E-Autos für 30.000 Euro: Hyundai Inster & Mini Aceman im Test

So bitter diese Erkenntnis auch sein mag, aber das Angebot an Elektroautos unter 30.000 Euro ist derzeit immer noch recht mager. Mit dem Hyundai Inster und dem Mini Aceman bitten wir zwei Vertreter dieser seltenen Spezies zum Vergleichstest.

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Blick von schräg vorne auf die fahrenden Elektro-Kleinwagen Mini Aceman und Hyundai Inster.
Mini Aceman/Hyundai Inster Foto: Frank Ratering

In der Basis liegen beide Kontrahenten unter 30.000 Euro, im bewerteten Preis etwas darüber.

Blick von der Seite auf den fahrenden Elektro-Kleinwagen Hyundai Inster.
Hyundai Inster Foto: Frank Ratering

Mit seinen knappen Außenmaßen findet der Inster in jeder vollen Stadt eine Parklücke.

Blick auf die Armaturen im Innenraum des Hyundai Inster.
Hyundai Inster Foto: Frank Ratering

Schmaler Innenraum, einfache Materialien. Die Bedienung gibt keinerlei Rätsel auf.

Blick auf die Vordesitze im Innenraum des Hyundai Inster.
Hyundai Inster Foto: Frank Ratering

Die Sitze bieten wenig Seitenhalt, das Gurtschloss kann ins Gesäß drücken.

Blick auf die Fondsitze im Innenraum des Hyundai Inster.
Hyundai Inster Foto: Frank Ratering

Die Beinfreiheit im Inster-Fond ist bei zurückgeschobener Rückbank gewaltig.

Der Kofferraum des Hyundai Inster: Rücksitzbank und Lehnen der Vordersitze sind umgeklappt.
Hyundai Inster Foto: Frank Ratering

Bei Bedarf und gegen Aufpreis lassen sich wirklich sämtliche Lehnen umklappen.

Blick von der Seite auf den fahrenden Elektro-Kleinwagen Mini Aceman.
Mini Aceman Foto: Frank Ratering

Der Aceman benötigt auf unserer Testrunde lediglich 15,7 kWh pro 100 km.

Blick auf die Armaturen im Innenraum des Mini Aceman.
Mini Aceman Foto: Frank Ratering

Dreh- und Angelpunkt ist der runde Zentralbildschirm. Teils knifflige Bedienung.

Blick auf die Vordersitze im Innenraum des Mini Aceman.
Mini Aceman Foto: Frank Ratering

Die bequemen Sportsitze sind Bestandteil des Classic Trims für 2200 Euro.

Blick auf die Armaturen im Innenraum des Mini Aceman.
Mini Aceman Foto: Frank Ratering

Die Mini-typischen Kippschalter dürfen auch im neuen Aceman nicht fehlen.

Blick auf die Fondsitze im Innenraum des Mini Aceman.
Mini Aceman Foto: Frank Ratering

Hinten bietet der Mini ausreichend Platz. Nur mäßig bequeme Rücksitzbank.

Der Hyundai Inster und der Mini Aceman im Vergleichstest

Dass Autos in den vergangenen Jahren einen immensen Preissprung hingelegt haben, ist eine unschöne Tatsache. Besonders für Elektroautos muss die Kundschaft meist extrem tief in die Tasche greifen. Unter 30.000 Euro ist das Angebot sehr endlich. Umso erfreulicher, dass Hyundai mit dem Inster und Mini mit dem Aceman zwei interessante Neuerscheinungen im Programm haben, die zumindest in der Basis weniger als die genannte Marke kosten. Während beim Koreaner, der optisch ein wenig wie ein japanisches Kei-Car daherkommt, eine möglichst pfiffige Raumausnutzung im Fokus steht, frönt der Deutsch-Brite markentypisch vorrangig dem Fahrspaß. Welcher Kandidat das bessere Gesamtpaket bietet, klärt dieser Vergleichstest.
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Der Hyundai Inster (2024) im Video:

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Karosserie: Im Mini viele Annehmlichkeiten nur gegen Aufpreis

Optisch trennen die beiden City-Crossover Welten: auf der einen Seite der knuffig verspielte Hyundai Inster, der mit seiner schmalen Statur und dem hohen Aufbau im Großstadt-Dickicht umgehend auffällt. Auf der anderen Seite steht der stämmigere Mini Aceman, der im typischen Modern-Retro-Look der Marke auf Kundenfang geht. Und auch innen unterscheiden sich die kleinen Elektriker maßgeblich. Der Aceman ist, abgesehen vom verspielten Touchscreen im Pizzateller-Format, ein eher konventioneller Kleinwagen, der vorn wie hinten ausreichend Platz für vier Personen bereitstellt. Seine Rücksitzlehne klappt zweigeteilt vor und gibt einen 1005 l großen Gepäckraum mit ebenem Boden frei. Bei voller Sitzbelegung stehen 300 l zum Transport bereit.

Der Inster hingegen trumpft mit deutlich pfiffigerer Wandelbarkeit auf. Seine Rückbank lässt sich verschieben, sodass entweder ein 351 l großer Kofferraum oder aber ein Fond mit riesiger Kniefreiheit zur Verfügung steht. Bei zurückgeschobener Fondsitzanlage fasst das Gepäckabteil aber nur noch 238 l. Darüber hinaus lassen sich beide Lehnen der Vordersitze umklappen, sodass der Inster zur Not auch als Schlafplatz taugt – sofern man eine aufblasbare Matratze oder zumindest eine Matte dabei hat.

Da sämtliche variabilitätsfördernden Details, etwa ein doppelter Ladeboden, Aufpreis kosten, beläuft sich der auf den Mini lediglich auf einen mickrigen Zähler Punktevorsprung. Das Raumangebot im Hyundai wird indes von der ordentlichen Kopffreiheit, den großen Fensterflächen und der hellen Auskleidung positiv beeinflusst. Dennoch ist der Innenraum erheblich schmaler als der des Mini, sodass hier durchaus ein gewisses Gefühl der Enge herrscht. Besonders unangenehm: Die wuchtigen Ausbuchtungen in den Türverkleidungen, auf denen die Fensterheberschalter sitzen, liegen stets am Bein an.

Nützliches Zubehör rund ums Elektroauto:

Obwohl der Hyundai Inster vorrangig für den Einsatz in der Großstadt konzipiert ist, beinhaltet seine Sicherheitsausstattung serienmäßig einen Autobahnassistenten mit aktiver Spurführung und Abstandsregelung. Der hochwertiger eingerichtete Mini Aceman kontert mit serienmäßigen LED-Scheinwerfern, Spurwechsel- und Notbremsassistenten – letzterer wacht beim Rückwärtsfahren über das Heck. Für den Inster ist er nicht erhältlich, und die übrigen Errungenschaften kosten beim Hyundai zusätzliches Geld. Selbst ein heutzutage selbstverständlicher Regensensor gehört beim Koreaner nicht zur Serie.

Wohl aber die quasi selbsterklärende Bedienung. Während es der Mini gerade Neulingen mit seinen verspielten, teils schwer zu findenden Menüs nicht unbedingt leicht macht, glänzt der Hyundai mit nachvollziehbarer Menülogik und einem Klimapanel, das haptische Tasten beinhaltet. Im Gegenzug punktet der Aceman im Vergleichstest mit der verständigeren Sprachsteuerung, die sogar absichtlich dahin genuschelte Zieleingaben korrekt umsetzt.

Fahrkomfort: Der Inster spielt die Variabilitäts-Karte aus

Die vorderen Sitzflächen des Hyundai Inster sind trotz individueller Längseinstellmöglichkeit quasi als durchgehende Bank ausgeführt. Darin integriert sind mittig die Becherhalter und auch die Gurtschlösser. Letztere können bei breiteren Staturen unangenehm ins Gesäß drücken. Und auch der Seitenhalt der einfachen und eher weich gepolsterten Stühle ist überschaubar. Das Gleiche gilt für die Rückbank, die aber immerhin eine einstellbare Lehnenneigung bietet. Dagegen ermöglicht die bei zurückgeschobener Bank gigantische Beinfreiheit eine überaus relaxte Sitzposition.

Der Sitzkomfort im Fond des Mini Aceman ist für Erwachsene weniger langstreckentauglich. Stark angewinkelte Beine, wenig Schenkelauflage und eine nur mäßige Rückenkontur – gemütlich ist anders. Vorn hingegen gibt es auf den ausgeformten und komfortabel gepolsterten Sportsitzen nichts zu meckern. Dafür haben es die Mini-Entwickler:innen bei der Fahrwerksabstimmung komplett übertrieben. Keine Frage, ein Modell der dynamikorientierten Briten hat stets einen gewissen Ruf zu verteidigen. Aber der neue Aceman ist schlicht viel zu hart. Seine Federung findet Unebenheiten, wo eigentlich gar keine sind, und teilt sie voller Begeisterung mit. Selbst auf vermeintlich glatten Autobahnen hoppelt er ständig nervtötend vor sich hin.

Der Hyundai Inster hingegen spricht vergleichsweise sensibel auf Unebenheiten an und gleicht speziell kleinere Fahrbahnschäden klaglos aus – jedenfalls unbeladen. Mit maximal zulässigem Gewicht an Bord verliert das Set-up des Koreaners viel von seiner zuvor gezeigten Souveränität.

Blick von schräg hinten auf die fahrenden Elektro-Kleinwagen Hyundai Inster und Mini Aceman.
Foto: Frank Ratering

Motor/Getriebe: Der Mini ist stärker, der Hyundai kommt weiter

Die Permanentmagnet-Synchronmaschine an der Vorderachse des Hyundai Inster 49 kWh bringt es auf eine Leistung von 85 kW (115 PS). Dass der 1387 kg schwere Crossover damit keine Bäume ausreißen kann, liegt auf der Hand. Dennoch gleitet der kleine Asiate damit flott durch den Stadtverkehr und spurtet tapfer bis zum selbstauferlegten Höchsttempo, das bei 150 km/h liegt. Der Antrieb des Mini Aceman E leistet fein dosierbare 135 kW (184 PS). Naturgemäß ist er damit erheblich flotter als sein Rivale im Vergleichstest, reißt die Tempo-100-Marke 2,4 s eher und schiebt obendrein energischer an. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt aber nur zehn km/h mehr – sicher um die ohnehin schnell zur Neige gehende Energiereserve nicht zusätzlich überzustrapazieren.

Verantwortlich ist dafür jedoch keineswegs ein besonders hoher Strombedarf. Im Gegenteil, der Mini benötigt auf der Testrunde nur 15,7 kWh und somit sogar noch etwas weniger als der Hyundai (16,4 kWh). Allerdings verfügt das Batteriepaket des Aceman lediglich über eine Netto-Kapazität von 38,5 kWh. Den Testverbrauch zugrunde gelegt, kommt man daher lediglich 245 km weit. Der Inster schafft mit seinem 49-kWh-Akku immerhin 299 km, ohne nachzuladen. Zudem funktioniert das beim Hyundai in der Praxis flotter als beim Mini, dessen maximale Ladeleistung gerade einmal 70 kW beträgt.

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Fahrdynamik: Der Aceman glänzt Mini-typisch beim Handling

Im Handling offenbart der Mini Aceman ein markentypisches Fahrverhalten. Er lenkt zackig ein, untersteuert nur wenig und reagiert auf Lastwechsel mit sanft eindrehendem Heck. Die erreichbaren Kurvengeschwindigkeiten und das Gripniveau sind durchaus hoch, mit Regeleingriffen hält sich die Sicherheitselektronik dankenswerterweise vornehm zurück. Und wenn sie einschreitet, dann bedarfsgerecht und sehr sanft. Die glasklar dosierbare Bremse, die kalt wie warm mit guten Verzögerungswerten punktet, rundet die tolle Vorstellung des Briten in der Fahrdynamik ab.

Der Hyundai Inster präsentiert sich deutlich weniger agil. Sein Fahrverhalten ist nicht sonderlich präzise – was auch an der teigigen Lenkung liegt – und von starkem Untersteuern sowie taumeligen Karosseriebewegungen geprägt. Auf Lastwechsel reagiert der Winzling überraschend nervös, worauf das ESP mit ruppigen Regeleingriffen reagiert. Trotz der geringeren Leistung verlieren die Vorderräder bei eingeschlagenem Lenkrad häufig die Haftung. Fahrspaß kommt so nicht auf.

Umwelt/Kosten: Großzügige Hyundai-Garantie als Pluspunkt

Die eingangs erwähnte 30.000-Euro-Hürde unterschreiten beide Kontrahenten lediglich in der Serienausstattung. Aber auch mit der wertungsrelevanten Ausstattung bleiben sowohl der Hyundai Inster mit 30.100 Euro als auch der Mini Aceman mit 33.600 Euro erschwinglich. Erfreulich niedrig sind zudem die laufenden Kosten, was vorrangig an den eher günstigen Versicherungseinstufungen sowie den geringen Energiekosten liegt. Der Sieg im Kostenkapitel dieses Vergleichstests geht indes aufgrund der deutlich großzügigeren Garantie an den Inster.

Technische Daten & Messwerte von Hyundai Inster 49 kWh & Mini Aceman E

AUTO ZEITUNG 14/2025

Hyundai Inster 49 kWh

Mini Aceman E

Technik

Motor

Permanenterregte Synchronmaschine (vorn)

Permanenterregte Synchronmaschine (vorn)

Leistung

85 kW (115 PS)

135 kW (184 PS)

Max. Drehmoment

147 Nm

290 Nm

Batterie

Lithium-Ionen

Lithium-Ionen

Kapazität netto (brutto)

49,0 kWh (k. A.)

38,5 kWh (42,5 kWh)

Gewichte

Leergewicht (Werk/Test)

1335 / 1387 kg

1645 / 1676 kg

Zulässiges Gesamtgewicht

1745 kg

2170 kg

Maße (L/B/H)

3825/1610 (1884)*/1614 mm

4079/1754 (1988)*/1514 mm

Kofferraumvolumen

238-1059 l

300-1005 l

Effektive Zuladung

358 kg

494 kg

Dachlast / Stützlast

100 / – kg

– / 75 kg

Fahrleistungen

0 - 30 km/h

2,3 s

1,9 s

0 - 50 km/h

3,9 s

3,2 s

0 - 60 km/h

4,7 s

3,8 s

0 - 70 km/h

5,7 s

4,5 s

0 - 80 km/h

6,9 s

5,4 s

0 - 90 km/h

8,3 s

6,3 s

0 - 100 km/h

9,9 s

7,5 s

0 - 120 km/h

13,9 s

10,1 s

0 - 140 km/h

19,4 s

13,5 s

Höchstgeschwindigkeit

150 km/h

160 km/h

Handling (Rundenzeit)

1:56,2 min

1:51,3 min

Slalom (18 m Pylonenabstand)

61,7 km/h

61,8 km/h

Bremswege

100 km/h kalt / warm

35,7 / 36,6 m

34,7 / 34,8 m

50 km/h / 150 km/h kalt

9,4 / 83,2 m

9,0 / 81,7 m

Innengeräusche

bei 50 km/h

61 dB(A)

57 dB(A)

bei 100 / 130 km/h

68 / 72 dB(A)

66 / 70 dB(A)

Verbrauch & Emissionen

Testverbrauch

16,4 kWh / 100 km

15,7 kWh / 100 km

WLTP-Verbrauch

14,9 kWh / 100 km

14,1 kWh / 100 km

CO₂-Ausstoß (Test / WLTP)

69 / 0 g/km

66 / 0 g/km

Reichweite elektrisch (Test / max / WLTP)

299 / 398 / 360 km

245 / 326 / 309 km

Preise

Grundpreis

25.400 €

29.700 €

Bewerteter Preis (inkl. Optionen)

30.100 €

33.600 €

Wartung, Rabatt & Wertverlust

Werkstattkosten (jährlich)

450 €

470 €

Rabatt

13,3 % / 3.378 €

9,5 % / 2.822 €

Wertverlust nach 4 Jahren (20.000 km/Jahr)

61,2 % / 15.545 €

53,3 % / 15.830 €

Versicherung & Steuern

Typklassen (HP / VK / TK)

13 / 23 / 21

14 / 21 / 20

Versicherungskosten (HP / VK / TK)

595 / 1018 / 164 €

646 / 905 / 144 €

Abgasnorm / Steuer pro Jahr

Elektro / befreit

Elektro / befreit

Ergebnis in Punkten

Gesamtbewertung (max. Punkte)Hyundai Inster 49 kWhMini Aceman E
Karosserie (1000)548570
Fahrkomfort (1000)603621
Motor/Getriebe (1000)686710
Fahrdynamik (1000)567640
Eigenschaftswertung (4000)24042541
Kosten/Umwelt (1000)430410
Gesamtwertung (5000)28342951
Platzierung21

Fazit

Die eingangs gestellte Frage, ob die beiden Elektriker günstig und gut sind, können wir grundsätzlich mit "Ja" beantworten. Allerdings hat jeder der beiden Städter so seine Vor- und Nachteile. Der Mini Aceman E ist das deutlich längs- und querdynamischere Auto, patzt aber beim Federungskomfort und bei der Reichweite. Der Hyundai Inster hingegen bietet ein pfiffiges, wenngleich aufpreispflichtiges Raumkonzept, mehr Reichweite und die besseren Garantien. Schwächen wie die mäßige Zuladung, der schlappe Antrieb, die maue Fahrdynamik und der geringe Sitzkomfort vorn verhindern jedoch einen Testsieg.