Neuer Lexus ES: So schlägt sich die E-Variante auf Testfahrt
Der neue Lexus ES streckt seine Fühler in die Oberklasse aus. Er wirkt fein gemacht und fährt herrlich geschmeidig – nur nicht besonders weit. Erste Testfahrt im ES 350e!
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Erste Testfahrt im neuen Lexus ES 350e
Satte acht Zentimeter mehr Radstand als der Vorgänger, Oberklasse-Komfort-Features plus 77 mm mehr Beinfreiheit im Fond – die neue Generation des Lexus ES lässt keinen Zweifel daran, dass sie auch Aufgaben des in Deutschland nicht mehr angebotenen großen Lexus LS übernehmen möchte.
Das Design landet an einem erfreulichen Punkt zwischen Expressivität und Ruhe, die Antriebsvarianten bilden mit einem Hybrid-Benziner (ES 300h, Systemleistung 196 PS/144 kW) und einem vollelektrischen Modell (ES 350e, Systemleistung 165 kW/ 224 PS) konkrete Technologie-Offenheit ab – beide Motorvarianten kosten gleich viel, ab 59.600 Euro geht es los (Stand: Mai 2026). Eine stärkere Doppelmotor-Elektro-Version mit 252 kW (343 PS) und Allradantrieb soll übrigens etwas später nachgeschoben werden.
Der Lexus LBX im Video

Schicker Innenraum
Innenraum und Cockpit des neuen Lexus ES strahlen Wertigkeit und ruhigen Purismus aus, die Funktionstasten auf dem Armaturenträger unterhalb des Zentraldisplays verschwinden im Stand und leuchten erst bei Betriebsbereitschaft auf. Die Anzeigen auf dem bogenförmigen 12,3-Zoll-Fahrerinformationsdisplay sind ebenso ruhig gehalten wie auf dem 14-Zoll-Zentraldisplay, das Bedienkonzept verstehen wir bei der ersten Testfahrt schnell.
Wer einen etwas glamouröseren Lexus ES fahren möchte, muss den saftigen Aufpreis von 10.350 Euro für die Luxury-Ausstattungslinie bezahlen – hier sind schicke Ziereinlagen im Bambus-Look ebenso verfügbar wie eine Ambientebeleuchtung (14 Themen und 50 Farbvarianten), die auch die Lautsprecher des optionalen Mark Levinson Surround-Soundsystems illuminiert.
Lexus schreibt Komfort groß
Und das Luxury-Ausstattungspaket schaltet ein Feature frei, das es anderswo nur in der absoluten Luxusklasse gibt: eine Ottoman-Sitzanlage im Fond hinten rechts mit beheizter Beinauflage. Schade: Der nach vorn verschiebbare Beifahrersitz schafft es nicht, bei unserer Testfahrt genügend Beinfreiheit für unser mitteleuropäisches Gardemaß freizumachen – nur Personen unter rund 1,70 m Körpergröße dürften es meistern, sich vollständig auszustrecken. Bei aller Enttäuschung über diese eingeschränkte Nutzbarkeit soll aber nicht vergessen werden, dass der neue Lexus ES allemal einen Fond mit immer noch angenehmen Platzverhältnissen bietet.
Überhaupt schreibt Lexus das Thema Komfort mit Großbuchstaben – egal ob es um den nicht hörbaren Elektro-Antrieb des von uns gefahrenen Lexus ES 350e geht, das sehr niedrige Niveau an Wind- und Abrollgeräuschen oder den Federungskomfort. Selbst mit dem serienmäßigen Fahrwerk ohne Adaptivdämpfer (ein Adaptivfahrwerk ist bei Luxury Serie) erreicht der ES 350e ein ausgesprochen gutes Komfortniveau: seidiges Abrollen, souverän weggefilterte Stöße und Rillen, hervorragende Kontrolle auf langen Bodenwellen. Auch die Lenkung zeigt sich von der flüssig-komfortablen Seite, ohne mit Schwammigkeit oder mangelnder Präzision zu langweilen.

Batterie- und Ladetechnik nicht mehr zeitgemäß
Dass sich der Hersteller beim neuen Lexus ES für Vorderradantrieb entschieden hat – sowohl beim Hybrid-Modell als auch beim stärkeren ES 500e komplettiert ein E-Motor an der Hinterachse zum Allradantrieb –, stört ebenfalls nicht: Bei der ersten Testfahrt sind weder mangelnde Traktion, noch nervende Lenkeinflüsse zu spüren. Dabei hat der 165-kW-Motor des 350e durchaus saftigen Punch im Ärmel, er beflügelt die 2,2-t-Limousine zwar ohne sportliches Temperament, aber dennoch ausgesprochen souverän.
Nur in einer Hinsicht leistet sich der erste BEV-ES einen Fauxpas: Die Leistungswerte der Batterie sind nicht mehr zeitgemäß. Gerade mal 72 kWh Nettokapazität, damit eine Reichweite deutlich unter 600 km sowie ein schwaches DC-Ladetempo von 150 kW dürften die hohen Ansprüche einer verwöhnten Business-Kundschaft kaum befriedigen. Hier ist die deutsche Konkurrenz deutlich weiter, bietet Reichweiten bis über 700 km und Ladeleistungen jenseits der 300 kW.
Fazit
Modernes Design, spürbar angewachsene Dimensionen – ohne ins Sperrige abzurutschen – und ein aufgeräumtes, hochwertiges Interieur: Der erste Eindruck vom neuen Lexus ES ist ausgesprochen gut. Auch das komfortable und lässige Fahren in der vollelektrischen Version ES 350e sorgt für weitere Punkte. Allerdings patzt die Toyota-Luxussparte bei Batterie und Antriebs-Elektronik – nur 150 kW DC-Ladeleistung und eine Batteriekapazität von knapp über 70 kWh sind in dieser Klasse nicht mehr Stand der Technik. Wenn Lexus hier gegen BMW, Mercedes & Co. punkten will, muss die Toyota-Tochter ein möglichst zeitnahes Upgrade bringen.
Technische Daten des Lexus ES 350e
AUTO ZEITUNG 12/2026 | Lexus ES 350e |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | Permanenterregte Synchronmaschine |
Antrieb | Konstantübersetzung; Vorderrad |
Leistung | 165 kW / 224 PS |
Max. Drehmoment | 269 Nm |
Kapazität / Spannung | 72,0 kWh (netto) / 400 V |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 5140 / 1920 / 1560 mm |
Leergewicht / Zuladung | 2150 / 545 kg |
Kofferraumvolumen | 517 l |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 8,2 s |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h |
Verbrauch auf 100 km (WLTP) | 14,6 – 16,0 kWh |
Reichweite (WLTP) | 511 – 581 km |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 59.600 € |
Marktstart | Mitte bis Ende 2026 |
Alle Daten Werksangaben | |

















