Maybach 57 S trifft Exelero: 400.000 Euro gegen 350 km/h
Große Verführer unter sich: Vor mittlerweile über 20 Jahren sorgte der Maybach Exelero für Furore. Das von Hand gefertigte Unikat tritt zum ultimativen Power-Duell mit dem damals stärksten Serien-Maybach an, dem 57 S.
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Maybach, Mercedes und Daimler haben eine lange gemeinsame Geschichte, die sich wiederholt
Die Entstehung der Marke Maybach in wenigen Worten zu erklären, ist schier unmöglich, zu tief ist sie in der Geschichte des Automobils verwurzelt. Versuchen wir es trotzdem: Der am 9. Februar 1846 geborene Wilhelm Maybach trifft noch während seiner Ausbildung auf Gottlieb Daimler. Dieser erkennt das Talent des jungen Konstrukteurs und fördert ihn: Gemeinsam wechseln sie 1873 zum Motorenhersteller Deutz, später wird Maybach Mitarbeiter in Daimlers eigener Werkstatt.
Dort setzt er Daimlers Idee vom schnell laufenden Benzinmotor um. Bis 1907, über den Tod Daimlers hinaus, bleibt er in der 1890 gegründeten Daimler-Motorengesellschaft, es entstehen die ersten Fahrzeuge mit dem Namen Mercedes. 1909 gründen Wilhelm Maybach, sein Sohn Karl und Ferdinand Graf von Zeppelin die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH, aus der 1918 die Maybach-Motorenbau GmbH wird.
Man widmet sich jetzt auch dem Bau von Automobil-Motoren, im Jahr 1919 entsteht der erste eigene Versuchswagen „W1“. Zwei Jahre später stellt Maybach auf der Berliner Automobilausstellung den „W3“ vor, das erste käufliche Auto der Marke. 1930 kommt der „Zeppelin“ auf den Markt, eine Limousine mit Zwölfzylinder-Motor.
Damit schließt sich der Kreis zu den hier vorgestellten Youngtimern: Nachdem Daimler Benz das Unternehmen 1960 übernommen und zur MTU Friedrichshafen GmbH gemacht hat, wird der Name Maybach im Jahr 2002 für eine Fahrzeug-Manufaktur reaktiviert. Das hat durchaus strategische Gründe: Bentley war in den VW-Konzern integriert worden, BMW hatte gerade Rolls-Royce übernommen. Es ist also mit starker Konkurrenz in der Luxusklasse zu rechnen, der man mit einer Mercedes S-Klasse kaum Paroli bieten kann. So wie Maybach in den 20er- bis 40er-Jahren für technisch interessante und vor allem luxuriöse Automobile stand, soll es nun auch wieder exklusive Fahrzeuge mit dem markanten „Doppel-M“ geben.
Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video)

Der mächtige Maybach 57 S trifft auf den brutalen Exelero
Es entstehen die Modelle 57 und 62, wobei diese Typbezeichnungen sich auf die Längen der Limousinen – 5,70 bzw. 6,20 m – beziehen. Kommt wie im Fall des Autos auf diesen Seiten ein „S“ (= Spezial) hinzu, sprechen wir von einer noch stärkeren Variante: Der Hubraum des Zwölfzylinders wächst von 5,5 auf knapp 6,0 l, die Leistung steigt mit AMG-Unterstützung von 550 auf 612 PS (von 405 auf 450 kW). Das maximale Drehmoment erreicht in diesem Fall sogar imageträchtige 1000 Nm.
Optisch bekommt das Topmodell eine geänderte Heckschürze, spezielle 20-Zoll-Räder sowie Karbon und Klavierlack im Innenraum. Alles vom Feinsten also. Doch der Plan geht nicht ganz auf: Das Design des Maybach ist zu nah an dem der damaligen S-Klasse, heißt es. Und der Glanz der früheren Luxusfahrzeuge ist in den vergangenen 60 bis 80 Jahren gehörig verblasst.
Ein ganz besonderes Auto soll es richten – und auch da greift man wieder tief ins Archiv, diesmal in das der Marke Fulda: 1939 hatte Maybach für den Reifen-Hersteller ein Erprobungsfahrzeug gebaut, das 140 PS (103 kW) starke SW 38 Stromlinien-Coupé. Mit bis zu 200 km/h ging es damals auf die Teststrecke – zu jener Zeit ein beachtlicher Wert.
2005 stellen Maybach und Fulda den Exelero vor, dessen Design von einer vierköpfigen Gruppe unter der Leitung von Professor Harald Leschke an der Fachhochschule Pforzheim entstand. Das Auto ist weit mehr als ein Showcar und verzichtet deswegen auch weitestgehend auf Retro-Elemente. Wie der SW 38 soll es sich vor allem auf der Piste beweisen.
Stärker, länger, breiter: Das wuchtige Coupé strotzt vor Superlativen
Dieses Mal aber steht eine angepeilte Geschwindigkeit von 350 km/h auf dem Plan. Mit Reifen der schier irrwitzigen Dimension 315/25 ZR 23 erreicht Klaus Ludwig auf der Rekordstrecke von Nardò 351,45 km/h! Die Reifengröße trägt übrigens dem Boom der Hochleistungs-SUV Rechnung, die mit hohem Gewicht und massig Leistung über die Autobahnen donnern. Beim Gewicht kann der Exelero mit diesen gut mithalten: Über 2,7 t wiegt das keilförmige Monstrum, die vom Biturbo-V12 in 4,4 s bis auf 100 km/h gewuchtet werden.
Mit 5,89 m Länge und stolzen 2,14 m Breite überragt der Exelero sogar die Abmessungen des „kleinen“ Maybach – er ist halt nur deutlich flacher. Der Radstand von 3390 mm entspricht dem des Maybach 57, dessen Fahrwerk er weitgehend nutzt – inklusive ESP. Im Innenraum finden sich einige Elemente aus der Limousine wieder, auch wenn das Cockpit in Summe natürlich deutlich sachlicher ausfällt – auf ihren Rekordfahrten müssen Ludwig & Co. auf viele Komfort-Features verzichten.

Das heißt aber nicht, dass hier eine Batterie aus zusammen gewürfelten Schaltern mit Beschriftungen aus dem Etiketten-Drucker wie in den Rallye-Autos der 80er auf die Person am Steuer wartet. Nein, das rot-schwarze Interieur ist stimmig, hier wurde ganz offensichtlich viel Wert auf ein ansehnliches und der Marke Maybach gebührendes Ambiente gelegt – bis hin zu den schwarzglänzend lackierten Helm-Haltern hinter den Sitzen. Die Nähe zur Marke Mercedes ist spürbar: Wer sich in einer E- oder S-Klasse zurechtfindet, weiß sowohl im Exelero als auch im 57 S, wo er was findet.
So braucht man keine detaillierte Einweisung, bevor der Selbstversuch in Fuldas Testwagen starten kann. Um die angepeilte Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, gönnte das Konstrukteursteam dem Auto eine recht lange Übersetzung. Es reißt ihn also beim ersten Tritt aufs Gaspedal nicht gleich brachial von der Stelle. Die 700 PS (515 kW) gehen dennoch druck voll zu Werk. Mit einem fulminanten Donnergrollen kommt das Coupé in Fahrt und treibt einen letztendlich mit schierer Übermacht nach vorn – was umgekehrt für die Bremsen in ähnlicher Form gilt. Denkt man jetzt auch noch an das Leergewicht des Kolosses, hat man eine ungefähre Vorstellung davon, was die flachen und breiten Pneus zu verkraften haben ...
Fast schon proletarisch: Tieferlegung und Sportfahrwerk im 57 S
Steigen wir um in die Limousine, die mit ihrem hochseriösen Ambiente den Exelero im Nachhinein doch etwas, sagen wir mal: verspielt wirken lässt. Ja, die Grundfunktionen sind vertraut, mit weiteren Besonderheiten sollte man sich noch anfreunden. Vor allem aber: Alles wirkt enorm hochwertig, fast möchte man dieses Auto nur mit weißen Handschuhen bewegen – so wie es echte Chauffeur:innen ja auch machen. Zumindest in britischen Kitschfilmen.
Aber nein, es wäre zu schade, dieses Steuer einem Angestellten zu überlassen. Hier fährt der Boss selber – und hat Spaß dabei. Zeitung und Laptop bleiben auf der Rückbank liegen, wenn der Schlüssel herumgedreht wird und der Zwölfzylinder – der übrigens auch im SL 65 AMG zum Einsatz kommt – säuselnd seine Arbeit aufnimmt. Wie? Ist das alles? Das sollen sechs Liter, 612 PS (450 kW), 1000 Nm sein? Die Antwort gibt der rechte Fuß: Nähert er sich dem Bodenblech, pardon: dem Teppich, wuchtet es die 2,66-t-Limousine vehement nach vorn. Nicht so lautstark wie beim Exelero, aber kaum minder beeindruckend.

Bis zu 275 km/h wären drin, wenn wir den Fuß nach dem Erreichen der 100-km/h-Marke nach fünf Sekunden weiter unten ließen. Aber wer will das schon? Der Exelero ist der Krawallo in dieser Runde, sein viertüriger Bruder gleitet mit einer Geschwindigkeit nach Wahl dahin. Und dabei helfen dem „S“ im Vergleich zum 550 PS (405 kW) starken Basis-57 eine Tieferlegung um 15 mm sowie eine sportlichere Fahrwerks-Auslegung.
Knapp 420.000 Euro waren 2005 für den Maybach 57 S hinzulegen, gebrauchte Exemplare sind heute für ein Fünftel des Preises zu haben. 503 Menschen entscheiden sich für die erste Generation des 57 S. Die anvisierten Stückzahlen können nicht erreicht werden, 2012 beendet Mercedes die teure, aber erfolglose Wiederbelebung der Marke Maybach. Seit 2014 kennzeichnet der Name besonders exklusive Modelle der S-Klasse.
Der Exelero hingegen war schon immer eben so einzigartig wie unbezahlbar. Und im Gegensatz zum verschwundenen Rekordfahrzeug von 1938 ist er geblieben: Seit 2023 ist er in der Loh Collection zu bewundern, 2025 lockte er auf der Essen Motor Show das Publikum an. Die Verleihung des Designpreises „La Belle Étoile“ an den Exelero-Designer Fredrik Burchardt beweist, dass seine Strahlkraft bis heute nicht nachgelassen hat.
Technische Daten von Maybach 57 S und Exelero
Classic Cars 05/2026 | Maybach 57 S | Maybach Exelero |
|---|---|---|
Zylinder / Ventile pro Zylin. | 12 / 3 | 12 / 3 |
Hubraum | 5980 cm³ | 5908 cm³ |
Leistung | 450 kW/612 PS bei 4800-5100 U/min | 515 kW/700 PS bei 5000 U/min |
Max. Gesamtdrehmoment bei | 1000 Nm bei 2000-4000 U/min | 1020 Nm bei 2500 U/min |
Getriebe / Antrieb | 5-Stufen-Automatik / Hinterrad | 5-Stufen-Automatik / Hinterrad |
L / B / H | 5728 / 1980 / 1557 mm | 5890 / 2140 / 1390 mm |
Leergewicht | 2660 kg | 2730 kg |
Bauzeit | 2005 – 2010 | 2005 |
Stückzahl | 503 | xx.xxx |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 5,0 s (AZ 26/2005) | 4,4 s (Werksangabe) |
Höchstgeschwindigkeit | 275 km/h (AZ 26/2005) | 351,45 km/h (Werksangabe) |
Verbrauch auf 100 km | 16,4 l SP (AZ 26/2005) | k.A. |
Grundpreis (Jahr) | 419.920 Mark (2005) | k.A. |

























