Mercedes Designo: Als Farbe wieder zum Luxus wurde
Standard ist langweilig – ich will mein Auto individueller haben? Bei Mercedes hieß die Antwort darauf vor 30 Jahren: Designo! Eine Ausfahrt mit den bunten Vögeln Mercedes C 280 und Mercedes SLK 230 Kompressor.
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Ein Mercedes trägt gediegene Farben: Weiß, Schwarz, Silber. Oder Taxi-Beige. Man gibt sich gern seriös – und vielleicht auch ein bisschen konservativ. Mimosengelb, Cayenneorange, Champagnergold: Das war einmal, in den 70ern. Jeder Hersteller gönnte sich seine farblichen Eskapaden, oft in Verbindung mit mindestens genauso bunten Interieurtönen. Dann kamen die 80er: Smaragdschwarz war angesagt, Polarsilber, Anthrazit, …
Auch wenn man diese Zeit rückblickend gern als schrilles Jahrzehnt darstellt – was die Autofarben angeht, war es das nicht. Zumindest nicht bei den Modellen aus Stuttgart. Wir wechseln in die 90er, und bei Mercedes rauchen die Köpfe der Kreativen: Die Mode ist wieder bunt – je größer die Kontraste, umso besser. Grelle Neontöne sind in, Lavalampen wabern in fast jedem Jugendzimmer. Die Renaissance der Farben hat begonnen.
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Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video):

Mercedes Designo: Mehr Farbe für Mercedes C 280 und SLK 230 Kompressor
Im Gegensatz zu heute will Mercedes sich verjüngen, nicht zum reinen Premium-Anbieter werden. Natürlich muss die Markenidentität dabei gewahrt bleiben. Und so bauen die Schwaben ihr Programm vorsichtig, aber konsequent aus. Den Anfang hatte 1982 im Prinzip schon der 190 gemacht: Der Baby-Benz gehörte unverkennbar zur Familie, erschloss aber dennoch ein neues Segment. Mit den Avantgarde-Sondermodellen Azzurro, Rosso und Verde hatte man die Resonanz auf farbenfrohere Muster – vor allem im Innenraum – vorsichtig getestet.
Neue Modelle sollen nun folgen: Mit der "Studie A" gibt man 1991 den ersten Ausblick auf die spätere A-Klasse als neues Kompaktmodell. Zusammen mit Swatch wird die Kleinstwagen-Marke Smart gegründet. Und mit dem SLK stellen die Schwaben 1994 in Turin die seriennahe Studie eines kompakten Roadsters unterhalb des beliebten SL vor.
Individualisierungsprogramme waren nichts Neues
Wenige Monate später folgt ein weiteres Concept Car mit dem neuen Variodach, 1996 präsentiert Mercedes in Turin das Serienauto. Auch wenn der SLK technisch auf der C-Klasse basiert, ist die Karosserie doch eine komplette Neuentwicklung, um eine bestmögliche Steifigkeit zu garantieren. Neu ist unter anderem die nach vorn gewölbte "Ellipsoid"-Stirnwand, die den vorderen Deformationsbereich vergrößert. Der Roadster ist in Deutschland mit dem aus C-/E-Klasse bekannten 2,0-l-Vierzylinder oder dem 2,3-l-Kompressor-Motor (193 PS/142 kW) des C 230 Kompressor bestückt.
Der Clou: Neben optionalen Außenfarben wie dem knalligen "Yellowstone" oder dem kräftigen "Lazulithblau" kann die Kundschaft den Zweisitzer beispielsweise auch im hier gezeigten"Designo Orange" ordern. Designo – das ist das neue Individualisierungsprogramm, das ganz neue Möglichkeiten der persönlichen Gestaltung des Autos bietet.

Ganz neu ist das freilich nicht, war es doch schon zum Beginn der Automobilisierung gang und gäbe, dass man – ein entsprechendes Budget vorausgesetzt – ein Auto nach seinen persönlichen Bedürfnissen auf- oder umbauen ließ. Paradebeispiele hierfür waren die Präsentations-Fahrzeuge 300 (Adenauer) und 600.
1995 startet Mercedes mit dem Designo-Programm
Auf der IAA in Frankfurt stellt Mercedes 1995 also das designo-Programm vor: "So stehen nicht nur exklusive Sonderlackierungen, sondern auch spezielle Lederfarben für das Interieur zur Wahl. Innenraum-Zierteile aus verschiedenen Holzsorten oder anderen Werkstoffen wie Aluminium oder Karbon runden die Wahlmöglichkeiten ab", heißt es in der dazugehörigen Pressemitteilung. Bis zu 10.000 Kombinationen sind anfangs möglich, es gibt allein zehn verschiedene Farben. Individualisiert werden können C-, E- und S-Klasse sowie der SL. Auch für die später folgenden Modelle wie den SLK oder die A-Klasse sind die Optionen bestellbar.
Im November 1995 eröffnet das erste designo-Beratungszentrum in Sindelfingen, fünf weitere sind deutschlandweit geplant. 1996 folgen Dependancen in Paris, Nizza, Rom, London, Zürich und Brüssel. "Wir wollen der Marke Mercedes-Benz noch mehr Faszination, Individualität und Charme geben", erklärt Vorstandschef Dr. Dieter Zetsche seinerzeit im Interview mit der AUTO ZEITUNG. Natürlich hat man das Rad damit nicht neu erfunden: BMW hatte gerade erst seine "Individual"-Sparte mit der Motorsport-Abteilung zur M GmbH zusammengeschlossen, Porsches "Sonderwunsch"-Programm war schon 1986 zu einer eigenen Abteilung geworden.
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Effektlacke machen das Blechkleid individuell
Zu den Highlights des designo-Programms gehört der sogenannte LCP-Lack (Liquid Crystal Pigment): Die Farben des Effektlacks changieren aufgrund feinster Metallglimmer in den einzelnen Lackschichten je nach Lichteinfall – die Farbe begeisterte bereits 1994 und 1995 auf der C-Klasse in der DTM. Wer damit seinen Privatwagen schmücken will, muss 11.000 Mark hinlegen. Bei Steinschlag- oder sonstigen Schäden ist gleich eine Neulackierung fällig, um das homogene Bild wiederherzustellen. Und die wird zum Fall für den Experten. Die übrigen designo-Farben kosten rund ein Drittel, beispielsweise das "designo Grün" der hier gezeigten Mercedes C-Klasse.
Gerade wenn sie zu zweit auftauchen, werden diese beiden designo-Modelle aus der Sammlung von Mercedes-Benz Classic zum Hingucker. Wer auch immer sie damals konfiguriert hat, hatte ein Gespür für ein geschmackvolles Erscheinungsbild – oder einen guten Ansprechpartner im Beratungszentrum. Tatsächlich präsentieren sich Blechkleid und Interieur farblich aufeinander abgestimmt – das wäre aufgrund der Vielfalt im designo-Programm auch ganz anders möglich gewesen. "Auch schlechtem Geschmack sind keine Grenzen gesetzt", wird 1995 in der AUTO ZEITUNG geunkt in Erwartung dessen, was da vielleicht schon bald über die Mercedes-Händler ausgeliefert würde.
Jede Ausstattung war mit dem Designo-Programm kombinierbar
Bei unserer C-Klasse standen "designo Grün" (3392,50 Mark) und die "Lederpolsterung zweifarbig" im passenden Grün (5347,50 Mark) auf dem Wunschzettel. Hinzu kamen die Zierteile in grau-schwarzem "Fineline-Holz" für weitere 2185 Mark. Geschmack kostet – da wundert es nicht, dass der C 280 gleich mit "voller Hütte" inklusive Sport-Paket und AMG-Felgen daherkommt. Denn das designo-Programm war mit jeder üblichen Konfiguration kombinierbar.
Unsere farbenfrohen Protagonisten treten in der jeweils stärksten Leistungsstufe an – das bedeutet in beiden Fällen: 193 PS (142 kW). Der SLK holt sie aus aufgeladenen 2,3 l Hubraum, verteilt auf vier Zylinder. Die C-Klasse bemüht sechs Zylinder, deren Volumen sich auf 2,8 l summiert. Geschaltet wird per Hand.

Der Mercedes SLK: Kurvenräuber mit Signalwirkung
Auch wenn es bei diesem Duo vorrangig um die Optik geht, drängt sich eine kurze Ausfahrt auf. Sie bietet wenig Überraschendes, bestätigt aber die gelungenen Gesamtpakete: Der leichte SLK präsentiert sich nicht zuletzt dank des kürzeren Radstands angenehm agil, er mutiert zum Kurvenräuber mit Signalwirkung.
Mit seinem Klappdach empfiehlt er sich theoretisch auch für den Alltag – wenn der Platz nicht so knapp bemessen wäre. Der C 280 gibt sich in allem ein bisschen souveräner. Mit breiten Rädern und Sportfahrwerk zeigt sich Mercedes’ kleine Limousine überraschend flink und bietet auf ihre Weise ebenfalls viel Spaß. Und der reicht bis zum Blick über die Schulter nach dem Parken: Cool, wie bunt die 90er waren!
Technische Daten von Mercedes C 280 und Mercedes SLK 230 Kompressor
| Classic Cars 11/2025 | Mercedes C 280 | Mercedes SLK 230 Kompressor |
| Zylinder/Ventile pro Zylin. | R6/4 | R4/4 |
| Hubraum | 2799 cm³ | 2295 cm³ |
| Leistung | 142 kW/193 PS bei 5500/min | 142 kW/193 PS bei 5300/min |
| Max. Gesamtdrehmoment bei | 270 Nm 3750/min | 280 Nm 2500/min |
| Getriebe/Antrieb | 5-Gang manuell/Hinterrad | 5-Gang manuell/Hinterrad |
| L/B/H | 4487/1720/1387 mm | 3995/1715/1270 mm |
| Leergewicht | 1490 kg | 1340 kg |
| Bauzeit | 1993–1997 | 1996–2000 |
| Stückzahl | 103.374 | 113.520 |
| Beschleunigung null auf 100 km/h | 8,5 s | 8,1 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 230 km/h | 231 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | 12,5 l | 11,6 l |
| Grundpreis (Jahr) | 59.570 Mark (1997) | 60.950 Mark (1996) |
Fazit
30 Jahre Designo, das bedeutet 30 Jahre frischer Wind im Mercedes-Programm. Zwar war es schon immer möglich, seinen Benz ab Werk zu individualisieren. So offensichtlich war der "persönliche Touch" aber nur selten: Farben, die in den 70er-Jahren normal waren, wurden zum Statement. Und es ging weiter: 2021 löste das aktuelle Manufaktur-Programm die bisherigen Designo-Möglichkeiten ab. Gezielt nach einem Klassiker mit Designo-Optionen zu suchen, wird zum Glücksspiel. Aber es lohnt sich, die Augen nach etwas mehr Farbe offen zu halten!















