Mercedes W126 Widebody: Ist diese S-Klasse breit, Mann!
Extralange S-Klassen haben Tradition, extrabreite Mercedes-Flaggschiffe dagegen Exotenstatus. Der Mercedes „SEW“ von Designer Karan Adivi ist die wohl breiteste S-Klasse der Generation W126.
Die genannten Produkte wurden von unserer Redaktion persönlich und unabhängig ausgewählt. Beim Kauf in einem der verlinkten Shops (Affiliate Link bzw. mit Symbol) erhalten wir eine geringfügige Provision, die redaktionelle Selektion und Beschreibung der Produkte wird dadurch nicht beeinflusst.
So flach und breit kam noch keine S-Klasse der Generation W126 daher
Bei Mercedes werden Chauffeurslimousinen vom Schlage einer S-Klasse traditionell in verschiedene Längen dekliniert. Stichwort: Das L in SEL steht für „Long“, also einen erweiterten Radstand. Wenn es nach Karan Adivi ginge, könnte man die schwäbischen Schlitten auch in verschiedenen Breiten konfigurieren und diese folglich SEW, auf Englisch: Wide, nennen.
Da dies werksseitig nicht angeboten wird, hat der indische Designer die wohl breiteste Mercedes S-Klasse der Generation W126 einfach selbst gebaut. Nun ja, „gebaut“ wir der Sache nicht ganz gerecht. Aber die fotorealistischen Illustrationen, die er kreiert hat, könnten auf der SEMA oder der Essen Motor Show durchaus einen Menschenauflauf provozieren.
Die einst schlanke S-Klasse, stilistisch von Bruno Sacco verantwortet, geht dank Adivis Widebodykit stark in die Breite und liegt so tief auf der Straße, dass sie auf der kleinsten Temposchwelle stranden würde wie ein Pottwal bei Ebbe. Der in den 1980er-Jahren epochemachende cW-Wert von 0,36 dürfte ob der extrabreiten Spur vor die Hunde gehen.
Das tiefe Nachtblau und die AMG-Schriftzüge in den Scheinwerfern gemahnen an den berühmten Blueberry 500 SEL, der in den Achtzigern die Krönung der AMG-Modellpalette darstellte. Die beiden Auspuffrohre im Heck sehen so aus, als könnte man auch ohne Demontage-Arbeiten die Steuerkette des V8 tauschen. Und doch hat Adivi Saccos Erbe den CFK- und Carbon-Bäckern nicht einfach zum Fraß vorgeworfen.
Unterwegs im Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco (Video)

Selbst getunt setzt die alte S-Klasse noch auf maximalen Minimalismus
So transportiert seine Vision noch immer den stilistischen Minimalismus, durch den die Generation W126 zum Bestseller und schließlich zur Legende wurde. An Saccos Entwurf ist kein Strich zu viel. Auch Adivi hat sich nur wenige Spielereien erlaubt, sogar noch den Haubenstern abgehobelt.
Selbst die Bügelgriffe der Türen wurden durch versenkbare Exemplare ersetzt. Der Frontspoiler im Schneeschieber-Format würde die Flocken wahrscheinlich verdampfen lassen, anstatt sie zur Seite zu räumen. Allein die filigranen Vielspeichen-Aluräder fügen dem Entwurf eine Lage Komplikationen hinzu.
Adivi, hauptberuflich mit dem Design der Elektromotorräder des indischen Herstellers Ultraviolette betraut, zeichnet auch für die Felgen der Tuning-Spezialist:innen von Vossen Wheels, Brixton Forged und Enata verantwortlich. Seine Tiefbettfelgen für die breite S-Klasse sind so zerklüftet geraten, dass man zu ihrer Reinigung wahrscheinlich Zahnseide bemühen müsste. Sie verbergen sich unter Kotflügelverbreiterungen, die einmal nicht aussehen wie nachträglich angetackert, obwohl sie – hatten wir das schon erwähnt? – soooooo breit sind.
Die schiere Weite der Karosse lässt das unveränderte Glashaus beinahe so zierlich erscheinen wie das Dach des Coupés SEC. Wer das Heck betrachtet, guckt buchstäblich in die Röhre(n) und muss befürchten, beim ersten Gasstoß umgeblasen zu werden. Umblasen würde uns auch ein Umbau einer echten S-Klasse nach Adivis Plänen. Dank der zumeist niedrigen Preise der W126 wäre es wahrscheinlich gar nicht teuer, ein geeignetes Spenderfahrzeug zu finden. Aber offenbar hat der Designer im Augenblick zu dem Thema keine konkreten Pläne.

















