Cizeta-Moroder V16T: 16-zylindriger Wahnsinn auf Rädern
Von dem monströsen 16-Zylinder-Sportwagen Cizeta-Moroder V16T entstanden nur zwölf Exemplare. Dies ist Nummer 001, finanziert und gefahren vom Disco-King Giorgio Moroder.
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Designer, Karosseriebauer und Konstrukteure berühmter Sportwagen genießen in Fan-Kreisen Verehrung in einem Maß, das bisweilen die Grenze zum Personenkult deutlich überschreitet. Ferrari-Fans vergöttern Gioacchino Colombo und Sergio Scaglietti, die Lamborghini-Gemeinde treibt die Heiligsprechung des im Jahr 2024 verstorbenen Marcello Gandini mit Leidenschaft voran, und im Corvette-Lager genießt Dave Hill eine ähnliche Ausnahmestellung.
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Der Lamborghini Revuelto (2024) im Fahrbericht (Video):

Cizeta-Moroder V16T: Der einzige Supersportler mit quer eingebautem 16-Zylinder
Weit weniger Beachtung findet dagegen eine Berufsgruppe, durch deren Expertise aus dem schön anzuschauenden und technisch beeindruckenden Fahrzeug erst ein wahrhaftig großartiger Sportwagen wird, nämlich die der Chef-Testingenieur:innen. Ohne die analytische Präzision eines Luigi Bazzi wäre der Ferrari 250 GTO nie entstanden, ohne Norman Dewis wäre der Jaguar E-Type keine Ausnahmeerscheinung, und ohne Bob Wallace wäre Ferruccio Lamborghini an seinen hochfliegenden Ambitionen früh gescheitert.
Ein weiterer Könner dieses Metiers machte sich sogar selbstständig und lieh seine Initialen einem spektakulären Sportwagen: Claudio Zampolli, abgekürzt C. Z. oder im Idiom seiner Muttersprache "Ci-Zeta". Zampolli brachte gemeinsam mit Bob Wallace den wilden Lamborghini-Typen der Siebziger-Jahre das Laufen bei. Doch selbst das wildeste Sportgerät wird irgendwann zur Routine-Aufgabe – vor allem, wenn das Budget für grundlegende Änderungen fehlt.
Der Cizeta ist fast doppelt so breit wie hoch
Gebranntes Kind scheut das Feuer: Zampolli gab sich alle Mühe, sein Sportwagenprojekt auf ein tragfähiges Fundament zu stellen. Er siedelte um ins gelobte Land Kalifornien, verkaufte dort italienische Sportwagen und baute sich ein Netzwerk auf, in das er mehrere Lamborghini-Konstrukteure hineinlotste: den Motorenbauer Pedrazzi, den Chassis-Experten Bevini und den Prototypenbauer Guerra. Zampollis Plan war ähnlich verwegen wie zwei Jahrzehnte zuvor das Konzept des Lamborghini Miura: Auch er wollte einen hochdrehenden Saugmotor quer hinter den Sitzen einbauen, aber bei einem V12 ließ er es nicht bewenden.
Um den italienischen Supercar-Standard zu übertreffen, plante er einen V16-Motor, zusammengesetzt aus zwei V8-Motoren nach Art des Lamborghini Urraco. Dieses Konzept führte zwangsläufig zu einem "Hinterteil" im XXL-Format und extremen Proportionen: Der Cizeta ist fast doppelt so breit wie hoch. Größenwahn? Vielleicht. Aber wer nicht versucht, die Grenzen des Machbaren zu erweitern, wird sich in dieser Liga wenig Respekt verschaffen. Kompaktere Alternativen ließ Zampolli nicht gelten. Er lehnte Turbolader wegen des trägen Ansprechverhaltens ab. Das T im Modellnamen steht folgerichtig nicht etwa für Turboaufladung, sondern für die "tranversale" Einbaulage des Antriebsstrangs.

Der König der Disco-Sounds finanzierte den Moroder
Die Finanzierung eines solchen Projekts ermöglichte der Zufall. Eines Tages kam ein Landsmann in Zampollis Showroom, um einen Lamborghini Countach zu kaufen. Es war der damals unfassbar erfolgreiche Popmusik-Produzent Giorgio Moroder, mehrfacher Grammy-Preisträger, Mentor der Disco-Queen Donna Summer und die unangefochtene Nummer 1 im Filmmusik-Business. Moroder fing Feuer und finanzierte die Entwicklung des ersten Prototyps. Für einen maximalen Showeffekt wurde er mit kirschrotem Leder ausstaffiert.

Das Projekt drohte zu scheitern
Dieses hier gezeigte Auto feierte im Herbst 1988 seine Premiere mit einer von Gandini kreierten Leichtmetall-Karosserie, die in der Seitenansicht Elemente des 1991 vorgestellten Lamborghini Diablo vorwegnahm. Moroder übernahm danach dieses Auto und behielt es bis 2022. Dem an schnelle Geschäfte gewöhnten Musik-Magier dauerte die Weiterentwicklung des fahrfähigen Prototyps zur zulassungsfähigen Kleinserie allerdings zu lange. Er stellte die weitere Finanzierung des Projekts ein und ließ Zampollis Traum damit beinahe zerplatzen.
Es dauerte schließlich bis 1991, ehe in Modena die ersten serienreifen Fahrzeuge komplettiert werden konnten. Den ursprünglich auf 400.000 Dollar angesetzten Preis musste Zampolli um mehr als 50 Prozent anheben, im Gegenzug korrigierte er die optimistische Topspeed-Angabe deutlich nach unten. Von ursprünglich angedachten 100 Autos pro Jahr entstanden bis 1995 magere neun, drei davon bereicherten bald den Fuhrpark des Sultans von Brunei. Der Prototyp trägt heute als einziger Cizeta weiterhin den Beinamen des Musikproduzenten. 2022 wurde er von RM Sotheby’s für 1,35 Mio. Dollar versteigert. Ein "Serienmodell" des Cizeta V16T blieb 2024 bei einem Höchstgebot von 432.000 Dollar stecken.
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Technische Daten des Cizeta Moroder V16T
| Classic Cars 05/2025 | Cizeta Moroder V16T |
| Zylinder/Ventile pro Zylin. | V16/4 |
| Hubraum | 5995 cm³ |
| Leistung | 412 kW/560 PS 8000/min |
| Max. Gesamtdrehmoment bei | 540 Nm 6000/min |
| Getriebe/Antrieb | 5-Gang-Getriebe/Hinterrad |
| L/B/H | 4440/2060/1115 mm |
| Leergewicht | ca. 1700 kg |
| Bauzeit | 1988–1995 |
| Stückzahl | 12 |
| Beschleunigung null auf 100 km/h | 4,5 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 328 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | – |
| Grundpreis (Jahr) | 630.000 Dollar (1991) |











