Dacia-Chefin im Interview: „Wir bauen für Kunden, nicht für die EU“
Dacias Chefin Katrin Adt erklärt im Interview, das Unternehmen werde sich weiterhin darauf konzentrieren, Fahrzeuge nach Kundenwunsch zu entwickeln, anstatt sie an die Vorgaben der Europäischen Union anzupassen.
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Die Europäische Union plant, eine neue Kategorie namens M1E für kleine Elektrofahrzeuge mit einer Länge von unter 4,2 m einzuführen. Angelehnt an die japanische Kei-Car-Klasse sollen europäische Hersteller, die Fahrzeuge mit lokalem Anteil produzieren, Gutschriften erhalten, mit denen sie ihre CO2-Emissionen kompensieren können. Ist das eine Chance für Dacia?
Adt: „Ich wünsche mir eine endgültige Entscheidung. Wir unterstützen die Idee kleiner europäischer Autos, das ist unser Kerngeschäft bei Dacia. Doch derzeit herrscht große Unsicherheit.“
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Sie kritisieren seit Längerem die zunehmende Regulierung. Wie stark trifft das Dacia?
Adt: „Wir im Dacia-Team betonen immer wieder, dass wir bei der Entwicklung zukünftiger Produkte nicht die EU-Vorschriften berücksichtigen, sondern die Bedürfnisse unserer Kunden erfüllen. Wir sind alle gegen zu viele Regulierungen und fordern daher einen fairen Markt und fairen Wettbewerb.“
Adt erklärt weiter, dass bei Dacia 25 Prozent der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten auf die „Erfüllung und Beantwortung von Fragen zu Vorschriften“ ausgerichtet seien, und warnte vor 107 neuen Vorschriften, die in den nächsten fünf Jahren in Kraft treten werden: „Das ist eine erhebliche Belastung für die Forschung und Entwicklung, aber es bedeutet auch, dass Autos immer teurer werden. 40 Prozent der Preissteigerungen der letzten fünf Jahre sind auf Regulierungen zurückzuführen. Ich halte es für eine gute Idee, diese Regulierungen einzufrieren.“
Welche konkreten Folgen hat diese Entwicklung für Ihre Kund:innen?
Adt nennt es einen „Teufelskreis“, in dem Dacia und seine Kund:innen besonders unter den Preiserhöhungen sowie dem höheren Kraftstoff- und Energieverbrauch durch das gestiegene Gewicht der Fahrzeuge leiden.

Wie kann sich Dacia in diesem Umfeld – auch gegenüber chinesischen Herstellern – behaupten?
Die Dacia-Chefin erklärt, die Kundenorientierung des Unternehmens helfe dabei, sich von der chinesischen Konkurrenz abzuheben. „Dacia muss seine Kunden weiterhin in den Mittelpunkt stellen. Ich habe noch nie eine Marke erlebt, die so sehr auf ihre Kunden und weniger auf ihr Ego oder ihre technischen Fähigkeiten fokussiert ist. Was unseren Kunden wichtig und wie wir es ihnen am günstigsten anbieten können. Das ist schwer nachzumachen.“
Diese Kundenorientierung erklärt auch, warum Dacia bisher nur Elektromodelle im A-Segment eingeführt hat. Der aktuelle Spring EV und der kommende, auf dem Twingo basierende Stadtflitzer werden parallel angeboten.
Adt bestätigt, dass man für größere Elektroautos „Ideen in der Entwicklung“ habe, aber auf die Kundenbedürfnisse eingehen wolle. „Im C-Segment ist es das erste Auto für unsere Kunden, nicht das zweite oder dritte. Wir brauchen Angebote mit ordentlicher Reichweite, die gleichzeitig erschwinglich sind. Genau das wollen wir bieten und unser Elektroauto-Angebot über das A-Segment hinaus erweitern.“
Das Interview führte Ted Welford, Autor des britischen Magazins CAR, dem Schwestermagazin der AUTO ZEITUNG.











