Vergleich

Ford Escort RS vs. Renault 8 Gordini: Duell der 60er/70er-Sportler

Sie sehen nicht nur schnell aus, sondern sind es auch! In unserem Duell der 60er- beziehungsweise 70er-Jahre-Sportskanonen treffen Ford Escort RS 2000 und Renault 8 1100 Gordini aufeinander. Wer hat am Ende die Nase vorne?

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Ford Escort RS und Renault 8 Gordini fahrend von vorne
Wo gehts hier zum Slalom? Ford Escort und Renault 8 fördern die Sucht nach Wechselkurven. Foto: Daniela Loof
Der Ford Escort RS 2000 fahrend von vorne
Der RS 2000 hat mehrere Problemzonen, namentlich die A-Säulen samt Bodenblechen, die Stoßstangenbefestigungen an den vorderen Rahmenenden, die Spritzwand im Bereich der Haubenscharniere und die Reserveradmulde. Foto: Daniela Loof
Das Cockpit des Ford Escort RS 2000
Der Escort hat die knackigste Schaltung und die besten Sportsitze in dieser Runde. Foto: Daniela Loof
Der Motor des Ford Escort RS 2000
KN-Filter und 44er Weber-Vergaser verhelfen diesem Ford zu 132 PS (97 kW). Foto: Daniela Loof
Der Renault 8 1100 Gordini fahrend von vorne
Rost-Vorsorge ist das A und O: Deshalb Unterboden und Dachsäulen genau checken! Foto: Daniela Loof
Das Cockpit des Renault 8 1100 Gordini
Der R8 kam mal als brave Automatik-Limousine zur Welt. Jetzt mimt er den Rallyehelden. Foto: Daniela Loof
Der Motor des Renault 8 1100 Gordini
Im R8 steckt kein Gordini-Triebsatz, sondern der 1100er-Serienmotor. Foto: Daniela Loof
Ford Escort RS und Renault 8 Gordini fahrend von hinten
Frisieren geht über Studieren: Beide Autos befinden sich nicht mehr im Originalzustand und profitieren durchaus davon. Foto: Daniela Loof

Es muss nicht immer original sein: Ford Escort RS trifft Renault 8 Gordini

Wer in der Vorstadt groß wurde, hatte freitagabends die Wahl zwischen Stammkneipe und -garage, und meistens bekam letztere den Vorzug. Dort trafen autoverrückte Youngster auch den Ford Escort RS 2000 und Renault 8 1100 Gordini, gingen mit ihnen auf Tuchfühlung und keiner knipste dabei das Licht aus. So fingen damals die schönsten Wochenenden an.

Sie fanden rasante Höhepunkte auf einsamen Landstraßen mit anschließenden Boxenstopps an Sportplätzen und Biergärten, und sie endeten fast immer so, wie sie begonnen hatten, nämlich mit dem Kopf unter der Motorhaube, auf der Suche nach dem Ursprung einer sich langsam um die Füße herum ausbreitenden hässlichen Öllache. Auf den Originalzustand achteten dabei die wenigsten, im Gegenteil: Erlaubt war, was Beine machte, und sei es nur optisch.

Die Alpine A390 im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Echte Renault 8 1100 Gordini sind schwer zu finden

Schnelles Aussehen war Pflicht, und die Kür bestand darin, diesem Versprechen Taten folgen zu lassen. Nach diesem Stufenplan fielen wir über brave Kompaktwagen her und verwandelten sie in Slalom-Tänzer. Echt oder nicht, wen interessierte das bei einem Renault 8 "Gordini" – solange er kobaltblau war und jedem Mini Cooper den Auspuff zeigte, war er ein Held.

An einen echten Gordini war kaum heranzukommen, sein Neupreis lag fast auf dem Niveau eines Sechszylinder-Opel Rekord. Sein hochgezüchteter Motor mit scharfer Nockenwelle, diffizil abzustimmenden 40er Solex-Vergasern und einem Verdichtungsverhältnis von 10,4:1, das 1965 bei europäischen Motoren nur von Abarth übertroffen wurde, verlangte Spezialwissen. Aber einen gut abgehangenen R8 1100 der ersten Serie auf "Gordini" zu trimmen, das war möglich. Für Zusatzscheinwerfer mit Cibié-Abdeckung und breite Alufelgen aus dem Teileregal von Alpine reichte es schließlich.

Heute finden sich viele Renault-Fans in der gleichen Situation wieder, wenn auch aus anderen Gründen. Denn abgesehen davon, dass ein echter Gordini aufgrund seiner rasanten Wertsteigerung für viele weiterhin unerreichbar bleibt, besteht das noch größere Problem darin, ein zum Verkauf stehendes Auto überhaupt zu finden. Die Alternativlösung funktioniert noch immer: Der Gordini-Fan kauft einen ohnehin pflegebedürftigen Renault 8 und orientiert sich bei der Restaurierung mehr am Traumbild seiner Jugendjahre als am Original.

Der Renault 8 Gordini fahrend von vorne
Foto: Daniela Loof

So geschah es auch mit dem hier abgebildeten Auto, das vor fast sechs Jahrzehnten als braver R8 mit 45 PS (33 kW) und Automatikgetriebe bei Renault vom Band gerollt war. Autohaus Schäfer erledigte den Umbau auf professionellere Weise als früher die Youngster in ihren Feierabend-Garagen, und so wurde aus einem "alten Tantchen" ein steiler Zahn, nach dem sich Menschen bei jedem Oldtimer-Treffen die Hälse verdrehen.

Im Heck tanzt allerdings nicht Gordinis Rumpelstilzchen ums Feuer, sondern der normale R8-Motor. Das kann den Show-Effekt nicht nachhaltig schmälern. Um ernsthaft schnell zu fahren, verlangt die kleine Heckmotor-Limousine ohnehin ein gerüttelt Maß an Erfahrung im Umgang mit spontan ausbrechendem Hinterteil und mäßig spurstabiler Vorderachse.

Die fahrerische Herausforderung ist also in jedem Fall gegeben. Was sich kaum korrigieren lässt, ist die beengte Sitzposition vor den weit zur Wagenmitte hin versetzten Pedalen. So bequem die breiten, gut gepolsterten Sitze aussehen mögen – ein Langstreckler ist der R8 nicht, und sein winziger Tank zwingt in kurzen Abständen zu willkommenen Reisepausen.

Der Ford Escort RS 2000 macht gehörig Wettbewerbslaune

Rund zehn Jahre später machten die Youngster um den Nachfolger Renault 12 einen großen Bogen und spazierten stattdessen zu Ford. Wo Mitte der 60er noch Badewannen-Stimmung herrschte, verbreitete nun der Escort RS gehörig Wettbewerbslaune. Der kompakte Hecktriebler zählte zum Beispiel im Zakspeed-Trimm zu den schnellsten Renntourenwagen.

Und damit dies auch so blieb, lancierte Ford 1976 als Homologationsgrundlage für das Reglement der Rennsport-Gruppe 1B eine Serie von 400 "Spezial"-Escort mit 132-PS-Motor (97 kW), breiten Kotflügeln und neuem Spoiler-Kit. Fans erkennen an den getönten Seitenscheiben, dass das hier gezeigte Auto zu besagter Serie zählt. Es verfügt auch noch über den größeren Tank und den um 22 PS (16 kW) stärkeren "Spezial"-Motor.

Der Ford Escort RS 2000 fahrend von vorne
Foto: Daniela Loof

Doch die Karosserie wurde nach einem heftigen Unfall im Stil des schmalen Original-Escort wieder aufgebaut – ein seltener Fall von "Downgrading", der aber den Fahrspaß eher noch nach oben treibt, denn nun hat der Escort tatsächlich so viel Kraft im Anzug, wie es seine sportliche Erscheinung suggeriert.

Und er macht einen Heidenspaß. Die Schalensitze passen wie angegossen, das abgegriffene Original-Lenkrad liegt optimal in der Hand, und das kurz gestufte Schaltgetriebe wechselt die Gänge so trocken und knackig, dass man sich dabei ertappt, aus Jux rauf- und runterzuschalten, wenn dies eigentlich gar nicht nötig wäre.

Dabei ist fleißige Schaltarbeit mitunter durchaus vonnöten. Der Motor offenbart nämlich den typischen Ford-Charakter der 70er-Jahre: Starker Antritt, vielversprechender Sound, souveräne Kraftentfaltung bis etwa 4500 Touren. Doch von Drehfreude hält er nicht viel. Trotzdem läuft der Escort RS schnell genug, um nicht nur Youngster zu begeistern, und sein gern ins Übersteuern abdriftendes Eigenlenkverhalten sorgt auch bei erfahrenen Menschen am Steuer für Kurzweil.

Technische Daten von Ford Escort RS 2000 und Renault 8 1100

Classic Cars 08/2014

Ford Escort RS 2000

Renault 8 Gordini

Zylinder / Ventile pro Zylin.

4 / 2

4 / 2

Hubraum

1993 cm³

1108 cm³

Leistung

81 kW/110 PS bei 5500 U/min

63 kW/86 PS bei 6500 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

161 Nm bei 3750 U/min

97 Nm bei 4000 U/min

Getriebe / Antrieb

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

L / B / H

4150 / 1596 / 1385 mm

3995 / 1490 / 1410 mm

Leergewicht

925 kg

835 kg

Bauzeit

1975 – 1980

1964 – 1966

Stückzahl

ca. 25.000

k.A.

Beschleunigung null auf 100 km/h

9,6 s (AZ 16/1976)

12,3 s

Höchstgeschwindigkeit

178 km/h (AZ 16/1976)

170 km/h

Verbrauch auf 100 km

11,4 l S (AZ 16/1976)

11,4 l S 

Grundpreis (Jahr)

13.795 Mark (1976)

9100 Mark (1965)