Mercedes 300 TE 6.0 AMG: sechs Liter, sieben Sitze, 310 PS
Mit einem Holzhammer schlägt man für gewöhnlich Leimfugen oder Holzpfosten, aber keinen Porsche. Das änderte sich mit dem Mercedes 300 TE 6.0 AMG. Der Siebensitzer-Kombi wollte Amerika in den 80er-Jahren mächtig aufmischen und hört auf den Spitznamen „Mallet“, also Holzhammer.
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Holzhammerhart: Mit Kombi-Tunings wie dem Mercedes 300 TE 6.0 leistete AMG Pionierarbeit
Und verwechseln Sie nicht Mallet mit Mullet, zu deutsch Vokuhila. Der Mercedes 300 TE 6.0 AMG ist zwar auch vorne eher kurz und hinten lang und in den 80ern wie heute als Mittel der Persönlichkeitsentfaltung angesagt, aber das war es dann auch mit den Gemeinsamkeiten. Seinen Namen hat sich der Kombi nämlich mit seinen gewaltsamen Leistungsausbrüchen verdient.
Und warum nicht gleich den nomenklatorischen Vorschlaghammer schwingen? Tja, der war schon an das Mercedes 300 CE 6.0 AMG Hammer Coupé verpachtet. Sie wissen schon: Dieses 385 PS (283 kW) mächtige Vierventilmonstrum auf C124er-Basis, das sogar einen Lamborghini Countach verspeisen konnte.
Das Hammer Coupé war aber so horrend teuer und spitz positioniert, dass sich darunter problemlos noch ein softerer Holzhammer anbieten ließ. Das dachte sich zumindest der AMG-USA-Chef mit dem passenden Namen Richard Buxbaum.
Ende der 1970er hatten die AMG-Urväter Hans-Werner Aufrecht und Erhard Melcher erstmals mit dem S123 mit Kombi-Tunings experimentiert. Damit leisteten die beiden Schwaben Pionierarbeit, denn das noch ziemlich Nutzfahrzeug-lastige Segment sollte noch gut eine Dekade reifen, bis es die Latzhose gegen den Trainingsanzug tauschen würde. Dementsprechend verhalten fiel das anfängliche Medien- und Kundeninteresse aus.
Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video)

Der einzige, der einen AMG-Kombi haben wollte, war der Chef höchstpersönlich
Der umtriebige Buxbaum entwickelte die Idee seiner deutschen Geschäftspartner 1988 zum Mercedes 300 TE 6.0 AMG weiter. Der Clou: Statt des extrem komplizierten und 65.000 Dollar teuren DOHC-Zylinderkopfs setzte er auf konventionelle Zweiventiltechnik. So genügte es bereits, den Spender-V8 aus einem 560 SEL auf sechs Liter Hubraum aufzubohren und anschließend in den ausreichend dimensionierten Motorraum des S124ers zu verfrachten. Das Ergebnis? 310 PS (228 kW) und 434 Nm Drehmoment.
Um den Mallet unter 100.000 US-Dollar an den Mann oder die Frau bringen zu können, nahm sein Team in Chicago noch weitere Tunings hemdsärmeliger Natur vor. Dazu gehören das Stutzen der Fahrwerksfedern sowie der Einbau von Stabis, die sich nicht immer perfekt mit der hydropneumatischen Niveauregulierung des Benz verstanden.
Karosserieseitig mussten die obligatorischen AMG-Schürzen und die Lackierung der Chromzierteile für den Sport-Look ausreichen. Ansonsten gabs noch Fünfspeichen-Alus und AMG-Instrumente – fertig war der „Hammer light“. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Buxbaum einen echten Krawall-Kombi heraufbeschworen hatte, der es locker mit einem Porsche 911 aufnehmen konnte.
„Car and Driver“ ermittelte bei einem Test anno 1990 eine Beschleunigung von 5,7 s für den Sprint auf 60 mph, also 96 km/h und erst bei 246 km/h endete der Vorwärtsdrang des schwarzen Schranks. Dass er dabei kaum unter 16 l auf 100 km so drosseln war, störte im großen Land des billigen Sprits niemanden.

Entgegen Buxbaums Visionen schien aber vorrangig er selbst am Mallet interessiert. So sollen nur zwei 6.0-Kombis von AMG of North America komplettiert worden sein. Einen davon nutzte er als Privatwagen: Es handelt sich um das hier gezeigte Modell mit charmanter Siebensitzer-Konfiguration.
Dieses durchlief in den vergangenen Jahrzehnten mehrere AMG-Sammlungen, bis es 2024 von RM Sotheby's versteigert wurde. Der extreme Seltenheitswert gepaart mit dem allgegenwärtigen AMG-Hype zettelte ein Bietergefecht an, das erst bei umgerechnet 400.000 Euro mit einem Fall des – wie könnte es anders sein – Holzhammers zum Abschluss kam.





















