech elektrisch in Gelb fahrend von schräg hinten fotografiert auf einer südeuropäischen Landstraße.
Stadtmaus: Auf kurzen Distanzen ist der elektrische Twingo ein Idealpaket. Foto: Renault
Das Cockpit des Renault Twingo E-Tech elektrisch.
Den runden Warnblinker-Blobb gab es bereits beim ersten Twingo, die hoch bauende Armaturentafel ist neu. Foto: Renault
Die Vordersitze im Renault Twingo E-Tech elektrisch.
Die Machart ist offensiv preis-sensibel – also nirgendwo von alberner Premium-Tünche verunziert, aber auch keineswegs billig oder lieblos. Foto: Renault
Die Rücksitze im Renault Twingo E-Tech elektrisch.
Hier darf Plastik noch Plastik sein, robust und ehrlich, aber immer wieder einfallsreich strukturiert oder funktional arrangiert. Foto: Renault
Die umgeklappten Rücksitze des Renault Twingo E-Tech elektrisch fotografiert durch den geöffneten Kofferraum.
Sitzbank um 17 cm längs verschiebbar, mit umgelegter Beifahrersitzlehne lädt man bis zu zwei Meter durch. Foto: Renault
Der Renault Twingo E-Tech elektrisch in Rot statisch von schräg vorne fotografiert.
Kullerauge machts möglich: Diesen Kleinen möchte man auf der Stelle ganz furchtbar lieb haben. Foto: Renault
Der Renault Twingo E-Tech elektrisch in Grün statisch von schräg hinten fotografiert.
Die kleinen Finnen auf den Heckleuchten bringen fünf Kilometer Extra-Reichweite. Foto: Renault
Der Renault Twingo E-Tech elektrisch in Gelb statisch von der Seite fotografiert.
Bekannte Proportionen, aber mit Aero-Heck und vier praktischen Türen. Foto: Renault

Renault Twingos farbenfrohes Comeback: Trotzdem gibt es Kritikpunkte

Achtung, Transparenzhinweis in eigener Sache: Der Autor ist in puncto Twingo maximal befangen. Wenn man seine Studentenjahre in diversen zugelaufenen Twingo verbracht hat – samt Zelturlaub am Meer, erstem Möbel-Shopping mit hinten überhängendem Billy-Regal und durchs Schiebedach ragender Stehlampe –, kann man einen Twingo nicht mehr wirklich objektiv beurteilen. Hauen wir die ganz dicken Kritikbrocken zur Neuauflage also gleich zu Beginn der Testfahrt heraus, damit ein etwaiger Schönschreib-Vorwurf vom Tisch ist.

Top DealRenault Twingo E-Tech

Punkt eins: Ein klassisch-simples Stoff-Faltdach gibt es für den neuen Twingo, der jetzt Renault Twingo E-Tech Electric heißt, vorerst nicht einmal optional – wie soll man ihn denn jetzt vom Kleinwagen in ein überbordend lebensfrohes Cabriolet verwandeln oder eben Umzüge mit senkrecht stehender Stehlampe möglich machen? Muss man dazu die Kundschaft tatsächlich erst noch befragen, Renault? Was heißt „No-Brainer“ nochmal auf Französisch?

Zweites Langes-Gesicht-Feature ist die wuchtig bauende Armaturentafel: Während man bei der ersten herrlichen Twingo-Generation wonnig im lichten Interieur saß und nur einen kaum wahrnehmbaren Armaturenträger mit tiefer Ablagenrinne und mittigem LCD-Digitaltacho vor sich hatte, hockt man im neuen Renault Twingo E-Tech Electric hinter einer enormen Wand von Zierfläche in Fahrzeugfarbe. Auf dem Zentraldisplay spielt Renault zwar moderne Google-Navigations- und Infotainment-Angebote in angenehmer Idealdosierung sowie schnell zu verstehender Bedienung ein. Trotzdem ist es ein klitzekleines bisschen schade, dass Renault sich nicht getraut hat, auch im Cockpit den regenschirmigen, klappstuhligen Minimalismus der ersten Twingo-Generation zurückzubringen, denn der Rest – also sozusagen fast alles – ist einfach großartig.

Der Renault Twingo E-Tech elektrisch im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Praktisch wie eh und je – das Twingo-Interieur

Die 26 cm Längenwachstum gegenüber dem 90er-Jahre-Twingo versenden sich im rundum wohlproportionierten Design. Dass der neue Twingo ein echter Viertürer ist, dürfte keinen Alt-Fan stören und die Neuen erst recht nicht. Die Machart ist offensiv preissensibel – also nirgendwo von alberner Premium-Tünche verunziert, aber auch keineswegs billig oder lieblos. Hier darf Plastik noch Plastik sein, robust und ehrlich, aber immer wieder einfallsreich strukturiert oder funktional arrangiert.

Bei manchen Details muss man einfach anerkennend schmunzeln, weil da so viel kluge Sparsamkeit drinsteckt. Hintere Fensterheber spart sich der Twingo zum Beispiel komplett, stattdessen gibt es Ausstellfenster mit Arretierhebeln. Der Kofferraumboden ist zweiteilig ausgeführt, weil man in das 50-l-Fach darunter ein Ladekabel packen kann und dann immer noch drankommt, auch wenn auf einer Seite die Getränkekiste steht.

Wie früher lassen sich die zwei Fondsitzbank-Hälften individuell um bis zu 17 cm längs verschieben – der Twingo wird so zum individuell skalierbaren Variabilitäts-Titan zwischen Gepäck und Passagier:innen. Nur beides geht natürlich nicht – dafür aber die Beifahrersitzlehne umklappen und Zweimeter-Regale durchladen. Diesbezüglich ist der Testfahrt-Termin schon jetzt ein Traum.

Erste Testfahrt: Kein Hightech-Monster, aber überzeugend

„Und welchen wollen Sie fahren?“, fragt der Renault-Fuhrparkmanager in mein Sympathie-debiles Grinsen hinein, „Rot, Gelb, Grün?“ „Einfach alle“, entscheide ich nach wenigen Sekunden Bedenkzeit, schließlich kommt mit jeder Farbe ein anderes Lebensgefühl daher.

In einem roten Twingo attackierst du die Kehren oben in den Bergen gleich noch einen Zahn schwungvoller – und stellst dabei fest, dass sich zwischen den schwachbrüstigen „Hochdrehzahl“-Benzinern der 90er und heute viel getan hat: Der Twingo ist nun ein E-Auto, er kurbelt mit stämmigem Drehmoment voran. Selbst der eine oder andere Überholvorgang ist machbar: Früher hätte man dafür den kleinen Vierzylinder treten müssen, dass die Ventile klappern, um dann im enthemmten Kamikaze-Stil an einem erstaunten Opfer vorbeizukreischen – der neue Elektro-Twingo mit seinen 175 Nm und völlig ausreichenden 60 kW (82 PS) erledigt alles im sozialverträglichen Bereich bis 80 km/h ganz gelassen.

Testfahrt-Umstieg in den gelben Twingo – jetzt wirds lebensfroh: Die Lenkung ist kein Präzisions-Wunder, aber sie erfüllt ohne Zicken ihren Zweck. Die Vorderachse aus dem aktuellen R5 sorgt für selbstbewusstes Fahren und die leicht modifizierte Hinterachse des Captur für geringe Kosten, Platz im Hinterbau sowie wenig Gewicht. Als Resultat fährt der Twingo keineswegs so schütter wie sein Vorfahr, sondern erstaunlich erwachsen.

Auf die Schlussetappe geht es im grünen Twingo – logisch, dass wir jetzt besonders auf Sparsamkeit und Reichweite achten. Renault bringt eine leichte und kostengünstige LFP-Batterie zum Einsatz, die mit ihren 27,5 kWh Nettokapazität auch noch ziemlich klein ist. Vorteil: Das ganze Auto wiegt nur um die 1200 kg und purzelt für unter 20.000 Euro aus der Fabrik im slowenischen Novo Mesto. Nachteil: LFP-Zellchemie schwächelt bei niedrigen Temperaturen – was Renault einfach mit einer eingezogenen Heizmatte kontert. Und: Die maximale Schnell-Ladeleistung von 50 kW plus die WLTP-Reichweite von 262 km machen den Twingo nicht gerade zum Hightech-Monster. Aber Moment mal: Der Twingo war das ja noch nie, und wir sind trotzdem nicht nur durch die Stadt gekurvt, sondern bis ans Meer und in die Berge. Würden wir auch im Neuen tun. Déjà-vu.

Technische Daten des Renault Twingo E-Tech elektrisch

AUTO ZEITUNG 09/2026

Renault Twingo E-Tech elektrisch

Technische Daten

Motor

Permanenterregte Synchronmaschine (PSM) vorn

Antrieb

Konstantübersetzung, Vorderradantrieb

Leistung

60 kW / 82 PS

Max. Drehmoment

175 Nm

Kapazität / Spannung

27,5 kWh (netto), 400 Volt

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

3789 / 1720 / 1491 mm

Leergewicht / Zuladung

1200 / 395 kg

Kofferraumvolumen

205 / 305 l

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

12,1 s

Höchstgeschwindigkeit

130 km/h

Verbrauch auf 100 km

13,1 kWh

Reichweite

262 km

Kaufinformationen

Grundpreis

19.990 €

Marktstart

2026

Alle Daten Werksangaben