Faszination: Mit dem Fiat Panda 4x4 in den Bergen Andorras
Oben in den Pyrenäen haben zwei Fiat Panda 4x4 ein hartes Gebirgsleben lang Dienst geschoben. Jetzt holen wir sie da raus für eine große Reise: Seeluft am Meer genießen, dann wohlverdientes Gnadenbrot.
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Faszination: Mit zwei Fiat Panda 4x4 unterwegs in Andorra
Wer öfters in den bodenständigen Winkeln Europas unterwegs ist, kennt ihn gut: den einzig wahren Straßenköter unter den Autos, den König des einfachen Autofahrens – den Fiat Panda 4x4. Überall zwischen Südtirol und den Bergen Siziliens, zwischen dem Baskenland und Griechenland ist er Zuhause, und zwar genau dort, wo man keine Verwendung für die unzähligen Überflüssigkeiten der Auto-Moderne hat. Was soll man schon mit weit über 55 PS (40 kW), wenn die Gebirgsstraßen zwischen Santa Maria di Grippaggio del Pistone und Castillo de Rotación Limitado eng und staubig werden? Wer soll denn hier bitte überholt werden – und vor allem weshalb?
Wichtiger ist es doch, möglichst wenig für sein Auto zu zahlen – und dass es nicht reinregnet! Klimaanlage? Fensterkurbeln und moderater Fahrtwind! KI-Infotainment? Radio Vatikan auf Mittelwelle! Straffe Spaltmaße? Erledigen sich nach 30 Jahren Dauereinsatz auf Schotterpisten eh, die kluge Konstruktion des klassischen Panda 4x4 setzt also bereits im Neuzustand auf etwas Spiel zwischen allen Teilen.
Der Fiat Grande Panda (2025) im Fahrbericht (Video)

Unerschrockenes Steigeisen für die schnörkellosen Momente
Nur der Allradantrieb ist Pflicht – Wildwuchs und Adipositas, die Hauptmerkmale der Auto-Moderne, sind bei 3,40 m Länge und 800 kg Leergewicht aber kein Thema für den Fiat Panda 4x4. Seine Superkraft ist es daher, einfach überall (!) hinzukommen. Also auch dahin, wo es Hardcore-Offroader in der Theorie zwar hinschaffen, in der Praxis aber dann eben doch nicht, weil sie zu groß und sperrig sind. Ein Panda 4x4 mag auf Reduktionsgetriebe, Sperrdifferenziale, abenteuerliche Verschränkungen und saftige Motorpower verzichten, er kompensiert all das aber durch Schwung und Kompaktheit. Hill Descent Control, wenn es bergab geht? Ach was, den Panda wirfst du an den steilsten Stellen einfach runter, seilst dich ein fröhliches Liedchen pfeifend hinterher und fährst nach einhändigem Auf-die Räder-Stellen und etwas Abstauben heiter weiter.
Weil er sich im Lauf einer ländlichen Karriere dauernd irgendwelcher nicht-systemrelevanter Anbauteile entledigt, wird der Panda 4x4 im Lauf seines Lebens sogar immer leichter, das machen ihm die wenigsten Fahrenden nach! Und weil ihm Patina und Kaltverformungen ausgezeichnet stehen, nimmt seine gefühlte Robustheit stetig zu – im Panda 4x4 beweist man artgerechte Haltung nicht durch Vollkasko-Versicherung, Handwäsche und Lackpolitur, sondern durch herzhaftes Reinhalten. Variabilität und Raumangebot kommen auf seinen fünf Quadratmeter Grundfläche zu kurz? Na, solange ein paar Kisten frisch gepflückter Tomaten samt Harke in den Kofferraum passen oder der Zweiwochen-Einkauf für die Almhütte, ist doch alles wunderbar …
Aber natürlich hat dieses sympathische Bild auch eine Schattenseite: Der Fiat Panda 4x4 wird verbraucht statt geliebt. Selten darf er einen schonenden Lebensabend als Klassiker genießen, sondern wird bis zum Exitus geprügelt und desintegriert anschließend unter wilden Brombeeren. Wenn man dann eine dieser geschundenen Kreaturen sieht, packt einen der sofortige Rettungs-Reflex: Flucht in ein paar Jahre voller Liebe und Fürsorge. Gnadenbrot als Familienfreund statt Plackerei bis zur letzten keuchenden Kurbelwellenumdrehung.

Charmante Fluchtfahrzeuge in einen goldenen Auto-Lebensabend
All das ist nicht nur eine rührselige Geschichte, sondern unser konkreter Plan: Oben in den Pyrenäen haben wir ein Panda-Duo bei einer ausgedehnten Motorrad-Tour entdeckt, schüchtern und etwas X-beinig im hinteren Winkel einer Autowerkstatt stehend – in einem Fall mit deutlichen Motoröl-Inkontinenz-Spuren unter der Ölwanne. Zweimal vorbeigefahren, beim dritten Mal kurzschlusshandelnd in den Verkaufsraum marschiert.
Der Dealer versteht schnell, dass hinter unserem gespielten Desinteresse das Gegenteil steckt – vermutlich spätestens, als wir uns erkennbar schwer entscheiden können, welches der beiden 4x4-Herzchen nun vor einem gnadenlosen Schicksal mit frühem Ende beim Auto-Abdecker gerettet werden soll: „5000 Euro für beide ...“ „Einverstanden, aber ein Ölwechsel und neue Zündkerzen müssen sein.“ Und so kommt es, dass wir stolze Besitzer zweier Panda 4x4 Mk.II werden, sogar die kaputte Rückfahrleuchte wechselt der Dealer und tauscht auch die zerschlissenen Reifen gegen (fast) neue 155/65 R 14 Davanti Terratoura All-Terrain-Gummis.
48 Stunden später sind wir ohne Motorräder zurück – mit 5000 Euro bar in der Tasche und dem romantischen Plan, den beiden Auto-Senioren eine Abschiedstour zu gönnen, die sich sehen lassen kann: auf Schmugglerpfaden über die Berge hinunter ans Meer. So weit waren die beiden noch nie, schon gar nicht einfach so aus Freude am Fahren. Ein Panda 4x4 wird immer nur bitterernst bewegt, unsere zwei dürfen nun aber ins Reich der leichten Unterhaltung rollen: Traum-Abenteuerreise mit wohlwollenden Panda-Fans. Wir werden „den Grünen“ und „den Schönen“ mit höchster Andacht bewegen, genussvoll und freundlich.
Man möge uns die eher fantasielosen Kosenamen nachsehen, zu einem Fiat Panda 4x4 passt Pragmatismus eben am besten. „Grün“ war naheliegend, „Schön“ kann leicht erklärt werden: Beide Panda sind Facelift-Modelle, erkennbar an den Plastik-Kühlergrills (statt der frühen Blech-Frontmasken), aber nur der blaue hat die farblos-transparenten Blinkergläser vorn, die ihn ein Jahrzehnt jünger wirken lassen. Er scheint auch mit gewisser Fürsorge behandelt worden zu sein, während hinter dem Grünen ein erkennbar härteres Schicksal liegt.
Abenteuerreisen im Rhythmus der Landschaft kann der Panda perfekt
Aber all das spielt nun keine Rolle mehr, die Vergangenheit wird zum unscharfen Bild in den vibrierenden Rückspiegeln. Die Sonne schlummert noch hinter dem Horizont, lässt aber bereits den Himmel leuchten und schickt ihr weiches Licht hinein in die Täler. Bereits am frühen Morgen liegt eine Ahnung der bevorstehenden Tageshitze im Land, wir fahren mit offenen Seitenscheiben, genießen den Kräuterduft der Berge. Bis zum Coll de Cabús an der Grenze zwischen Andorra und Spanien sind wir auf Asphalt unterwegs, dann geht es schotternd und staubend weiter. Und jetzt geht die Sonne tatsächlich auf, taucht die weiten Bergketten der Pyrenäen in goldenes Licht.
Unsere Panda fahren behände und unerschütterlich, durch die Starrachsen und Blattfedern geht es vertrauenerweckend übers Geröll. Immer wieder tauchen an steilen Rampen tief ausgewaschene Rinnen auf, man legt sich dann die beste Route zurecht, um wegen der überschaubaren Bodenfreiheit die Ölwanne nicht auf den Fels zu klopfen, und brät mit Schwung hinein ins Getümmel: Der Allradantrieb packt zu, im ersten Gang krähen die 1,1-l-Maschinchen den Berg hinauf, am Lenkrad wird die Ideallinie angepeilt. Großartig. Leichtfüßig. Unkompliziert. Als wir später auf der anderen Talseite angelangt sind und wieder festen Boden unter den Rädern haben, ist das beinahe eine kleine Enttäuschung.
Dabei beginnt die eigentliche Fahrt in den neuen Lebensabschnitt unserer Panda erst jetzt: Am Fuß des 3400 m hohen Pico Aneto nach Westen, bei Bagnères-de-Luchon geht es über die Grenze nach Frankreich. Kurvige Bergstraßen mit Panoramablick bis Arreau, die Panda schnurren engagiert vorwärts. Man könnte nun natürlich die Peitsche schwingen, um das Letzte an Reisetempo herauszuholen, aber die beiden verführen zum Gegenteil: zum genussvollen Dahinschnüren. Als wir den Wallfahrtsort Lourdes passieren, sind wir längst eins mit uns und der Welt, versöhnt mit den Dingen und wie verwachsen mit unseren Reisegefährten.
Bei Pau biegen wir von den kleinen Sträßchen auf die große Route National ein, von hier sind es nur noch etwas über 100 km bis ans Meer, hinein ins leichte Leben. Wir schauen zurück und sind beinahe etwas traurig. Wer weiß, vielleicht bringen wir „den Grünen“ und „den Schönen“ eines Tages zurück. Denn auf den Pisten da oben sind sie Zuhause. Wirklich in Rente geht ein Fiat Panda 4x4 nie.
Technische Daten des Fiat Panda 4x4
AUTO ZEITUNG 07/2026 | Fiat Panda 4x4 |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | 4-Zylinder, 2-Ventiler, 1108 cm³ |
Antrieb | 5-Gang, manuell; Allradantrieb |
Leistung | 40 kW / 55 PS |
Max. Drehmoment | 84 Nm |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 3435 / 1500 / 1485 mm |
Leergewicht | 800 kg |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 19,5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 130 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 6,9 l S |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 9653 Euro (1995, umgerechnet aus D-Mark) |
Alle Daten Werksangaben | |




















