Ford Capri Werksturbo: Der kölsche Flügelsportler

Zu Beginn der 80er-Jahre ließ Ford den Capri unter Druck setzen. Mit Turbolader, breiten Backen und Spoiler mutierte der Volkssportler zum Ford Capri Turbo. Heute zählt das im Volksmund "Werksturbo" getaufte Coupé zu den gesuchtesten Klassikern aus Köln. 

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Der Ford Capri Werksturbo fahrend von schräg vorne fotografiert.
Ford Capri Werksturbo Foto: Jürgen Zerha

Ein Spielzeug für große Jungs: Auf seinen dicken Rädchen sieht der Capri Turbo aus, als käme er direkt von der Carrera-Bahn.

Der Ford Capri Werksturbo fahrend von schräg hinten fotografiert.
Ford Capri Werksturbo Foto: Jürgen Zerha

Der Heckflügel ist formstabil wie ein mit Werkstatthandbüchern beladenes Billy-Regal.

Das Cockpit des Ford Capri Werksturbo.
Ford Capri Werksturbo Foto: Jürgen Zerha

Typischer Ford-Farbmix der 80er: "Wir haben hier Steingrau, Mausgrau, Felsgrau, Bleigrau, …"

Der Innenraum des Ford Capri Werksturbo.
Ford Capri Werksturbo Foto: Jürgen Zerha

Das mausgraue Recaro-Sportgestühl ist bequem wie eine Couchgarnitur.

Der Motor des Ford Capri Werksturbo.
Ford Capri Werksturbo Foto: Jürgen Zerha

Der große Lader könnte wesentlich mehr Druck machen, doch Ford ließ es zugunsten der Lebensdauer bei braven 0,4 bar bewenden.

Eine Felge des Ford Capri Werksturbo.
Ford Capri Werksturbo Foto: Jürgen Zerha

235er-Reifen auf 13-Zoll Ronal-Felgen waren 1982 eine skurrile Paarung. Heute gehören sie wie auch die darauf passenden Reifen in die Kategorie "fast unersetzlich".

Die Scheinwerfer des Ford Capri Werksturbo.
Ford Capri Werksturbo Foto: Jürgen Zerha

Kriegsbemalung braucht der Turbo nicht, geschickt platzierte Schriftzüge und ein böser Blick reicht.

Seriös wirkte er nie. Am Stammtisch der Sportcoupés war der Capri Turbo der breitbeinige Typ mit Schnauzbart, kariertem Hemd und Jeans, der am lautesten lachte und stets als erster eine neue Runde bestellte. Höflichkeit war nicht seine Stärke. Nicht alle mochten ihn, doch seine notorisch gute Laune war ansteckend damals, in den frühen 80ern. Was schimpfte er über die neuerdings am Nebentisch sitzenden Brüder aus dem Land der aufgehenden Sonne, weil sie Wein statt Kölsch bestellten. Für ihn waren sie Pappnasen mit Grips, aber ohne den richtigen Punch im Ärmel. Ein Zylinder-Sixpack reiche eben nicht, posaunte Mister Ford. Da müsse auch aufgeladen werden.
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Der Ford Capri (2024) im Video:

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Video: AUTO ZEITUNG

Zakspeed baut den Ford Capri Werksturbo

Zakspeed erledigte das ohne viel Federlesens. Im Auftrag Fords wurden (maximal) 200 Capri V6 mit Solex-Doppelvergaser und Garrett-Lader bestückt, unter Verzicht auf einen Drehzahlbegrenzer, was jedem Zwischenspurt einen zusätzlichen Kitzel verlieh. Weil der Turbolader im Grunde viel zu groß war, ließ Ford es bei knapp 0,4 bar Ladedruck bewenden. Ergebnis: Neben heißer Luft am Stammtisch erzeugte der Capri Turbo in der Tat mehr Dampf als der serienmäßige Saugmotor mit Einspritzung. Er kam jedoch beim morgendlichen Kaltstart nur schwer aus den Federn und rief seine Power vor allem im schmalen Fenster zwischen 4000 und 5000/min ab.

Die Kraft bahnte sich über ein kurz gestuftes 4-Gang-Getriebe den Weg zur starren Hinterachse, die von Längsblattfedern nur auf topfebener Piste gut auf Kurs gehalten wurde. Das rustikale Chassis sprach Bände: Der Capri Turbo hatte Haare auf der Brust. So rau der Straßenbelag war, so ungeniert trampelte er darauf herum. Austeilen, das konnte er.

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Überraschendes Capri-Testergebnis in der AUTO ZEITUNG 1982

Sein Leistungsvermögen war abhängig von der Tagesform: In den brütend heißen ersten Junitagen 1982 verfehlte ein Capri Turbo im Test der AUTO ZEITUNG die Werksangabe für den Spurt von null auf 100 km/h um fast eine Sekunde. Dennoch bescheinigten ihm die Tester eine "Dampfhammer-Charakteristik" und fanden es zutreffend, von "Deutschlands sportivstem Lastwagen" zu sprechen.

Das Verblüffende daran ist: Was wir ihm früher übel nahmen, finden wir heute gut! Der Capri zwingt seine Fahrer:innen in den Clinch und fordert permanent dazu auf, handgreiflich zu werden, weil er sonst über die Stränge schlägt. Dazu legt er üble Trinksitten an den Tag und trägt den mattschwarzen Heckflügel und die "Schulterpolster" aus GfK mit einer Dreistigkeit zur Schau, dass es schon wieder Stil hat.

Der Ford Capri Werksturbo fahrend von schräg hinten fotografiert.
Foto: Jürgen Zerha

Diese Schwachstellen des Werksturbo sollte man kennen

Wer mit dem aufgeblasenen Kölner liebäugelt, sollte sich seiner Tücken bewusst sein. Wie viele Ford aus den frühen 80ern rostet auch der Capri (Hier zur Kaufberatung des Ford Capri III). Besondere Beachtung verdienen Turbo-spezifsche Teile wie die Vorderkotfügel aus GfK. Sie wurden bei Zakspeed aufgenietet, verklebt und verspachtelt. Falls Unfallschäden nicht sachgemäß repariert wurden, treibt unter dem Kunststoff unbemerkt der Rost fiese Blüten. 

In Sachen Technik ist der Turbo-Capri ein robust und simpel gestricktes Auto, für das viel Großserientechnik adaptiert wurde. Das Getriebe aus dem 2.8er Granada ist der Turbo-Power auf Dauer nicht gewachsen. Oft kapituliert der zweite Gang. Der im Prinzip standfeste V6-Motor braucht alle 100.000 km eine gründliche Revision. Die Kombination aus Turbolader und Doppelvergaser bereitet dabei weniger Probleme als die K-Jetronic im 2.8 Injection. Auch das Fahrwerk ist, abgesehen von den Stabi-Gummis, robust und leicht in Schuss zu halten.

Die Ersatzteile sorgen lediglich für schlaflose Nächte, wenn es um turbo-spezifische Anfertigungen geht: Die Originalräder und Reifen sind ebenso vergriffen wie die Spoiler. Ansonsten zählt der Capri III zu den eher unproblematischen Oldtimern, was die Ersatzteillage betrifft. Spezialisten in Deutschland und England bieten gute Nachfertigungen an, sogar Innenverkleidungen sind teils lieferbar.

Eine Felge des Ford Capri Werksturbo.
Foto: Jürgen Zerha

Technische Daten des Ford Capri Turbo

Classic Cars 03/2014Ford Capri Turbo
Zylinder/Ventile pro Zylin.6/2; Turbo
Hubraum2792 cm³
Leistung138 kW/188 PS
Max. Gesamtdrehmoment bei265 Nm 4500/min
Getriebe/Antrieb4-Gang-Getriebe/Hinterrad
L/B/H4439/1780/1323 mm
Leergewicht1225 kg
Bauzeit1981-1982
Stückzahlca. 200
Beschleunigung
null auf 100 km/h
8,7 s
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
Verbrauch auf 100 km13,8 l S
Grundpreis (Jahr)38.000 Mark (1982)