60 Jahre Dacia: Vom sozialistischen Mobilmacher zum Welterfolg
Dacia feiert 2026 sein 60-jähriges Jubiläum und blickt auf eine bewegte Historie mit einer Konstanten: dem Renault-Rhombos. Wir gratulieren und schauen auf die wichtigsten Modelle in der Geschichte der rumänischen Marke!
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In Rumänien wünscht man sich zum Geburtstag „la mulți ani“, wörtlich übersetzt ein Glückwunsch „auf viele Jahre“. Dacia kann auf 60 davon zurückblicken: 1966 wurde die Marke als „Uzină de Autoturisme Pitești (UAP)“ gegründet, für die Vermarktung dann aber doch den einprägsameren Namen „Dacia“ gewählt – übrigens die Bezeichnung der römischen Provinz auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens.
Das erste Auto rollte erst 1968 aus dem neu aufgebauten Werk in Mioveni vom Band. Doch der Anfang war ruppig. Zwar sicherte sich die kommunistische Regierung der Sozialistischen Republik Rumänien bereits 1966 einen Lizenzvertrag mit Renault, um das Land unabhängiger von Autoimporten zu machen, doch die Entwicklung des im Vertrag festgehaltenen Renault 12 verzögerte sich. Also ging ein Renault-8-Klon als Überbrückungslösung 1968 als Dacia 1100 an den Start.

1969 war es dann endlich soweit: Der deutlich modernere Dacia 1300 mit Vorderradantrieb und Frontmotor löste die Heckmotor-Limousine 1100 ab, um die Massen im Planstaat zu mobilisieren. Dacia startete sogar noch vor Renault mit der Produktion des 12. Als vergleichsweise günstiges Auto mit einfacher Technik fanden „Berlina“, „Break“ und Pick-up viele Käufer:innen im Schwarzmeerstaat.
1979 folgte ein „Facelift“, nachdem der Zehn-Jahres-Lizenzvertrag mit Renault ausgelaufen war. Ab sofort durfte Dacia tiefer eingreifen und passte den 1300 nun als 1310 an die marktspezifischen Bedürfnisse an. Sogar ein „Sport“ genanntes Coupé ging in den 1980ern an den Start, die Verkaufszahlen sollen aber wohl im niedrigen vierstelligen Bereich geblieben sein. Mit einigen kosmetischen Eingriffen hielt sich das der 1310 als Stufenheck, Kombi und Pick-up bis 2004 auf dem Heimatmarkt.
Der Dacia Bigster im Video

60 Jahre Dacia: Vom Lizenzhersteller zur erfolgreichen Renault-Tochter
Da man sich in Mioveni auch noch in den 1990er-Jahren fast ausschließlich auf den stark in die Jahre gekommenen Dacia 1310 auf Renault-12-Basis fokussierte, der Ostblock aber zerbrach und mit Marktöffnung attraktive ausländische Autos auf den Markt drängten, musste etwas Neues her. Mit dem Dacia Nova wurde daher ein moderner Kleinwagen komplett in Eigenregie entworfen, der aber die alten Renault-Motoren weiternutzte.
Im Jahr 1999 übernahm Renault schließlich den einstigen Lizenzpartner Dacia und damit auch das Werk in Mioveni. Der Nova wurde zunächst mit moderneren Motoren zum Supernova, dann mit einem größeren Facelift 2003 zum kurzlebigen Solenza. Denn bereits 2004 stand der de-facto-Nachfolger Dacia Logan bei den Händlern.

Mit dem Logan sollte dann auch der Sprung als „Billigmarke“ unter Renault nach Westeuropa gelingen. Der Verkaufserfolg der kleinen Stufenheck-Limousine hielt sich trotz unschlagbarem Preis in Grenzen – wohl der bei deutschen Kund:innen unbeliebten Karosserieform zuzuschreiben. Das änderte sich auf einen Schlag 2006: Mit dem Logan MCV kam ein Kombi auf den Markt, preislich kaum teurer als die Limousine. 2008 erweiterte Dacia die Modellpalette um den Sandero, der sich bis heute als „günstigster Neuwagen“ auf dem Markt hält – und aktuell sogar der beliebteste Neuwagen Europas bei Privatkäufer:innen ist.
Spätestens mit dem Marktstart des Dacia Duster 2010 konnte das „Billigheimer“-Image allmählich abgelegt werden. Günstig war er zwar auch, brachte aber etwas Lifestyle-Optik mit. Dank optionalem Allradantrieb und robustem Fahrwerk war das SUV sogar offroad-tauglich.

Nach 60 Jahren voller Lizenzbauten und Billigautos präsentiert sich die aktuelle Modellpalette ausgesprochen modern: LED-Scheinwerfer, ein eigenständiger Auftritt und sogar elektrifizierte bis vollelektrische Antriebe bieten die Modelle aus Mioveni. Das jüngste Projekt von Dacia, der Crossover-Kombi Striker, ist daher wohl das passendste Geburtstagsgeschenk, dass sich der rumänische Hersteller hätte machen können. Mit dem selbstbewusst gezeichneten Kombi mit Hybridantrieb greift man nun im hart umkämpften Kompaktsegment gegen Größen wie den Skoda Octavia an – und damit einer weiteren osteuropäischen Automobil-Ikone, die es aus dem Ostblock zu Welterfolg gebracht hat.
Auch interessant: Eine ausführliche Analyse zu Dacias Erfolgsgeschichte gibt es hier zum Nachlesen.
Fazit
In 60 Jahren Geschichte hat sich Dacia immer an der Seite von Renault gesehen: Anfangs nur zweckmäßig als Lizenzpartner, um das sozialistische Rumänien günstig zu mobilisieren. Seit der Jahrtausendwende ist die franco-rumänische Beziehung zu einem starken Entwicklungspartner herangewachsen. Mittlerweile ist Dacia eine wichtige Säule im Konzern und in vielen Segmenten sogar in Europa marktführend – noch vor Markenmutter Renault. Der jüngst präsentierte Striker macht klar: Nach sechs Jahrzehnten ist Dacia in Topform und bereit für die (elektrifizierte) Zukunft.













