Einzeltest

Hyundai Ioniq 9: Das große Elektro-SUV im Test

Der neue Hyundai Ioniq 9 will mit viel Platz sowie üppiger Ausstattung und (Lade-)Leistung in die Premium-Liga fahren. Unser Test der Topversion klärt, ob ihm das gelingt.

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Blick von schräg vorne auf den fahrenden Hyundai Ioniq 9.
Van oder SUV? Ioniq 9 mit hoher Sitzposition und top Variabilität. Foto: Daniela Loof
Blick von hinten auf den fahrenden Hyundai Ioniq 9.
Die zwei Motoren mobilisieren Kraft im Überfluss, die Batterie liefert Strom für fast 400 km. Foto: Daniela Loof
Blick auf die Armaturen im Innenraum des Hyundai Ioniq 9.
Viel Platz hinter dem Lenkrad. Die Bedienung profitiert von zahlreichen echten Tasten. Foto: Daniela Loof
Blick auf die Vordersitze im Innenraum des Hyundai Ioniq 9.
Die schwenkbare Beinauflage ist nur etwas für den Stopp am Schnelllader. Foto: Daniela Loof
Blick auf die Fondsitze im Innenraum des Hyundai Ioniq 9.
Bis zu 52 cm Beinfreiheit gibt es im luftigen Fond. Foto: Daniela Loof
Blick auf den Mittelsteg im Innenraum des Hyundai Ioniq 9.
Praktisch: multifunktionale Mittelkonsole mit Fach und Schublade. Foto: Daniela Loof
Blick in den Kofferraum des Hyundai Ioniq 9.
Das äußerst variable Ladeabteil nimmt viersitzig 908 l auf. Foto: Daniela Loof
Blick auf den Ladeanschluss des Hyundai Ioniq 9.
Das größte Hyundai-SUV basiert – wie auch schon der Kia EV9 – auf der vielfach bewährten Konzernplattform E-GMP (Electric Global Modular Platform). Diese ermöglicht nicht nur die 800 V-Akkutechnik, sondern auch bidirektionales Laden mit bis zu 3,6 kW. Foto: Daniela Loof

Hyundai Ioniq 9 im Test: Wenig überraschend viel Platz

Es haben schon viele versucht, die hiesige Premium-Phalanx von Audi, BMW und Mercedes zu durchbrechen. Der koreanische Hyundai-Konzern ist nicht nur mit der noch recht jungen Marke Genesis dabei, sondern zunehmend auch mit Produkten von Hyundai und Kia. Nach dem bereits beeindruckenden Kia EV9 ist nun der Plattformbruder Ioniq 9 am Zug und stellt sich unserem Test. Im direkten Vergleich streckt sich der Ioniq 9 noch ein Quäntchen länger als der EV9 – um knapp fünf Zentimeter. Das Design ist aber ruhiger und weniger kantig, was ihn eleganter erscheinen lässt.

Das derzeit oberste Ende der Baureihe markiert der AWD Performance, den es nur in der Topausstattung Uniq gibt. Das schraubt den Grundpreis auf mal gar nicht so günstige 87.800 Euro. Wer sich mit weniger Leistung zufrieden gibt, kann aber „schon“ ab 68.500 Euro Ioniq 9 fahren. Serienmäßig wird der große Koreaner mit sieben Sitzplätzen in drei Reihen verkauft – die Sechssitzigkeit des Testwagens schlägt mit 1000 Euro zu Buche. Mehr Geld für weniger Sitze beschert den Gästen in Reihe zwei bequeme Einzelsitze mit Relax-Funktion – elegant elektrisch einstellbar.

Ebenso teuer ist eine Variante mit zwei drehbaren Einzelsitzen, die wir mangels Verfügbarkeit 
allerdings nicht bewerten können. Auch in Reihe eins des Hyundai Ioniq 9 geht es äußerst angenehm zu. Die üppigen Abmessungen dienen in erster Linie dafür, sämtlichen Personen viel Raum zur Entfaltung zu bescheren. Wo immer möglich, nutzt Hyundai den Platz, um zahlreiche Ablagen und Staufächer unterzubringen. Ein Frunk schluckt das Ladeequipment, und der Kofferraum nimmt bis zu 2494 l Gepäck auf – natürlich nur, wenn alle Fondsitze eingeebnet sind.

Doch selbst in sechssitziger Konfiguration erlauben 338 l Stauvolumen durchaus Tagesausflüge mit sechs Personen an Bord. Reist man in Reihe zwei noch erstklassig, ist es in Reihe drei eher zweitklassig. Erwachsenen kann man kurze Strecken zumuten, Kindern auch längere Fahrten – zumal man sogar hier praktische Isofix-Punkte vorfindet.

Der Hyundai Ioniq 9 (2025) im Video

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Koreanisches Dickschiff mit 71 PS pro Person

Dass mittlerweile auch Elektroautos als Erstwagen taugen, ist keine neue Erkenntnis, doch der Hyundai Ioniq 9 untermauert diese These mit Argumenten. Da wäre zum einen die 800-V-Ladetechnik und zum anderen der brutto 110 kWh große Akku im Unterboden. Trotz leistungsstarker Motoren an beiden Achsen kommt der Ioniq 9 im Mittel mit 26 kWh auf 100 km aus. Zur Einordnung: In nur fünf Sekunden wuchtet sich der Fünftürer auf 100 km/h. Angesichts von Größe und Leistung also insgesamt ein respektabler Wert.

Reduziert man das Tempo auf der Autobahn, sind auch Verbräuche unter 20 kWh machbar. Weil der Hyundai mit 800 V laden kann, sind Ladestopps ohnehin nur von kurzer Dauer: Im Test reichten gute 24 min für den Hub von zehn auf 80 Prozent. Nur eine Stunde dauerte es, bis der riesige Akku von fünf auf 100 Prozent geladen war – trotz des vorhersehbaren Abfalls der Ladeleistung. So lassen sich auch Langstrecken zuverlässig planen.

Auf langen Etappen verwöhnt der Ioniq 9 mit einem flauschigen Federungskomfort. Federn und Dämpfer lassen zwar vergleichsweise große Aufbaubewegungen zu, aber diese fallen generell sanft wogend aus – quasi stilbildend für das über fünf Meter lange SUV. Sogar die Personen im Fond melden: „Nicht unangenehm.“

Das Bild zeigt die zweite Sitzreihe im Hyundai Ioniq 9 und wie dort eine Person auf dem Liegesitz Platz genommen hat.
Foto: Daniela Loof

Hier ist man tatsächlich auch mehr damit beschäftigt, die Möglichkeiten, die einem der Ioniq 9 bietet, zu erkunden. Das geht über das schier gigantische Platzangebot weit hinaus: Das Topmodell bietet neben einer eigenen Klimazone eine umfangreiche Sitzeinstellung der Einzelsessel bis hin zur Relax-Liege-Position. Dass man die Sessel auch serienmäßig heizen und kühlen kann, verkommt so fast zur Randnotiz.

Der Hyundai liegt gut in der Hand – ist aber nicht handlich

Ungeachtet der optisch leichten Linienführung bewegt man beim Hyundai Ioniq 9 über fünf Meter Auto durch den meist knappen Verkehrsraum. Der Totwinkelwarner mit Kamerabild im Cockpit (serienmäßig im Topmodell) ist also eine willkommene Funktion, denn trotz großer Glasflächen und serienmäßiger 360°-Kamera bleibt das Rangieren mit dem Ioniq 9 mehr Glücksspiel als Können. 13 m Wendekreis untermauern diese These. Die Domäne des großen SUV sind eher lange Etappen auf gut ausgebauten Straßen mit kurzen Ladestopps.

Langstrecken spult der Ioniq 9 im Test mit einer Effizienz und Verlässlichkeit ab, von der sich die Deutsche Bahn eine Scheibe abschneiden könnte. Das bordeigene Software-Setup ist zwar tendenziell zu konservativ und bevormundend ausgelegt, was sich in eifrig piepsenden Assistenten zeigt, aber das alles funktioniert immerhin zuverlässig und – im gesamten Testzeitraum – ohne jegliche Aussetzer. Generell entpuppt sich der riesige Hyundai als entspannter Zeitgenosse: angemessen sparsam und jederzeit mit der guten Ladeleistung in der Hinterhand.

Große SUV sind offenbar die Vans der Zukunft

Von der SUV-Karosserie sollte man sich jedenfalls nicht abschrecken lassen: Im Hyundai Ioniq 9 stecken jede Menge Tugenden, die vor ein paar Jahren noch Minivans vorbehalten waren. Wer Van fahren, aber nicht direkt zu einem Bus greifen will, sollte sich den neuesten Hyundai also genauer anschauen. Ein Nachteil der modischen Verpackung fällt am Ende des Tests dennoch auf: Die Ladekante ist nach Van-Maßstäben sehr hoch.

Fazit

Hyundai hat mit dem Ioniq 9 ein spannendes neues Produkt im Angebot. Reichweitenangst dürften seine Besitzer:innen kaum haben, zudem bringt das große SUV viele Van-Tugenden mit. Sechs bis sieben Personen fahren kaum unaufgeregter von A nach B.

Technische Daten & Messwerte des Hyundai Ioniq 9 AWD Performance

AUTO ZEITUNG 25/2025

Hyundai Ioniq 9 AWD Performance

Technik

Motor

Zwei permanente Synchronmaschinen

Systemleistung

315 kW (428 PS)

Max. Drehmoment

700 Nm

Antrieb

Konstantübersetzung, Allrad

Akku

Lithium-Ionen

Spannung

610 V

Kapazität brutto / netto

110 / 103 kWh

Ladeleistung AC / DC (Werk)

11 / 233 kW

Gewicht

Leergewicht (Werk / Test)

2614 / 2698 kg

Zulässiges Gesamtgewicht

3320 kg

Effektive Zuladung

622 kg

Gewichtsverteilung (v / h)

48 / 52 %

Anhängelast (gebr. / ungebr.)

2500 / 750 kg

Dachlast / Stützlast

100 / 125 kg

Abmessungen

Gesamtmaße (L / B / H)

5060 / 1980 (2256)* / 1790 mm

Radstand

3130 mm

Kofferraumvolumen

338 – 2494 l

Fahrleistung

0 – 50 km/h

2,1 s

0 – 100 km/h

5,0 s

0 – 150 km/h

10,6 s

Höchstgeschwindigkeit

200 km/h

Bremsweg

100 – 0 km/h (kalt / warm)

34,5 / 34,5 m

50 – 0 km/h / 150 – 0 km/h

9,1 / 77,2 m

Verbrauch & Reichweite

WLTP-Reichweite

600 km

WLTP-Verbrauch auf 100 km

20,6 kWh / 100 km

Test-Reichweite

396 – 520 km

Test-Verbrauch auf 100 km

26,0 kWh / 100 km

Ladevorgang 10 – 80 % SoC

Ladedauer

24 min

Ladeleistung Ø

205 kW

Nachgeladene Energie

94 kWh

Nachgeladene Reichweite

362 km

Preis

Grundpreis

87.800 €

Testwagenpreis

88.800 €

Rabatt

k. A.

Steuer & Versicherung

Kfz-Steuer pro Jahr

0 €

KH / VK / TK Typklassen

21 / 29 / 28

KH / VK / TK Versicherung

897 / 1888 / 460 €

Wartung & Garantie

Serviceintervall

30.000 km / 24 Monate

Garantie Gesamtfahrzeug

5 Jahre

Garantie Hochvolt-Akku

8 Jahre / 160.000 km

Garantie Lack / Rost

5 / 12 Jahre

Mobilitätsgarantie

5 Jahre