Jaguar Type 01: Erste Testfahrt im umstrittenen Prototyp
Mit dem Type 01 startet Jaguar einen neuen Zeitabschnitt und ändert einfach alles. Die Resonanz? Nicht nur positiv. Nun können wir im umstrittenen Prototyp auf dem Beifahrersitz zu einer Testfahrt Platz nehmen!
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Kein neues Auto hat je eine so heftige und massive Reaktion ausgelöst wie die 2025 vorgestellte Studie Jaguar Type 00. Die Antriebstechnik ging im Tumult unter. Bei einer ersten Testfahrt kann das viel kritisierte Fahrzeug – es wird den Seriennamen Type 01 tragen – jetzt seine Talente zeigen. Wir sind gespannt, wie sich der Stromer macht!
BMW M8, Jaguar F-Type und Polestar 1 im Vergleich (Video)

Die Kontroversen um den neuen Jaguar Type 01
Doch zuerst zu seiner Veröffentlichung, die hohe Wellen schlug. Sein vielleicht provokant pinkfarbenes Design wurde zum Blitzableiter für den Zorn der Anti-Woke-Bewegung. Diese empörte sich mehr über Jaguars demonstrative Kampagnenbilder als über eine fundierte Analyse der neuen Designrichtung oder der Entscheidung für einen vollelektrischen Antrieb. Die Nachricht beherrschte tagelang die globalen Schlagzeilen und rief sogar US-Präsident Trump und Tesla-Chef Elon Musk auf den Plan.
Der damalige Jaguar-CEO Adrian Mardell hatte erklärt, er wolle mit dem Marktstart des Type 01 eine ähnlich sensationelle Wirkung erzielen wie mit dem Debüt des E-Type über sechzig Jahre zuvor. Sein Wunsch ging in Erfüllung, wenn auch nicht aus dem erhofften Grund. Wie sich Jaguar-Chef Radwon Glover über die Neuausrichtung der Marke äußert, hier im AUTO ZEITUNG-Interview nachlesen.
Jaguar, wissen wir jetzt, beging einen doppelten Fehler: Der Konzern setzte auf „Wokeness“, als die Welt mit Trumps Wiederwahl in die entgegengesetzte Richtung ging, und der Umstieg auf Elektrofahrzeuge erfolgte zu einem Zeitpunkt, als das Interesse an diesen Marken – insbesondere im Luxussegment – deutlich nachließ.
Die Marketingkampagne mit der vielfältigen Modellpalette vor einer violetten Mondlandschaft ist zweifellos in den Tiefen des digitalen Archivs verschwunden und wird nie wieder auf offiziellen Kanälen zu sehen sein. Jaguar muss sich jedoch weiterhin mit dem zweiten Problem auseinandersetzen. Die Entscheidung Tatas, dem indischen Mutterkonzern, Jaguar am Leben zu erhalten, war wohl schon 2020, als der Neustart begann, fragwürdig.
Angesichts der rückläufigen Verbreitung von Elektrofahrzeugen und der Reaktionen auf den Relaunch dürfte es verlockend gewesen sein, das Projekt mehrmals zu verschieben, bevor man es schließlich mit Verweis auf die veränderten Marktbedingungen einstellt und den Namen Jaguar, wie so viele traditionsreiche britische Marken vor ihm, in Vergessenheit geraten lässt.
Aber dem ist nicht so. Das Projekt liegt etwa ein Jahr hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück, doch abseits der sozialen Medien hat Jaguars kleines Team aus Designer:innen und Ingenieur:innen fleißig an einem marktreifen Fahrzeug gearbeitet, das man kaufen, fahren und selbst beurteilen kann.
Über 150 Prototypen wurden bisher gebaut. Als „Referenzfahrzeuge“ stehen nun zwei Fahrzeuge für eine erste Testfahrt zur Verfügung. Sie enthalten die neuesten Versionen aller technischen Aspekte des Fahrzeugs, sowohl Hardware als auch Software. Es gibt zwar noch einiges zu tun, aber die Verantwortlichen sind offensichtlich der Meinung, dass das Auto schon so weit ist, kritischen Journalistenaugen vorgeführt zu werden.
Das spektakuläre Design kommt der Studie verblüffend nahe
Der noch namenlose viertürige Gran Turismo wird das erste Modell einer dreiteiligen Baureihe sein. Die beiden anderen Modelle werden SUV sein – und sich zweifellos besser verkaufen. Dass der GT zuerst kommt, ist dem Umstand geschuldet, dass er die Proportionen des Konzeptfahrzeugs aufgreift und so den klaren Schnitt und die neue Identität unterstreicht, die Jaguars Verantwortliche für notwendig hielten.
Doch selbst getarnt ähnelt der Prototyp in Statur und Proportionen verblüffend dem zweitürigen Type 00. Die flache, gefühlt fußballfeldgroße Motorhaube ist einzigartig auf dem Markt. Die massive 23-Zoll-Rad-Reifen-Kombination macht mehr als die Hälfte der Höhe dieses flachen Wagens aus und verleiht ihm selbst in einer Welt überdimensionierter Fahrzeuge eine unglaubliche Präsenz. Im Sommer 2026 wird das Serienmodell vorgestellt, auch eine Bestellung ist dann endlich möglich. Der Preis liegt bei rund 120.000 britischen Pfund (umgerechnet rund 138.000 Euro, alle Preise: Stand Dezember 2025), die ersten Auslieferungen sind für Anfang 2027 geplant.
Auch der Innenraum ist gut getarnt, doch sobald man eingestiegen ist – ein Vorgang, der eher dem Einsteigen in ein Coupé als in eine Limousine ähnelt –, ist der Blick nach draußen ebenso beeindruckend wie der Blick nach innen. Man sitzt tief, einseitig eingerahmt von einer hohen Mittelkonsole, die ein Gefühl von Geborgenheit, aber nicht von Enge vermittelt. Die Windschutzscheibe ist etwas kleiner als in einer Limousine oder einem SUV, bietet aber einen atemberaubenden Blick über die riesige Motorhaube.

Erste Testfahrt: leise, komfortabel und – überzeugend
Die Testfahrt durch Gaydon findet in der Dunkelheit statt. Während wir zur Rennstrecke rollen, erklärt mir Fahrzeugentwicklungsleiter und Testfahrer Navid Shamshiri, dass man bewusst versucht habe, die Fahrdynamik der großen Jaguar-Sportlimousinen beizubehalten – also vielleicht nicht ganz so radikal von der Vergangenheit abzuweichen, wie es das Rebranding versprochen hatte.
Zumindest vom Beifahrersitz aus fühlt sich dieses neue Auto tatsächlich schon jetzt wie ein echter Jaguar an. Er meistert die ersten Meter mit Bravour; die Luftfederung reagiert sanft und nahezu geräuschlos auf schlechte Fahrbahnen bei niedrigen Geschwindigkeiten. Auf der Rennstrecke angekommen, gibt Navid mehr Gas, und schließlich richtig viel. Die beeindruckende Geräusch- und Vibrationsarmut bleibt bis über 210 km/h erhalten. Es gibt eine gewisse, bewusst in Kauf genommene, daher kontrollierte Seitenneigung, die Fassung verliert dieses große, schwere Auto aber nie. Es meistert jede Unebenheit mit einer einzigen, gut gedämpften Bewegung, ohne dabei jemals unkomfortabel zu wirken.
Navid erklärt, die Lenkung sei auf Ruhe und Kontrolle statt auf Überreaktion ausgelegt. Doch dank der Kombination aus Hinterradlenkung und dem niedrigen Trägheitsmoment, das durch die Konzentration aller Hauptmassen innerhalb des massiven Radstands entsteht, fühlt sich der GT dennoch an, als würde er sich wie ein Mittelmotor-Sportwagen in der Mitte drehen.
Auch die Anordnung der E-Motoren trägt dazu bei: Die beiden Heckmotoren ermöglichen eine präzise Drehmomentverteilung und beschleunigen den 735 kW (1000 PS) starken Wagen mit enormer Kraft und scheinbar unüberwindbarer Traktion aus Kurven – ohne das abrupte Ausbrechen mancher ähnlich leistungsstarker Elektrofahrzeuge: eine weitere bewusste Entscheidung, um dem Wagen das typische Jaguar-Gefühl zu verleihen. Wie beim Rolls-Royce Spectre sorgt die Kombination aus überwältigender Leistung und außergewöhnlicher Laufruhe dafür, dass sich der Elektroantrieb wie die richtige Wahl für die Marke anfühlt: die logische Konsequenz dessen, was Jaguar vor Jahrzehnten mit seinen immer stärkeren und seidenweicheren V12-Motoren anstrebte.
„Wir beschäftigen uns jetzt mit der Fahrdynamik, denn bisher ging es uns nur um das Design“, erklärt mir Rawdon Glover, Geschäftsführer von Jaguar. „Design ist für Jaguar sehr wichtig, aber genauso wichtig ist es, sich wie ein Jaguar zu fahren. Deshalb haben wir uns unsere legendären Fahrzeuge der Vergangenheit noch einmal genauer angesehen und sie erneut gefahren, um zu verstehen, was sie so großartig gemacht hat.“ Und weiter: „Der Elektroantrieb hat es uns ermöglicht, ein Auto zu entwerfen, das sich von allen anderen abhebt, und gleichzeitig die tausend PS auf eine Weise abzurufen, die mit einem Verbrennungsmotor nicht möglich gewesen wäre. Die Fahreigenschaften, die perfekte 50:50-Gewichtsverteilung, der Schwerpunkt: Das sind allesamt enorme Vorteile.“
Glower wird sie brauchen, die Vorteile. Es ist schließlich seine Aufgabe, den Type 01 in die Serienproduktion zu bringen und anschließend zu verkaufen. Und obwohl diese Testfahrt beweist, dass das Projekt Fortschritte macht, ist es noch lange nicht abgeschlossen. „Wann war Jaguar wirklich erfolgreich?“, fragt er. „Wenn man ein Leistungsniveau, eine optische Differenzierung oder einen Luxus bieten konnte, der dem entspricht, was man sonst zu einem deutlich höheren Preis bekommt. Für mich ist das eine weitere Gemeinsamkeit dieses Autos mit dem, was Jaguar in der Vergangenheit geleistet hat.“ Eine verfehlte Zukunftsvision hätte Jaguar beinahe das Genick gebrochen, doch eine neue Herangehensweise an die Stärken der Vergangenheit könnte das Unternehmen retten.






















