Ford Granada II kaufen: Unsere besten Tipps im Ratgeber
Kantig war sie geworden, Fords große Limousine. Und damit traf sie genau den Zeitgeist der späten 70er-Jahre. Ist der Granada 2 so robust wie er aussieht?
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Darauf beim Kauf eines Ford Granada II achten
Fast hätten sie Eva gestoppt: Eva – das war der Projektname der zweiten Granada-Generation, mit der sich die Kölner Designer bereits ab 1974 beschäftigten. Doch wirtschaftliche Zwänge sowie der explodierende Benzinpreis stoppten die Entwicklung schon in einem sehr frühen Stadium.
Dann kam Bob Lutz: Der neue Generaldirektor war gerade von BMW zu Ford Europe gewechselt und ließ sich von Chefdesigner Uwe Bahnsen dessen Arbeit zeigen. Dabei stieß der Granada durchaus auf sein Interesse – wenn er denn eine zeitgemäße Form bekäme. „Kante“ war angesagt, man denke nur an den damals schon nicht mehr ganz taufrischen, aber sehr modern wirkenden Fiat 130 oder den 1975 vorgestellten Peugeot 604. Zwar mischten sich die amerikanischen Top-Manager nicht in Designfragen ein, ordneten aber eine Zusammenarbeit zwischen den britischen und deutschen Ford-Kolleg:innen an. Grob gesagt: Aus Dunton kam das Interieur, die Kölner:innen steuerten Exterieur und Technik bei.
Da Opel einen neuen Rekord angekündigt hatte, gab man mächtig Gas: Umfangreiche Tests sollten letzte Schwächen ausmerzen. Dann war es soweit: Auf der IAA 1977 präsentierte Ford seine „neue Wertvorstellung“, so der damalige Slogan. Das Coupé entfiel, den Granada 2 gab es als Zwei- oder Viertürer sowie als Kombi. Die Motorenpalette startete beim 70 PS (51 kW) starken 1,7-l-V4 und ging bis zum 2.8i mit 160 PS (118 kW).
Außerdem stand ein von Peugeot zugekaufter 2,1-l-Diesel mit 63 PS (46 kW) zur Verfügung – im August 1983 folgte noch ein 2,5-l-Selbstzünder mit 69 PS (50 kW). Hinzu kam ein breites Farben-Spektrum vom dezenten Strato-Silber über das knallige Signal-Gelb bis zum gediegenen Mitternachts-Blau. Das Ganze ließ sich mit diversen Ausstattungen kombinieren: vom Standard-Modell über den etwas besseren ausgestatteten „L“ und den „GL“ mit speziellen Sitzbezügen und Stahlsportfelgen bis hin zum noblen Ghia.
Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video)

Vor allem der Rost setzt dem Granada II zu
Wer seinem Granada etwas Dynamik angedeihen lassen wollte, konnte gegen Aufpreis – der variierte je nach Grundausstattung – das S-Paket mit sportlicherer Fahrwerksabstimmung, Breitreifen, Drehzahlmesser und anderen Goodies ordern. Ein Test in der Auto Zeitung 1978 bescheinigte dem S-Paket seine Daseins-Berechtigung: Während das Basis-Modell schon übersteuerte, blieb der S-Granada noch lange neutral. Apropos Sportlichkeit: Ein Granada Turbo mit 200 PS war angedacht, ging aber werksseitig nie in Serie. Ford-Spezialist May bot einen entsprechenden Umbau an. Stattdessen gab es eine Reihe weiterer Sondermodelle wie den Topas und sein britisches Pendant Consort, den Saphire oder den nur als Turnier erhältlichen Chasseur.
Wer sich für einen Granada interessiert, sollte sich nicht auf ein bestimmtes Modell versteifen, sonst wird die Kaufabsicht schnell zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ein paar grundlegende Infos gibt es von Uwe Hochstein und Joachim Schubert, den Granada-Experten der Alt-Ford-Freunde: 1982 kam die Facelift-Version, und auch wenn dieser Granada 3 seinem Vorgänger sehr ähnlich sieht, passen viele Teile nicht. Das gilt etwa für die Türen – die Scharniere sind beim Granada 2 verschraubt, bei späteren Modellen an der A-Säule verschweißt. Andere Teile, etwa Sitze oder Fensterschachtleisten – passen, sehen aber anders aus.
Noch vor dem Facelift 1980 gab es eine neue Innenausstattung mit braunem oder grünem Armaturenbrett. Diese Cockpits neigen eher zur Rissbildung als die vorherigen. Am Lenkrad wiederum lässt sich erkennen, ob eine Servolenkung montiert ist oder nicht: Das 380-mm-Lenkrad mit vier Speichen weist auf eine Unterstützung hin, ansonsten kommt ein zweispeichiges 420-mm-Volant zum Einsatz. Auch die Automatik-Getriebe unterscheiden sich: Der 2.8er nutzt wegen des größeren Drehmoments einen anderen Wandler. Eine Umrüstung schwächerer Modelle ist mittels Adapter möglich: „Wenn man denn weiß, was man tut“, so Schubert. Sein Resümee: Wichtiger als Motor oder Ausstattung sollte immer der (Pflege-)Zustand sein.

Kann ich das Auto kaufen?
Der Ford Granada ist cool, keine Frage: Doch Vorsicht! Unter dem kantigen Blech droht mitunter das Grauen. Mangelnde Zuwendung hat viele Autos unbemerkt vergammeln lassen, dem großen Ford fehlte es einfach an Image. Eine genaue Inspektion ist unabdingbar, dabei sollte der Blick möglichst auch in die verborgenen Ecken der Karosserie gehen. Die Technik (Motor und Fahrwerk) ist dagegen weit weniger anfällig. Gängigste Variante ist die viertürige Limousine – die Kombis (Turnier) sind oft recht verschlissen, der Zweitürer ist zwar gesucht, aber selten.
Karosserie
Von vorn bis hinten bietet das Blech einige Stolperfallen: Das geht am Vorderwagen mit Frontblech und Lampentöpfen los, zieht sich über die Kotflügelauflagen und die A-Säulen (samt Scharnier-Befestigungen) und Längsträger bis zum Heckabschlussblech. Vinyldächer sind seltener als beim Vorgänger, auch darunter können sich, etwa bei Beschädigungen, verdächtige Blasen bilden. Vor allem bei Fahrzeugen mit Schiebedach ist der untere Heckscheibenrahmen angegriffen, da die Wasserabläufe hier entlanggeführt werden. Beim Kombi zusätzlich auf Rost an der Differenzial-Aufnahme achten!
Technik
Vor allem die Sechszylinder-Motoren begeistern mit ihrer Langlebigkeit. Defekte Öldruckschalter, spröde Ventilschaftdichtungen oder gerissene Krümmer kommen vor, lassen sich aber in der Regel gut beheben. Problematischer kann der Ausfall der Wasserpumpe werden (Überhitzung). Defekte Simmerringe an Differenzial und Kurbelwellengehäuse sorgen für Ölverlust. Das Fünfgang-Getriebe ist anfälliger als die Viergang-Schaltung, die Automatik gilt als unauffällig. Poröse Fahrwerksgummis und ausgeschlagene Lager sind dem Alter geschuldet.

Ersatzteile
Neuteile sind so gut wie nicht zu bekommen, Gebrauchtteile gibt es bei den Expert:innen der Szene. Viele Komponenten wurden vom Granada 1 übernommen. Teile des Granada 3 sehen zwar oft „richtig“ aus, passen aber nicht an den Zweier. Die Menge an Sondermodellen und Ausstattungen erschwert vor allem die Suche nach den passenden Zierleisten und Innenausstattungen.
Kosten
Vernünftige Autos werden mittlerweile teuer gehandelt. Sind sie wirklich authentisch und komplett, lohnt sich das durchaus: Es erspart die (teils erfolglose) Teilesuche, und sie bieten bei entsprechender Wartung ein dauerhaftes Fahrvergnügen.
Fazit
Der Ford Granada wurde in der zweiten Generation deutlich sachlicher, ein Coupé war Fords Top-Modell nicht mehr vergönnt. Sein Start war schwierig: Einen Anstieg auf 20 Prozent Marktanteil erhofften sich die Kölner unter anderem mit dem neuen Modell. Stattdessen ging es bergab. Die „Goldene Zitrone“ des ADAC, Kurzarbeit im Werk und der Brand im Ersatzteillager sorgten für eine Menge Negativ-Schlagzeilen. Besser wurde es erst nach der gründlichen Überarbeitung zum Granada 3. Dabei war der Zweier gar nicht so schlecht: Heute hat der große Kölner seinen Freundeskreis und gilt als solider Begleiter. Es kann sich also wirklich lohnen, nach einem gut restaurierten Exemplar Ausschau zu halten.
Classic Cars 03/2026 | Ford Granada 2.3 | Ford Granada 2.8i | Ford Granada 2.1 D |
|---|---|---|---|
Zylinder / Ventile pro Zylin. | R6 / 1 | R6 / 2 | R4 / 2 |
Hubraum | 2274 cm³ | 2772 cm³ | 2097 cm³ |
Leistung | 79 kW/108 PS bei 5000 U/min | 118 kW/160 PS bei 5700 U/min | 46 kW/63 PS bei 4500 U/min |
Max. Gesamtdrehmoment bei | 177 Nm bei 3000 U/min | 221 Nm bei 4300 U/min | 122 Nm bei 2000 U/min |
Getriebe / Antrieb | 4-Gang-Getriebe / Hinterrad | 4-Gang-Getriebe / Hinterrad | 5-Gang-Getriebe / Hinterrad |
L / B / H | 4633 / 1791 / 1416 mm | 4633 / 1791 / 1416 mm | 4633 / 1791 / 1416 mm |
Leergewicht | 1310 kg | 1420 kg | 1315 kg |
Bauzeit | 1977 – 1981 | 1977 – 1981 | 1978 – 1982 |
Stückzahl | 918.969 (Mk 2 & 3 ges.) | 918.969 (Mk 2 & 3 ges.) | 918.969 (Mk 2 & 3 ges.) |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 12,2 s (AZ 5/1978) | 9,5 s (AZ 5/1978) | 26,7 s (AZ 5/1978) |
Höchstgeschwindigkeit | 168 km/h (AZ 5/1978) | 194 km/h (AZ 5/1978) | 135 km/h (AZ 5/1978) |
Verbrauch auf 100 km | 13,4 l S (AZ 5/1978) | 15,3 l S (AZ 5/1978) | 11,7 l D (AZ 5/1978) |
Grundpreis (Jahr) | 18.585 Mark (LS, 1978) | 26.784 Mark (1978) | 18.131 Mark (1978) |































