Jules II: Kurioses 6x4-Ufo mit Lotus-Optik und Chevy-V8
Ziemlich dufte: Der Jules II wurde von Christian Dior gesponsert und verband einen Dreiachser-Aufbau in Lotus-Optik mit einem Chevy-V8 und Porsche-Getriebe. Der kuriose Paris-Dakar-Renner war kürzlich bei einer Aguttes-Versteigerung erhältlich.
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Haben Sie schon einmal von Thierry de Montcorgé gehört? Der französische Lebemann hatte in der Rallye Paris-Dakar nicht nur das Abenteuer seines Lebens gefunden, sondern auch seine Kreativität in Sachen Fahrzeugbau entdeckt. Für das 1981er-Rennen baute er einen Rolls-Royce Corniche zum Offroader um und beflügelte damit das allgemeine Interesse an der noch jungen Veranstaltung. Zwar war das adlige Gefährt mit werbewirksamem Sponsoring des Christian Dior-Herrenparfüms "Jules" der Star des Raids, doch in Sachen Rennerfolg erlebte die Schnapsidee eher eine Durststrecke, die an einem Baum kurz vor dem Ziel ihr unrühmliches Ende fand.
Zurück am Zeichenbrett entwickelte de Montcorgé in den Folgejahren etwas, das zwar ebenfalls britisches Flair besaß, aber so ziemlich am anderen Ende der Stil-Skala rangierte. Unter der Bezeichnung "Jules II" – Dior hatte ein weiteres Mal Gelder springen lassen – entstand ein sechsrädriges Tarnkappen-Projektil, das an einen Lotus Europa erinnert, der eine Affäre mit einer Pistenraupe hatte. Tatsächlich musste aber gar keiner von Colin Chapmans Mittelmotor-Flundern als Basisfahrzeug herhalten: Der französische Tüftler hatte das Gitterrohrrahmen-Chassis sowie die Kevlar-Karosserie eigens für den Rallye-Boliden entworfen. Für die Windschutzscheibe bediente er sich beim Citroën AX. Die vorderen Scheinwerfer stammten aus dem Teileregal des Citroën Ami 8, während die länglichen Rückleuchten ursprünglich an einem Fiat Ritmo hingen. Für einen möglichst steifen Aufbau verzichtete Jules II auf Türen, folglich muss man umständlich durch die nach oben aufschwenkenden Fenster klettern.
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Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video):

Rallye-Raid-Komik vom Feinsten: Der Jules II havarierte kurios
Wie auch schon im Rolls-Royce setzte de Montcorgé auf einen mittig platzierten Chevrolet-V8 mit 5,7 l Hubraum und rund 360 PS (265 kW), wie er beispielsweise auch viele Jahre in der Corvette zum Einsatz kam. Nur mit dem Unterschied, dass das Triebwerk dieses Mal hinter statt vor der Fahrerkabine rumorte. Den Durst des 530 Nm kräftigen Achtzylinders stillten zwei je 156 l große Tanks, die in den Kotflügeln beheimatet waren. Die Kraftübertragung an die vier vorderen Räder regelte ein Viergang-Getriebe aus dem Porsche 911 Turbo. Clever: Auch die dritte Achse war mit der gesamten Antriebsmechanik ausgestattet, um im Zweifel als Ersatzteillager zu dienen.
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Helfen sollte das jedoch kaum. Die 1400-kg-Flunder war zwar mit weit mehr als 200 km/h Spitze höllisch schnell, aber umso schlimmere Dinge stellten die Sahara-Dünen mit Jules II an. Schon früh bei der Rallye Paris-Dakar 1984 havarierte das Einzelstück wegen mehrerer gebrochener Achs-Elemente. Was dann folgte, war Rallye-Raid-Komik vom Feinsten: Anstatt bei der Reparatur zu helfen, raste der Service-Truck des Teams einfach an der Unfallstelle vorbei. Der Begleit-Lkw befand sich nämlich selbst weit oben im Klassement, was den Piloten offenbar in einen persönlichen Interessenskonflikt stürzte. Ein denkbar zorniger Funkaustausch holte zwar das Service-Team zurück, nicht aber die Chancen auf den Sieg: Jules II war inzwischen aus der Wertung geflogen. Danach verloren sich die Spuren des Boliden, bis er im Oktober 2025 auf einer Aguttes-Auktion in Brüssel (Belgien) unter den Hammer kam. Auch hier verfehlte er sein Ziel: Ein Gebot zwischen 350.000 und 400.000 Euro wurde nicht erreicht.













