Vorstellung

Kimera K39: Retro-Rakete mit Koenigsegg-Motor

Von den 1980ern in die Neuzeit innerhalb von nur fünf Jahren: Mit dem K39 löst sich Kimera Automobili von der Restomod-Philosophie und präsentiert 2026 sein erstes eigenständiges Auto ohne technische Vorlagen. Mit einem knapp 1000 PS starken Koenigsegg-V8 entsteht so die wohl schnellste Zeitmaschine der Welt.

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Der Kimera K39 stehend von vorne
Da Lancia seit Jahrzehnten ein Schattendasein führt, müssen andere Firmen Traumwagen im Namen der Lanze lancieren. So wie der Kimera K39, eine Koenigsegg-befeuerte Hommage an Rally 037 und Ferrari F40. Foto: Kimera Automobili
Der Kimera K39 stehend seitlich
In der Seitenansicht erkennt man Züge des erfolgreichen Gruppe-5-Renners Beta Montecarlo Turbo. Foto: Kimera Automobili
Der Kimera K39 stehend von hinten
Am Heck wird die stilistische Verwandtschaft zum F40 deutlich. Nur auf zwei zusätzliche Scheinwerfer verzichtet Kimera. Foto: Kimera Automobili
Der Motor des Kimera K39
Für Kimera avanciert Koenigsegg erstmals zum Motorenlieferanten. Beim Triebwerk handelt es sich um den bewährten Fünfliter-V8. Foto: Kimera Automobili

Kimera hat es geschafft, einen Lancia mithilfe von Koenigsegg-Power zum Ferrari F40-Erben zu machen

Eine Fusion aus Lancia Rally 037 und Ferrari F40 mit Koenigsegg-Motor – so etwas stand nicht auf unserer Bingokarte für 2026. Wer sich durch die Automobilchronik, insbesondere durchs Kapitel der Rallye-WM der 80er arbeitet, wird aber tatsächlich ein „Aha“ ernten. Denn Lancias Mittelmotor-Bolide für die Wertungsprüfungen entstand zur Anfangszeit der gloriosen Gruppe B 1982.

Und wer wollte gegen Ende der 80er ebenfalls bei den todeslustigen Mittelmotor-Evolutionen mitmischen? Ferrari. Die Roten hatten eigens dafür den 288 GTO entwickelt, der bekanntermaßen 1987 ebenfalls eine Art Ausbaustufe erhielt, die wir heute unter dem Namen Ferrari F40 in Ehren halten. Der hatte dann am Ende zwar weniger mit Rallye-Racing zu tun als Enzo Ferrari mit Henry Ford II, teilte sich aber immerhin die Philosophie, mit einem mittig montierten Turbomotor im Minutentakt die Lebensversicherung der Person am Steuer einlösen zu wollen.

Kimera Automobili, seit 2021 erste und einzige Adresse für Restomods des Lancia Rally 037, hat nun ebenfalls den Weg von der Gruppe-B-DNA zur Asphaltrakete eingeschlagen. Und da Firmengründer Luca Betti bekennender F40-Fan ist, durfte das bewährte Konzept ordentlich ferrarisiert werden. Dazu passt, dass Kimera für den K39 nicht mehr auf das Grundgerüst des Lancia Beta Montecarlo aufbaut, sondern eigens ein völlig neues Kohlefaser-Chassis dafür entwickelt hat.

Und dessen Verkleidung erinnert besonders am Heck mit seinen vertikalen Schlitzen hinter der Hinterachse, den runden Rückleuchten im großflächigen Gitter und dem quadratischen Flügel frappierend an den F40. Nur die Front geht noch im klassischen Lancia- beziehungsweise Kimera-Look auf Fliegenjagd. Im Seitenprofil erkennt man zudem deutliche Einflüsse des Beta Montecarlo Turbo, dem Sportwagen-Weltmeisterauto der Jahre 1980 und 1981.

Der Ferrari Luce im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Handschaltung, Hinterradantrieb, 986 PS, rund 1100 kg

Turbo ist ein gutes Stichwort. Denn im Gegensatz zum Kompressor-aufgeladenen 037er kommt ein Turbomotor im Kimera K39 zum Einsatz, und zwar von keinem Geringeren als Koenigsegg. Ob es das Geld, die gute Beziehung zu Betti oder ein verlockender Abend mit feinsten italienischen Spirituosen gewesen ist, was die Hypercar-Schmiede aus Schweden dazu verleitete, erstmals in ihrer Firmengeschichte zum Motorenlieferanten zu werden, ist nicht überliefert. In jedem Falle darf man aber davon ausgehen, dass Christian von Koenigsegg und Luca Betti am Verhandlungstisch um jede Pferdestärke gefeilscht haben.

Schlussendlich sind es 986 PS (725) kW geworden, die der skandinavische V8 in die italienische Chimäre pumpen darf. So setzt das Triebwerk bei seinem Auswärtsspiel auf kleinere und dadurch spontaner ansprechende Lader aus dem Koenigsegg Agera. Außerdem braucht es im K39 keinen E85-Kraftstoff, sondern nur 95 Oktan, um die maximale Leistung aus dem Fünfliter-Achtzylinder zu holen. Drehmoment? 1200 Nm.

Die unbändige Kraft portioniert eine Siebengang-Handschaltung an die Hinterachse, was das Fahrerlebnis im rund 1100 kg leichten Supersportler ziemlich unvergleichlich machen dürfte. Zum Glück hat Kimera in Sachen Fahrwerk und Aerodynamik mit den Motorsport-Gurus von Dallara – einst auch Entwickler des Beta Montecarlo Turbo – gemeinsame Sache gemacht. Und wenn wir schon beim Motorsport sind: Für den Pikes Peak Hill Climb soll ein nochmals deutlich extremerer K39 entstehen, der sich mit einem fulminanten Aero-Paket um die 156 Kurven des US-amerikanischen Berges winden soll. Die Straßenzulassung soll dabei bestehen bleiben.

Von dieser Version will Betti zehn Exemplare auflegen, während der reguläre K39 ebenfalls in homöopathischer Stückzahl gefertigt wird. Mit Hinblick auf die rund 500.000 Euro, die für den Restomod Evo37 hinzulegen sind, dürfte der Kimera K39 im siebenstelligen Bereich liegen. Aber hey, einen Ferrari F40 oder Koenigsegg bekommt man auch nicht günstiger.

Fazit

Rassig-kantiges 80er-Jahre-Italo-Design, gepaart mit wenig Gewicht, einem brutal aufgeladenen V8 und Handschaltung sowie Hinterradantrieb? Sieht ganz so aus, als hätte Kimera mit dem K39 den F40-Nachfahren gebaut, den sich Ferrari nicht traut. Zu schade, dass man dem Retro-Supercar wohl höchstens in Monaco oder am Pikes Peak in „freier“ Wildbahn begegnen können wird.