Klassiker kaufen

Ford Granada II kaufen: Unsere besten Tipps im Ratgeber

Kantig war sie geworden, Fords große Limousine. Und damit traf sie genau den Zeitgeist der späten 70er-Jahre. Ist der Granada 2 so robust wie er aussieht?

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Der Ford Granada II fahrend von schräg vorne.
Lange war der Ford Granada II nur Gebrauchsgegenstand, ihm fehlte es an Image. Worauf muss man heute achten, um ein gutes Exemplar zu erwischen? Foto: Willy Bister
Der Ford Granada II fahrend von hinten.
Glatte statt geriffelte Rückleuchten und Spiegel auf den Türen statt am Fenster kennzeichnen die zweite Generation. Foto: Willy Bister
Das Cockpit des Ford Granada II.
Hohe Kilometerleistungen auf dem Zähler sollten nicht vom Kauf abhalten, wenn die Karosserie rostfrei ist. Die Technik ist relativ robust oder zur Not leicht zu ersetzen. Foto: Thomas Pfahl
Der Innenraum des Ford Granada II.
Aufgrund der Ausstattungs-Varianten und Sondermodelle (hier: Topas) gibt es entsprechend viele Sitz-Versionen. Sogar die Sitze des Granada 3 passen. Foto: Thomas Pfahl
Der Motor des Ford Granada II.
Die Motoren des Granada (hier der 2.8i) gelten als recht robust, beliebt sind vor allem die Sechszylinder. Foto: Zbigniew Mazar
Das Rad des Ford Granada II.
Je nach Ausstattung gab es Blech-Radkappen, Stahlsportfelgen oder Leichtmetallräder. Die TRX-Varianten sind wegen der teuren Reifen heute deutlich unbeliebter. Foto: Thomas Pfahl
Die Motorhaube des Ford Granada II.
Es muss nicht immer ein Steinschlag sein, Rost bildet sich auch an der inneren Verstärkung. Foto: Thomas Pfahl
Simmerring des Ford Granada II.
Am vorderen Ende der Kurbelwelle kann Öl austreten (Riemenscheibe im Bild demontiert). Foto: Thomas Pfahl
Radlager des Ford Granada II.
Bei leichtem Spiel ist ein Nachziehen möglich, irgendwann wird der Wechsel unumgänglich. Foto: Thomas Pfahl
Ventildeckeldichtung des Ford Granada II.
Beim Wechsel ist Vorsicht geboten, sonst ist der Ventildeckel krumm. Foto: Thomas Pfahl
Kotflügelkante des Ford Granada II
Unter der Auflage der Kotflügelkante zersetzt sich das Blech mit der Zeit nahezu unbemerkt. Foto: Thomas Pfahl
A-Säule des Ford Granada II.
Dreck sammelt sich im Spritzwasserbereich, der Rost wandert von dort an der A-Säule nach oben. Foto: Thomas Pfahl
Türkante des Ford Granada II.
Am Falz der Türkante bilden sich erste Bläschen, die sich schnell ausweiten können. Foto: Thomas Pfahl
Längsträger des Ford Granada II.
Rund ums Montageloch breitet sich am Längsträger der Rost aus, wenn nicht ordentlich versiegelt wurde. Foto: Thomas Pfahl
Differenzial des Ford Granada II
Ölverlust am Differenzial kommt an der Verbindung zur Kardanwelle (Simmerring) immer wieder vor. Foto: Thomas Pfahl
Armaturenbrett des Ford Granada II.
Vor allem die farbigen Oberflächen des Armaturenbretts reißen mit den Jahren gern. Foto: Thomas Pfahl
Heckscheibe des Ford Granada II.
Der Ablauf des Schiebedachs sorgt für Feuchtgebiete am unteren Heckscheiben-Rahmen. Foto: Thomas Pfahl
Zwei Personen stehend am Ford Granada II fotografiert.
Uwe Hochstein (li.) und Joachim Schubert kennen sich bestens mit Historie und Technik des Granada aus. Danke für die Unterstützung!  Foto: Thomas Pfahl

Darauf beim Kauf eines Ford Granada II achten

Fast hätten sie Eva 
gestoppt: Eva – das war der Projektname der zweiten Granada-Generation, mit der sich die Kölner Designer bereits ab 1974 beschäftigten. Doch wirtschaftliche Zwänge sowie der explodierende Benzinpreis stoppten die Entwicklung schon in einem sehr frühen Stadium.

Dann kam Bob Lutz: Der neue Generaldirektor war gerade von BMW zu Ford Europe gewechselt und ließ sich von Chefdesigner Uwe Bahnsen dessen Arbeit zeigen. Dabei stieß der Granada durchaus auf sein Interesse – wenn er denn eine zeitgemäße Form bekäme. „Kante“ war angesagt, man denke nur an den damals schon nicht mehr ganz taufrischen, aber sehr modern wirkenden Fiat 130 oder den 1975 vorgestellten Peugeot 604. Zwar mischten sich die amerikanischen Top-Manager nicht in Designfragen ein, ordneten aber eine Zusammenarbeit zwischen den britischen und deutschen Ford-Kolleg:innen an. Grob gesagt: Aus Dunton kam das Interieur, die Kölner:innen steuerten Exterieur und Technik bei.

Da Opel einen neuen Rekord angekündigt hatte, gab man mächtig Gas: Umfangreiche Tests sollten letzte Schwächen ausmerzen. Dann war es soweit: Auf der IAA 1977 präsentierte Ford seine „neue Wertvorstellung“, so der damalige Slogan. Das Coupé entfiel, den Granada 2 gab es 
als Zwei- oder Viertürer sowie als Kombi. Die Motorenpalette startete beim 70 PS (51 kW) starken 1,7-l-V4 und ging bis zum 2.8i mit 160 PS (118 kW).

Außerdem stand ein von Peugeot zugekaufter 2,1-l-Diesel mit 63 PS (46 kW) zur Verfügung – im August 1983 folgte noch ein 2,5-l-Selbstzünder mit 69 PS (50 kW). Hinzu kam ein breites Farben-Spektrum vom dezenten Strato-Silber über das knallige Signal-Gelb bis zum gediegenen Mitternachts-Blau. Das Ganze ließ sich mit diversen Ausstattungen kombinieren: vom Standard-Modell über den etwas besseren ausgestatteten „L“ und den „GL“ mit speziellen Sitzbezügen und Stahlsportfelgen bis hin zum noblen Ghia.

Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Vor allem der Rost setzt dem Granada II zu

Wer seinem Granada etwas Dynamik angedeihen lassen wollte, konnte gegen Aufpreis – der variierte je nach Grundausstattung – das S-Paket mit sportlicherer Fahrwerksabstimmung, Breitreifen, Drehzahlmesser und anderen Goodies ordern. Ein Test in der Auto Zeitung 1978 bescheinigte dem S-Paket seine Daseins-Berechtigung: Während das Basis-Modell schon übersteuerte, blieb der S-Granada noch lange neutral. Apropos Sportlichkeit: Ein Granada Turbo mit 200 PS war angedacht, ging aber werksseitig nie in Serie. Ford-Spezialist May bot einen entsprechenden Umbau an. Stattdessen gab es eine Reihe weiterer Sondermodelle wie den Topas und sein britisches Pendant Consort, den Saphire oder den nur als Turnier erhältlichen Chasseur.

Wer sich für einen Granada interessiert, sollte sich nicht auf 
ein bestimmtes Modell versteifen, sonst wird die Kaufabsicht schnell zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ein paar grundlegende Infos gibt es von Uwe Hochstein und Joachim Schubert, den Granada-Experten der Alt-Ford-Freunde: 1982 kam die Facelift-Version, und auch wenn dieser Granada 3 seinem Vorgänger sehr ähnlich sieht, passen viele Teile nicht. Das gilt etwa für die Türen – die Scharniere sind beim Granada 2 verschraubt, bei späteren Modellen an der A-Säule verschweißt. Andere Teile, etwa Sitze oder Fensterschachtleisten – passen, sehen aber anders aus.

Noch vor dem Facelift 1980 gab es eine neue Innenausstattung mit braunem oder grünem Armaturenbrett. Diese Cockpits neigen eher zur Rissbildung als die vorherigen. Am Lenkrad wiederum lässt sich erkennen, ob eine Servolenkung montiert ist oder nicht: Das 380-mm-Lenkrad mit vier Speichen weist auf eine Unterstützung hin, ansonsten kommt ein zweispeichiges 420-mm-Volant zum Einsatz. Auch die Automatik-Getriebe unterscheiden sich: Der 2.8er nutzt wegen des größeren Drehmoments einen anderen Wandler. Eine Umrüstung schwächerer Modelle ist mittels Adapter möglich: „Wenn man denn weiß, was man tut“, so Schubert. Sein Resümee: Wichtiger als Motor oder Ausstattung sollte immer der (Pflege-)Zustand sein.

Ford Granada II fahrend von schräg hinten fotografiert.
Foto: Willy Bister

Kann ich das Auto kaufen?

Der Ford Granada ist cool, keine Frage: Doch Vorsicht! Unter dem kantigen Blech droht mitunter das Grauen. Mangelnde Zuwendung hat viele Autos unbemerkt vergammeln lassen, dem großen Ford fehlte
es einfach an Image. Eine genaue Inspektion ist unabdingbar, dabei sollte der Blick möglichst auch in die verborgenen Ecken der Karosserie gehen. Die Technik (Motor und Fahrwerk) ist dagegen weit weniger anfällig. Gängigste Variante ist die viertürige Limousine – die Kombis (Turnier) sind oft recht verschlissen, der Zweitürer ist zwar gesucht, aber selten.

Karosserie

Von vorn bis hinten bietet das Blech einige Stolperfallen: Das geht am Vorderwagen mit Frontblech und Lampentöpfen los, zieht sich über die Kotflügelauflagen und die A-Säulen (samt Scharnier-Befestigungen) und Längsträger bis zum Heckabschlussblech. Vinyldächer sind seltener als beim Vorgänger, auch darunter können sich, etwa bei Beschädigungen, verdächtige Blasen bilden. Vor allem bei Fahrzeugen mit Schiebedach ist der untere Heckscheibenrahmen angegriffen, da die Wasserabläufe hier entlanggeführt werden. Beim Kombi zusätzlich auf Rost an der Differenzial-Aufnahme achten!

Technik

Vor allem die Sechszylinder-Motoren begeistern mit ihrer Langlebigkeit. Defekte Öldruckschalter, spröde Ventilschaftdichtungen oder gerissene Krümmer kommen vor, lassen sich aber in der Regel gut beheben. Problematischer kann der Ausfall der Wasserpumpe werden (Überhitzung). Defekte Simmerringe an Differenzial und Kurbelwellengehäuse sorgen für Ölverlust. Das Fünfgang-Getriebe ist anfälliger als die Viergang-Schaltung, die Automatik gilt als unauffällig. Poröse Fahrwerksgummis und ausgeschlagene Lager sind dem Alter geschuldet.

Der Motor des Ford Granada II
Foto: Zbigniew Mazar

Ersatzteile

Neuteile sind so gut wie nicht zu bekommen, Gebrauchtteile gibt es bei den Expert:innen der Szene. Viele Komponenten wurden vom Granada 1 übernommen. Teile des Granada 3 sehen zwar oft „richtig“ aus, passen aber nicht an den Zweier. Die Menge an Sondermodellen und Ausstattungen erschwert vor allem die Suche nach den passenden Zierleisten und Innenausstattungen.

Kosten

Vernünftige Autos werden mittlerweile teuer gehandelt. Sind sie wirklich authentisch und komplett, lohnt sich das durchaus: Es erspart die (teils erfolglose) Teilesuche, und sie bieten bei entsprechender Wartung ein dauerhaftes Fahrvergnügen.

Fazit

Der Ford Granada wurde in der zweiten Generation deutlich sachlicher, ein Coupé war Fords Top-Modell nicht mehr vergönnt. Sein Start war schwierig: Einen Anstieg auf 20 Prozent Marktanteil erhofften sich die Kölner unter anderem mit dem neuen Modell. Stattdessen ging es bergab. Die „Goldene Zitrone“ des ADAC, Kurzarbeit im Werk und der Brand im Ersatzteillager sorgten für eine Menge Negativ-Schlagzeilen. Besser wurde es erst nach der gründlichen Überarbeitung zum Granada 3. Dabei war der Zweier gar nicht so schlecht: Heute hat der große Kölner seinen Freundeskreis und gilt als solider Begleiter. Es kann sich also wirklich lohnen, nach einem gut restaurierten Exemplar Ausschau zu halten.

Classic Cars 03/2026

Ford Granada 2.3

Ford Granada 2.8i

Ford Granada 2.1 D

Zylinder / Ventile pro Zylin.

R6 / 1

R6 / 2

R4 / 2

Hubraum

2274 cm³

2772 cm³

2097 cm³

Leistung

79 kW/108 PS bei 5000 U/min

118 kW/160 PS bei 5700 U/min

46 kW/63 PS bei 4500 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

177 Nm bei 3000 U/min

221 Nm bei 4300 U/min

122 Nm bei 2000 U/min

Getriebe / Antrieb

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

5-Gang-Getriebe / Hinterrad

L / B / H

4633 / 1791 / 1416 mm

4633 / 1791 / 1416 mm

4633 / 1791 / 1416 mm

Leergewicht

1310 kg

1420 kg

1315 kg

Bauzeit

1977 – 1981

1977 – 1981

1978 – 1982

Stückzahl

918.969 (Mk 2 & 3 ges.)

918.969 (Mk 2 & 3 ges.)

918.969 (Mk 2 & 3 ges.)

Beschleunigung null auf 100 km/h

12,2 s (AZ 5/1978)

9,5 s (AZ 5/1978)

26,7 s (AZ 5/1978)

Höchstgeschwindigkeit

168 km/h (AZ 5/1978)

194 km/h (AZ 5/1978)

135 km/h (AZ 5/1978)

Verbrauch auf 100 km

13,4 l S (AZ 5/1978)

15,3 l S (AZ 5/1978)

11,7 l D (AZ 5/1978)

Grundpreis (Jahr)

18.585 Mark (LS, 1978)

26.784 Mark (1978)

18.131 Mark (1978)