Ratgeber

Kratzer am Auto entfernen: Alle Möglichkeiten erklärt

Kratzer im Autolack sind ärgerlich – und leider schnell passiert. Ob beim Einparken, in der Waschanlage oder durch Steinschlag: Kaum ein Fahrzeug bleibt dauerhaft verschont. Die gute Nachricht: Nicht jeder Kratzer bedeutet automatisch eine teure Lackierung. Wir erklären alle Möglichkeiten zur Kratzerentfernung, von einfachen Hausmitteln bis zur professionellen Reparatur.

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Eine Person zeigt mit dem Zeigefinger auf einen Kratzer im Lack über dem hinteren linken Radlauf eines weißen Skoda Fabia.
Ein Kratzer im Lack ist ärgerlich, aber nicht immer Grund für eine teure Reparatur. Je nach Tiefe lässt sich der optische Makel auch ohne Neulackierung oder Smart Repair beheben. Foto: BauerStock/AUTO ZEITUNG

Welche Arten von Kratzern gibt es am Auto?

Bevor man Kratzer am Auto entfernt, sollte man wissen, wie groß der Schaden am Auto ist. Der Fahrzeuglack besteht aus mehreren Schichten, entsprechend tief können Kratzer im Lack also sein:

  • Klarlack: Ist nur der Klarlack betroffen, lassen sich Kratzer meist einfach entfernen.

  • Farblack: Hier sind Reparaturen in Eigenregie nur mit erhöhtem Aufwand möglich.

  • Grundierung: Reicht der Kratzer bis zur Grundierung wird es aufwendiger und teurer.

  • Karosserieblech: Ist der Kratzer so tief, dass er bereits zum Blech reicht, ist in der Regel nur noch eine aufwendige Lackierung die Lösung.

Mit einem einfachen Test können Autofahrer:innen bestimmen, wie tief der Kratzer ungefähr reicht: Bleibt der Fingernagel am Kratzer hängen, ist er in der Regel tiefer als die in nur etwa 30 bis 60 µm – etwa 0,003 bis 0,006 cm – dicke Klarlackschicht. Ist das Innere des Kratzers zudem Hellgrau anstelle der Lackfarbe, reicht er bereits mindestens bis zur Grundierung. Rostansatz im Kratzer weist dagegen darauf hin, dass er bis ans Blech reicht. Im Folgenden erklären wir, mit welchen Methoden sich Kratzer entfernen lassen.

Methode 1: Oberflächliche Kratzer mit Politur entfernen

Leichte Kratzer im Klarlack lassen sich oft durch bereits durch Polieren beseitigen. Für folgende Kratzer ist eine Autopolitur geeignet:

  • Oberflächliche Kratzer

  • Waschstraßenkratzer und Swirls

  • Feine Schrammen

Das wird gemacht:

Eine Autopolitur wirkt bei der Anwendung leicht abrasiv und trägt eine minimale Schicht Klarlack ab. Gleichzeitig glättet das Poliermittel die Oberfläche. Anschließend sorgt eine Lackversiegelung für Schutz und Glanz. Wie man ein Auto von Hand oder mit der Maschine poliert, erklären wir hier in der Anleitung.

Kosten:

  • Für Poliermittel und Werkzeuge (z. B. Polierflies und Polierschwamm) fallen zwischen 10 und 30 Euro an. Eine Poliermaschine ist deutlich teurer, macht Geübten die Arbeit aber leichter.

  • Profi-Aufbereitungen beginnen bei knapp 100 Euro.

Methode 2: Polierpaste gegen tiefere Klarlack-Kratzer

Leichte Kratzer im Klarlack lassen sich oft durch bereits durch Polieren beseitigen. Für folgende Kratzer ist eine Autopolitur geeignet:

  • Oberflächliche Kratzer

  • Waschstraßenkratzer und Swirls

  • Feine Schrammen

Das wird gemacht:

Auch hier wird das Auto poliert. Bei Politurpaste aber in der Regel nie das gesamte Auto, sondern nur der Schaden selbst. Da Polierpaste in der Regel auch mehr Schleifpartikel enthält als herkömmliche Autopolitur, wird der Schaden zwar geglättet, der Lack aber auch drumherum leicht angeraut. Eine nachträgliche Glanzpolitur wird daher meist empfohlen.

Kosten:

  • Die Kosten sind ähnlich zu denen einer herkömmlichen Politur, liegen also je nachdem, was neu gekauft werden muss, zwischen 10 und 30 Euro an.

Methode 3: Kratzer mit Lackstift ausbessern

Ein Lackstift ist ideal für kleinere, aber bereits tiefere Kratzer, gegen die selbst eine stärker abrasive Polierpaste nicht mehr ankommt. Diese Lackschäden lassen sich mit einem Stift entfernen:

  • Kratzer bis zur Farbschicht

  • Kleine Steinschläge

Das wird gemacht:

Der Lackstift wird punktuell auf den gereinigten Schaden getragen und verschließt den Kratzer. Wichtig ist der exakte Farbton. Den Lackcode können Autofahrer:innen einem Aufkleber im Motorraum oder dem Serviceheft entnehmen.

Kosten:

  • Ein Lackstift kostet etwa 10 bis 25 Euro.

Methode 4: Professionelle Kratzerentfernung mit Smart Repair

Smart Repair ist eine beliebte Methode für lokale Lackschäden, die sich nicht herauspolieren lassen. Zu tief darf der Kratzer aber auch nicht sein. Entfernen lassen sich daher:

  • Mitteltiefe Kratzer, die nicht bis zum Blech reichen

  • Lackschäden, die nur recht kleinflächig

Das wird gemacht:

Der beschädigte Bereich wird gezielt bearbeitet, geschliffen, lackiert und versiegelt – ohne das ganze Bauteil neu zu lackieren oder ausbauen zu müssen.

Kosten:

  • Für Smart Repair am Lack fallen Kosten in Höhe von knapp 80 bis 300 Euro, je nach Schaden.

Methode 5: Neulackierung bei besonders schweren Fällen

Ist der Kratzer sehr tief oder großflächig, hilft meist nur eine Neulackierung des entsprechenden Karosserieteils. Bei folgenden Schäden ist die Lackierung in der Regel die einzige Option:

  • Tiefe Kratzer bis aufs Blech

  • Großflächige Schäden

  • Lackschäden mit Rostbildung

Das wird gemacht:

Das Bauteil wird geschliffen, grundiert und komplett neu lackiert. Je nach Teil ist auch Aus- und Einbau für die Lackierung notwendig.

Kosten:

  • Los geht es ab knapp 400 Euro pro Bauteil, der Preis richtet sich aber vor allem nach Größe und Aufwand.

  • Bei großen Teilen (etwa ganzen Stoßstangen oder Schwellern), Premium-Fahrzeugen oder Speziallacken deutlich teurer.

Kratzer im Lack entfernen: Methoden im Vergleich (Tabelle)

Politur

Polierpaste

Lackstift

Smart Repair

Neulackierung

Kratzertiefe

Oberflächliche Kratzer im Klarlack

Tiefere Kratzer im Klarlack

Kratzer bis zur Farblack-Schicht

Mitteltiefe Kratzer bis zum Farblack, kleine Lackschäden und Abschürfungen

Tiefe Kratzer bis auf Blech, größere Lackschäden

Aufwand

Gering

Gering

Mittel

Hoch

Sehr hoch

Selbst möglich

Ja

Ja

Ja

Nein

Nein

Kosten

10 – 30 Euro

10 – 30 Euro

10 – 25 Euro

80 – 300 Euro

ab ca. 400 Euro

Vorteile

Schnell, günstig, gutes Ergebnis bei leichten Kratzern

Schnell, günstig

Sehr einfache Anwendung, günstig

Deutlich günstiger als Neulackierung, gute optische Ergebnisse

Perfektes Ergebnis, dauerhafte Lösung

Nachteile

Nur bei sehr leichten Lackschäden wirksam

Etwas aufwändiger als einfache Politur, dafür besseres Ergebnis

Optisch nicht perfekt, bei falscher Anwendung sichtbar

Nicht bei allen Kratzertiefen möglich

Sehr teuer, meistens nur in Fachwerkstatt möglich

Hausmittel gegen Kratzer: Eine kostengünstige Alternative?

Im Internet kursieren viele Tipps zu Hausmitteln, die Kratzer im Auto für wenig bis gar kein Geld aufbessern sollen. Oft als „Wundermittel“ beschrieben werden folgende Hausmittel:

  • Zahnpasta

  • Backpulver

  • Schleifpaste

Zwar könnten diese Methoden feinste Kratzer minimal kaschieren, ersetzen aber keine richtige Politur mit einem Spezialmittel für den Einsatz auf Autolack. Eine falsche Anwendung der Hausmittel kann den Lack dagegen sogar beschädigen. Die Kratzerreparatur mit Hausmitteln sollte daher nur in absoluten Notfälle geschehen und auch nur mit Vorsicht! Ansonsten kann der Reparaturversuch schnell zu einem noch größeren Schaden am Fahrzeuglack führen.

Kratzer entfernen lassen: Übernimmt die Versicherung die Kosten?

Ob die Kfz-Versicherung die Kosten einer Kratzerentfernung übernimmt, hängt neben dem abgeschlossenen Versicherungsschutz auch vom Schadenhergang ab. In der Regel zahlt die Versicherung bei Kratzern dann:

  • Haftpflicht: Bei Bagatellschäden nur am anderen Fahrzeug.

  • Teilkasko: Nur bei Vandalismus oder Fremdverschulden.

  • Vollkasko: Meist abgedeckt, aber mit Selbstbeteiligung.

Bei selbstverschuldeten Parkremplern ohne die Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer:innen übernimmt die Kfz-Versicherung die Reparaturkosten in der Regel nicht. Bei Vollkasko-Versicherten hilft ein Kostenvoranschlag bei der Entscheidung, ob sich eine Meldung lohnt. Liegen die Kosten etwa bei Smart Repair unterhalb der Selbstbeteiligung, ist die Reparatur in Eigenregie meist günstiger.

Neue Kratzer vermeiden: Unsere Tipps

Kratzer am Auto passieren, auch wenn Fahrer:innen noch so umsichtig sind. Mit einigen Tipps können aber neue Kratzer im Lack vermieden werden:

  • Abstand in Waschanlagen prüfen

  • Mikrofasertücher statt Schwämme verwenden

  • Auto regelmäßig wachsen oder versiegeln

  • Beim Parken ausreichend Platz lassen

  • Schutzfolien an gefährdeten Stellen nutzen

FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Kratzer entfernen

Ja, leichte Kratzer im Klarlack lassen sich oft selbst mit Politur oder Lackstift behandeln.

Wie teuer die Reparatur wird, hängt vom Schaden ab. Die Kosten reichen von 10 Euro für eine selbst durchgeführte Politur bis über 1000 Euro bei umfangreichen Lackierarbeiten.

Wenn der Kratzer bis aufs Blech reicht, sollte die Reparatur nicht lange aufgeschoben werden. Wenn die Grundierung angekratzt ist, kann sonst Rost schnell entstehen kann.

Bei oberflächlichen Schäden geht das auch mit einer einfachen Politur. Bei tiefen Kratzern wird der Kratzer oft nur durch eine Neulackierung unsichtbar.