Kugel 600: In diesem Mercedes 600 wütet ein AMG E 63 S
Bei diesem Benz geben sich Originalitäts-Fans die Kugel: Kugel Werks aus Kalifornien (USA) hat den staatstragenden Mercedes 600 mit der Technik des AMG E 63 S in ein XXL-Schurkenmobil verwandelt. Nur der Preis ist noch fetter als der gepimpte W100.
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Ist es ein Übersetzungsfehler oder vermessene Absicht, dass das Erstlingswerk der kalifornischen Restomod-Schmiede auf den Namen Kugel 600 hört? Denn ob der staatsmännische W100er-Benz mit diesem tief ins Klassiker-Mark eingreifende Tuning noch eine runde Sache ist, dürfte für hitzige Debatten auf Bundestagsniveau sorgen. Überhaupt ist ja doch sehr wenig kugelrund am 600er, der als eine der größten Dreibox-Limousinen der Welt gilt – höchstens die vorderen LED-Lichtsignaturen und der geschwärzte Haubenstern.
Wir stellen uns vor, dass dem Kugel Werks-Team beim Pitch in der Hinterhofgarage die Bezeichnung "Bullet" – wie aus der Kanone geschossen – kam. Ein kurzer Check im Google Übersetzer, und schon war das entsprechende deutsche Wort, also Kugel, gefunden. Natürlich dämmerte niemandem unter den nervös flackernden Neonlampen, dass Projektil, Geschoss oder Patrone womöglich die bessere Bezeichnung gewesen wären. Zumal die finstere Luxuslimousine aussieht, als wolle sie gegen hohe Spritpreise, Tempolimits und Linke-Spur-Blockierer in den Krieg ziehen.
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Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video):

Kugel 600: Der derbe Onkel der "Roten Sau" in der Midlife-Crisis
Lost in Translation – das gilt auch für den souveränen 6,3-l-V8 des 600ers, für den die kalifornische Firma offenbar keine Verwendung mehr hatte. An seiner statt bemüht sich nun der Vierliter-V8 aus einem 2020er-Mercedes-AMG E 63 S, das Loch unter der anderthalb Meter langen Haube bestmöglich zu füllen. Tatsächlich hat Kugel Werks aber nicht nur das 612 PS (450 kW) starke Aggregat aus der E-Klasse entnommen, sondern auch sämtliche Allradantriebs- und Fahrwerkskomponenten sowie den Innenraum. Mit anderen Worten: Man pilotiert einen E 63er im Gewand eines Mercedes 600.

Damit dieser auch auf dem Parkplatz vor dem Gucci-Store in Beverly Hills Aufmerksamkeit erregt, tauschte der W100 nicht nur seine Klassikerseele gegen einen Hightech-Motor, sondern auch den üppigen Chromzierrat gegen halbstarke CfK-Verspoilerungen. Unter den verbreiterten Kotflügeln drehen sich dreiteilige 19-Zöller, während sich die AMG-ifizierung in eckigen Endrohren ergießt. Es wirkt fast so, als würde der Kugel 600 den mit derben Sprüchen um sich kloppenden Onkel der "Roten Sau" mimen, der frisch in der Midlife-Crisis angekommen ist.
Mercedes-AMG E 63-Cockpit, aber mit atmosphärischem Blick auf den Haubenstern
Innen hingegen ergibt so ein Restomod-Tuning dann tatsächlich irgendwie Sinn. Denn während wir uns über die Schießscharten-Fenster moderner Fahrzeuge aufregen, herrscht im Kugel-Benz dank der spindeldürren Säulen eine atmosphärische Übersicht. Durch die großen Fensterflächen fällt das Tageslicht auf vier knackige AMG-Schalensitze sowie das moderne Multimedia-Cockpit.
Dass die digitale Berieselung in wenigen Jahren auch schon wieder Pixelschnee von gestern sein wird – geschenkt. Als Hollywood-Millionär:in denkt man in der Regel ohnehin nur bis zum nächsten Gala-Event. Und auf dem Weg dorthin dem Haubenstern und den buckligen Kotflügelecken zuzusehen, wie sie von 612 PS (450 kW) in den nächsten Scheitelpunkt katapultiert werden, ist die nächste Filmgage vermutlich wert. Apropos Wert: Kugel Werks verlangt happige 850.000 Euro für den 600er.
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Wenn es um echte Zahlen in Sachen Fahrleistungen geht, dann verstummt der Kugel 600 plötzlich. Auch hier bieten wir uns als Übersetzer an: Die 2,5 t des 600er-Mercedes werden durch 2020er-Elektronik, Allradantrieb (So funktioniert ein Allradantrieb) und Anbauteile wohl kaum vermindert worden sein. So ist in Sachen Beschleunigung eher mit einem guten Vier-Sekunden-Wert zu rechnen als mit den 3,2 s der 1,9 t schweren E-Klasse. Und weil der große Kühlergrill und im Grunde auch der Rest des W100 wie eine Ebenholz-Schrankwand im Wind stehen, trauen wir dem Restomod 250, aber sicher keine 300 km/h Spitze zu.












