Fahrbericht

Erste Testfahrt mit dem neuen Hyundai Nexo: Lohnt sich der Kauf?

Prinzipiell echt gut, wird das Netzwerk an Wasserstoff-Tankstellen für den neuen Hyundai Nexo allerdings derzeit eher kleiner als größer. Trotzdem kaufen? Die erste Testfahrt gibt die Antwort!

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Blick von schräg vorne auf den fahrenden Hyundai Nexo (2026).
Der neue Hyundai Nexo zeigt ein eigenständiges Design mit bulliger Front und muskulösen Flanken. Foto: Hyundai
Blick von schräg hinten auf den fahrenden Hyundai Nexo (2026).
Coupéhaft angeschnittenes Heck mit LED-Leuchten im Pixel-Look. Foto: Hyundai
Blick auf die Armaturen im Innenraum des Hyundai Nexo (2026).
Schick und
funktional: hochwertig gemachtes Nexo-Cockpit. Foto: Hyundai
Blick auf die Vordersitze im Innenraum des Hyundai Nexo (2026).
Komfortable Sitze, gutes Platzangebot: Der Nexo ist ein echter Genussgleiter. Foto: Hyundai
Blick auf den Gasanschluss des Hyundai Nexo (2026).
Gasventil fürs Betanken mit Wasserstoff. Foto: Hyundai
Blick auf die V2L-Steckdose des Hyundai Nexo (2026).
Hier lädt nichts: V2L-Steckdose zum Anschluss externer Stromverbraucher an die Fahrzeugbatterie. Foto: Hyundai

Erste Testfahrt mit dem neuen Hyundai Nexo

Die Wasserstoff-Idee ist einfach nicht totzukriegen: volltanken innerhalb von Minuten, mit respektabler Reichweite losfahren und im Betrieb nur Wasserdampf ausstoßen. Aus diesen Versprechen praxistaugliche Wirklichkeit werden zu lassen, bleibt aber nach wie vor ohne nachhaltigen Erfolg. Das Problem? Wasserstoff ist teuer, sein Well-to-Wheel-Wirkungsgrad mit 25 bis 35 Prozent schlecht (Benzin: 15 bis 25 Prozent, Diesel: 25 bis 35 Prozent, E-Antrieb: 60 bis 80 Prozent). Auch der Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzwerks ist komplex und teuer, es geht nicht voran. Momentan sogar zurück: Stand Februar 2026 gibt es in Deutschland exakt 91 Wasserstofftankstellen – vier weniger als noch vor einem Jahr.

Derweil werden Elektroauto-Reichweiten mit jeder Generation besser, und auch die Ladezeiten schrumpfen dramatisch. Angesichts einer gleichzeitig dynamisch wachsenden Ladeinfrastruktur gehen den Wasserstoffautos so immer mehr die Argumente aus. Dass Toyota und Hyundai trotzdem weiterhin Brennstoffzellenfahrzeuge anbieten, liegt an den deftigen Subventionen in den Herkunftsländern: Japan bezuschusst den Kauf eines Brennstoffzellenfahrzeugs mit umgerechnet bis zu 21.000 Euro, Südkorea plant, den durchschnittlichen Preis eines Brennstoffzellenmodells durch Subventionen auf etwa 27.000 Euro zu senken. Das macht die Sache in Asien dann doch irgendwie zum Geschäftsmodell – und den Europa-Export des neuen Hyundai Nexo zum Kollateral-Ereignis. Für uns ein weiterer Grund für eine erste Testfahrt.

Der Hyundai Ioniq 3 (2026) im Video

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Großartiges Automobil – bis der Tank leer ist

Was kommt aber konkret auf die zukünftigen Nutzenden des neuen Hyundai Nexo zu, bei denen es vermutlich nicht selten um Dienstwagenberechtigte der europäischen Wasserstoff-Branche handeln wird? Zuerst einmal ein kleiner Albtraum an Dienstreisen-Planung: Nur wer in direkter Nähe einer Wasserstofftankstelle ansässig ist, dürfte die Technologie ohne Kopfschmerzen nutzen können, weiter reichende Fahrten werden zum Abenteuer. Eine strapazierfähige Tankkarte des möglichst spendablen Arbeitgebers sollte es ebenfalls geben: Wasserstoff kostet aktuell 14 bis 20 €/100 km (Super 10 bis 14, Diesel 8 bis 12 und Strom 3 bis 10 €/100 km).

Und was ist sonst noch vorsichtshalber mitzubringen? Ganz einfach: viel gute Laune! Denn der neue Hyundai Nexo ist für sich betrachtet ein bemerkenswert kompetentes, gut gemachtes und sympathisches Auto – was so auch auf der ersten Testfahrt auffällt. Mit einem Radstand von 2790 mm landet er direkt im Segment der großen, aber nicht allzu sperrigen Reise- und Familien-SUV. Das Raumangebot auf allen Plätzen ist üppig, die Sitze sind komfortabel und variabel. Trotz der coupéhaft angeschrägten Heckscheibe gibt es im Kofferraum eine Menge Platz – Ablagen und Stauraum sogar in Hülle und Fülle.

Im Cockpit zeigt sich der Hyundai Nexo von jener modernen, durchdachten und frischen Seite, die die meisten aktuellen Hyundai-Modelle prägt. Er ist beladen mit Elektronik und Funktionselementen, überfordert aber trotzdem nicht. Das Verarbeitungs- und Material-Niveau ist hoch, und auch das bullige Design gefällt.

Erwachsener Charakter statt Technik-Experiment

Der Hyundai Nexo mag kein aggressiver Fahrdynamiker sein – Lenkungs-Feedback und Handling-Charakteristik sortiert man eher in der defensiven Ecke ein –, doch die 150 kW (204 PS) und 350 Nm starke E-Maschine geht mit dem knapp zwei Tonnen schweren SUV während der ersten Testfahrt souverän um. Spürbares Hauptanliegen des Nexo ist die komfortable, gelassene Fortbewegung in allen Situationen – und genau das gelingt ihm ausgesprochen gut: Bis auf ein gelegentliches Summen und sanfte Vibrationen ist vom Betrieb der stromerzeugenden Brennstoffzelle nichts zu spüren, Antriebs- und Fahrkomfort sind ausgezeichnet. Einen Nexo mit Diesel und einen als BEV – das wär’s.

Fazit

Der Hyundai Nexo ist ein überzeugend gemachtes, geräumiges und hochwertiges Auto, er passt perfekt in die Lücke zwischen Tucson und Santa Fe – eigentlich schade, dass es ihn lediglich mit Brennstoffzelle gibt. Die Wasserstoff-Technik hat zwar durchaus ihre Vorteile, ohne brauchbare Infrastruktur sind diese aber reine Theorie.

Technische Daten des Hyundai Nexo

AUTO ZEITUNG 06/2026

Hyundai Nexo

Technische Daten

Motoren

Brennstoffzellen-Range Extender (Wasserstoff), E-Motor

Antrieb

Automatik; Allrad

Systemleistung

150 kW / 204 PS

Max. Systemdrehmoment

k.A.

Akkukapazität

2,6 kWh

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

4750 / 1865 / 1640 mm

Leergewicht / Zuladung

1955 / 485 kg

Kofferraumvolumen

510 – 1630 l

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

7,8 s

Höchstgeschwindigkeit

176 km/h

Verbrauch auf 100 km

0,8 kg H2

Elektr. Reichweite

826 km

Kaufinformationen

Grundpreis

69.900 €

Marktstart

im Handel

Alle Daten Werksangaben