Mercedes-Benz E60 AMG (W124): Der übermächtige 500 E
Der Mercedes-Benz E60 AMG (W124) fasziniert seine Fans heute noch genauso wie 1993. Eine Huldigung an den optisch dezenten Bürger-Benz, unter dessen braver Schale ein V8-Kern mit bis zu 381 PS auf seine Entfesselung wartet.
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Der Mercedes-Benz E60 AMG basiert auf dem begehrenswerten 500 E
Schon bei seiner Geburt war der Mercedes-Benz E60 AMG (W124) ein echter Knaller ... und ein Meister des Understatements zugleich! Allein die zugehörige Typenbezeichnung lässt Eingeweihte mit der Zunge schnalzen, basiert der E60 AMG doch auf dem 1990 vorgestellten Mercedes-Benz 500 E mit V8-Motor, der schon ohne Werkstuning von AMG das Spitzenmodell der Baureihe markierte und heute zu den begehrtesten Autos an der Schwelle vom Youngtimer zum Oldtimer gehört. Der in enger Zusammenarbeit mit Porsche in Zuffenhausen entstandene 500 E bringt Fahrleistungen auf die Piste, die eines Sportwagens würdig sind. Fünf Liter Hubraum, 326 PS (240 kW) stark, in nur 6,1 s von 0 auf 100 km/h und eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h bescheren ihm den Titel "Wolf im Schafspelz" – und das völlig zu Recht.
Gleiches gilt dann natürlich auch für den nochmals stärkeren Mercedes-Benz E60 AMG, der ähnlich unscheinbar daherkommt. Gut, sowohl E60 als auch 500 E sind mit einer dezent muskulös gezeichneten und tiefergelegten Karosserie samt voluminöseren Kotflügel vom Rest der W124-Baureihe zu unterscheiden, doch der erste Blick verrät nur wenig von der Power, die unter der Haube des braven Bürger-Benz schlummert und auf ihre Entfesselung wartet. Nur 10.479 Exemplare des 500 E wurden bis 1995 gebaut – bereits zusammengezählt mit dem in weit geringerer Stückzahl gefertigten Mercedes-Benz E 60 AMG (W124), mit dem er sich Produktionsstatistik teilt.
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Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video):

AMG tobte sich an den 500 E-Rohkarossen so richtig aus
Der Mercedes-Benz E 60 AMG (W124) treibt das Konzept der Powerlimousine dann endgültig auf die Spitze. Oder besser gesagt: Die damals noch eigenständig operierende Tuning-Schmiede AMG, seit 1990 mit Mercedes-Benz in einem Kooperationsverhältnis, hat sich an der W124-Baureihe so richtig austoben dürfen. Denn AMG erhielt für den E60 von Mercedes lediglich die 500 E-Rohkarossen, machte daraus aber eine Tugend und behielt die bürgerliche Form, den hohen Nutzwert und die Alltagstauglichkeit der E-Klasse bei gleichzeitiger Performance-Optimierung bei.

Dafür spricht auch das gediegene Interieur, das mit schwarzem Leder und großzügig drapiertem Wurzelholz einen durch und durch edlen Eindruck macht und von AMG makellos verarbeitet wurde. Optisch also Understatement, weswegen man heute so ein Auto mitunter auch Schläfer nennt; ein Hinweis darauf, dass die enorme Leistung vor dem Anlassen der Maschine durch kaum etwas verraten wird!
Der V8 des Mercedes E60 AMG (W124) leistet 381 PS, mindestens
Wenn er dann angelassen wird, verwöhnt der Motor des Mercedes-Benz E60 AMG (W124) mit einem wohligen Grollen, das unter Druck zu einem echten Drehzahlgewitter anwachsen kann. Kein Wunder: Der Sechsliter-V8 ist die konsequente Evolution des M119-E50-Motors, der den 500 E befeuerte, und bot der AMG-Truppe mit seinen 326 PS (240 kW) die perfekte Vorlage für ihr Tuningwerk. Im E60 geht der Achtzylinder anfangs mit 374 PS (275 kW), später dann mit mächtigen 381 PS (280 kW) zu Werke. Hört man sich im Kreise echter AMG-Enthusiast:innen um, dann können mitunter auch schon mal mehr als 400 PS (292 kW) am E60 AMG gemessen werden.

Flankiert werden diese Leistungen durch 580 Nm maximales Drehmoment bei 3800 Umdrehungen, was in den frühen 90ern sogar einem Supersportwagen zu höchster Ehre gereicht hätte. Das Ergebnis dieser Leistungswerte sind dann Messwerte, die Kinnladen gen Bordstein klappen lassen. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der E60 AMG in gerade mal 5,6 s (bzw. 5,4 s) und der V8 hätte es gut und gerne auf 295 km/h bringen können, wäre er nicht wie sein Kollege 500 E bei 250 km/h abgeregelt! Das Vierstufen-Automatikgetriebe aus dem 500 SL setzt die vorhandene Kraft stante pede in Vortrieb um!
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Gebrauchte E60 AMG kosten heute sechsstellig
Wie viele Mercedes-Benz E60 AMG das AMG-Werk in Affalterbach verlassen haben, ist heute leider nicht mehr genau zu rekonstruieren, da diese in der Produktionsstatistik des 500 E mit eingeflossen sind. Mehr als 147 Stück dürften es aber nicht gewesen sein. Wer sich heute die Power-Limousine in die Garage stellen möchte, muss also aufmerksam den Gebrauchtwagenmarkt studieren – und bereit sein, die entsprechende Summe Geld auf den Tisch zu legen. 2024 wurde das hier gezeigte Exemplar bei einer Auktion von Broad Arrows in den USA für umgerechnet 192.000 Euro versteigert. Fast schon ironisch, dass der AMG als Neuwagen Anfang der 90er ebenfalls 190.000 D-Mark kostete.














