Pure Ekstase mit 1622 PS: Unsere Testfahrt im Bugatti Bolide
Endlich hat Bugattis Über-Sportwagen den Namen, den er wirklich verdient. Endlich hat die W16-Maschine das wirklich zu ihr passende Auto gefunden. Mit dem Bugatti Bolide endet aber auch eine Ära – auf ihrem absoluten Höhepunkt. Wir dürfen für eine Testfahrt ans Steuer.
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Bugatti Bolide: 16 Zylinder, 1622 PS, aber ohne Straßenzulassung
Sind nun die 4,76 Mio. Euro das größte Hindernis auf dem Weg zum eigenen Bugatti Bolide? Oder ist es doch eher die Tatsache, dass man den Bolide überhaupt nicht mit Straßenverkehrs-Zulassung bekommt? Eine Rennstrecke brauchst du für gelegentliche Sonntagsnachmittags-Spritztouren also immer, und da die 1622 PS (1193 kW) bei artgerechter Haltung einen Topspeed von 380 km/h auswerfen, sollte der Kurs auch in die absolute A-Liga gehören: Top-Asphalt, mächtige Auslaufzonen, kilometerlange Geraden und superschnelle Kurven. Alles andere wäre Vergeudung von Lebenszeit. Oder schlicht lebensgefährlich.
Bugattis Kundschafts-Kontaktmann Alexis Ploix scheint im womöglich fehlenden Zugang der Kundschaft zu passenden Strecken eher kein Problem zu sehen: „Wir sorgen mit eigener Streckenbetreuung für entsprechende Erlebnismomente, berücksichtigen aber auch gern Supportnetzwerke, die sie bereits für ihre an deren Straßen- und Rennwagen haben ...“ Aha, für die anderen also.
Damit steht dem ungetrübten Extrem-Fahrspaß bei unserer ersten Testfahrt nichts mehr im Weg – wenn da nicht dieses kleine Achselzucken von Monsieur Ploix wäre: „Alle 40 Exemplare der limitierten Bolide-Sonderserie sind bereits vergeben. Wir hätten mehr verkaufen können, aber leider ...“ – „Puh“, denkst du, „eine schwere Entscheidung weniger.“
Der Ferrari 849 Testarossa im Fahrbericht (Video)

Achtung: Start kann Panik verursachen
Während dich dann beim Startprozedere drei bis vier Mechaniker umschwirren, bist du aber schon ein wenig enttäuscht, dass die nicht ab sofort immer wieder eine regelmäßige Rolle in deinem Leben spielen: Sie lassen den Bugatti Bolide einfühlsam warm laufen, ziehen mit hart ratternden Schlagschraubern die passenden Rad-Reifen-Kombis auf und zurren dich schließlich entschlossen in die Schalensitze: Ausatmen und zack, jetzt bist du wie reingenietet in diese Kohlefaser-Rakete mit ihrem 1622-PS-8,0-l-Quad-Turbo-W16. Der Mechaniker überprüft ein letztes Mal die Positionen von Lenkrad und Pedalerie – beides lässt sich einstellen –, während der Sitz fest verschraubt ist. Erst dann haut er die Tür samt umlaufender Kopf-Schulterstütze zu.
Tresor-Gefühle. Klaustrophobie. Panik-Attacke trifft auf Adrenalin-Überflutung. Also: Flucht nach vorn. Zug am Schaltpaddel, um den ersten Gang einzulegen, Geschwindigkeitsbegrenzer für die Boxengasse aktivieren – und staunen. Denn dieses furchterregende Extrem-Hypercar fährt einfach los, ohne ein Abwürgen, ohne Ruckeln und ohne andere Zicken.

Aerodynamik, Chassis, Bremsen, Motor – endgültige Leistung
Der eigentliche Schock wartet am Ende der Boxenausfahrt. 1622 PS (1193 kW), 1600 Nm Maximaldrehmoment, und all das dosierst du mit einer kleinen Bewegung im rechten Fuß. Die Beschleunigung ist unwirklich, atemberaubend und verstörend. Der Bugatti Bolide lässt dich für einen kurzen, klammen Moment glauben, dass du es durch einen Zufall doch irgendwie hinter die Physik geschafft hast.
Während sich in deinem Leib spürbar die Organe verschieben, das Gleichgewichtsorgan rebelliert und das Blut in den Ohren rauscht, zerfällt alles bisher Gelernte und Erlebte zu Atomen, verliert seine Gültigkeit. Selbst der bekannte Circuit Paul Ricard scheint sich dramatisch geändert zu haben, der Fahrrhythmus muss völlig neu erlernt werden – in einer entsetzlich schnellen Chaos-Variante.
Ex-Le Mans-Racer und Bugatti-Experte Andy Wallace hat dir die entscheidenden Tipps mitgegeben, während der Testfahrt hallen sie irgendwo in einer Panikschaltung der überdrehten Synapsen wider: „Hochschalten besser automatisch, du wirst das im ersten Zustand völliger Überforderung eh vergessen. Generell ganz bestimmt und entschlossen fahren, das Auto hat so viel Grip, Traktion, Leistung, Downforce und Bremskraft, dass es auch mit harter Fahrweise tadellos klarkommt. Zögerlichkeit führt viel eher zu einem Kontrollverlust …“

„Ok, Andy, das lässt sich gut merken. Gibt es sonst noch was?“ „Du wirst den Fahrstil in Kurven ändern müssen, weg von deiner sanften U-Form hin zu einem konsequenten V. Smooth auf der Bremse tief in den Radius hinein, dann eindrehen und so schnell wie möglich wieder geradeaus fahren.“
Leichter gesagt als getan, denn zu Beginn bist du immer viel zu früh auf der Bremse. Das liegt nicht einmal nur am völlig verschobenen Timing sowie dem immer mitfahrenden Respekt vor der markerschütternden Leistung des superschnellen Bugatti Bolide, sondern schlicht und einfach an der Tatsache, dass untrainierte Beine kaum die notwendigen 40 kg Druck aufs Bremspedal bringen, um die infernalische Bremsleistung voll einzulösen.
Irgendwie landest du dann eben doch in einem respektvollen Sicherheitsabstand zum absolut Machbaren und arbeitest dich von hier aus Stück für Stück an dein ganz persönliches Limit heran. Ob die Grenze dann aus echter Furcht gemacht ist, aus gesundem Menschenverstand, dem Ende körperlicher Belastungsfähigkeit oder der pragmatischen Überlegung, dass man dieses Über-Sammlerstück nun vielleicht doch besser einem warmen Platz in der Sammlergarage anvertrauen sollte, dürften die 40 Bolide-Besitzer:innen individuell feststellen.
Der Bolide krönt die W16-Ära
Zeit, sich auch diesseits des absoluten Speeds mit dem Bugatti Bolide zu befassen. Denn der ist schließlich nicht nur ein weiteres Hypercar der ebenso überflüssigen wie begeisternden Koenigsegg-Pagani-Rimac-Kategorie, sondern die Krönung einer bemerkenswerten Karriere: Der Bolide ist Bugattis Abschied vom W16-Motor, eine Hommage an dieses einzigartige Triebwerk. Ein Auto, das eindrucksvoll demonstriert, was mit einem 8,0-l-Quad-Turbomotor möglich ist, wenn man das gesamte Umfeld von Grund auf neu erfindet.
Beim Bolide gibt es keine Kompromisse: 545 kg leichter als sein straßenzugelassener Bruder Chiron, setzt er ein Fahrerlebnispotenzial frei, das die Leistungsdaten des Motors schon immer versprochen haben. Die Vollcarbon-Monocoque-Karosserie wurde von Dallara nach Le Mans-Standards gefertigt, die Pushrod-Aufhängung mit liegenden Feder- und Dämpfereinheiten vorn und direkt angelenkten, stehenden Dämpfern hinten könnte direkt aus einem Rennwagen stammen. Hinzu kommen Michelin-Slicks und 390 mm große Carbon-Bremsen mit fünfstufigem ABS.

Selbst im Reich der Extreme zählt Perfektion statt Exzess
Die Karosserie ist komplett neu, ihre Aerodynamik schafft 2900 kg Abtrieb bei 320 km/h. Andy Wallace meint dazu genüsslich, Bugatti hätte sogar noch mehr Abtrieb generieren können, „aber dann hätte der Bolide trotz seiner Vertikalhub-Dämpfung sehr empfindlich auf Nickbewegungen reagiert und wäre dadurch tückisch geworden“. Ein spannender Hinweis, denn so seltsam das in diesem Kontext klingen mag: Man schätzt selbst im Reich der Extreme kluges Augenmaß.
Auch deshalb dürfte sich Bugatti in der Konfiguration des W16 zurückgehalten haben – es kommt dieselbe Abstimmung zum Einsatz wie im „gewöhnlichen“ Chiron Super Sport, ebenso das gleiche Doppelkupplungsgetriebe, jedoch mit neuen Übersetzungen und einer neuen Endübersetzung. Der unveränderte Einsatz des Straßenmotors in einem reinen Rennstreckentier dürfte freilich ein Hinweis auf die bisher schon höchst aufwendige und durchdachte Konstruktion des W16 sein: Der Bugatti Bolide erreicht im Knocking-on-heavens-door-Modus Kurvenbeschleunigungen von bis 2,5 g – mit serienmäßiger Öl- und Wasserpumpe.
Ein, zwei Runden schlenzen wir bei unserer Testfahrt noch über die Strecke, genießen den monumentalen Schub des Bolide und lauschen dabei dem düsteren, rauchigen, abgrundtiefen Brodeln des 16-Zylinders. Vulkangrollen. Titanenlied.
Und dann hören wir es: Dem Bugatti Bolide fehlen die Klappergeräusche und Resonanzen, die man von den meisten Rennwagen kennt, das Mahlen der Mechanik, das Klacken von Fahrwerksteilen und das Vibrieren pragmatisch eingepasster Karosserieteile. Der Bolide ist dagegen satt und präzise gemacht bis ins Detail. Absolute Perfektion, zum Abschied einer Automobillegende.
Technische Daten des Bugatti Bolide
AUTO ZEITUNG 03/2026 | Bugatti Bolide |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | W16-Zylinder, 4-Ventiler, Quad-Turbo; 7993 cm³ |
Antrieb | 7-Gang, Doppelkupplung; Allrad |
Leistung | 1193 kW / 1622 PS bei 7050 /min |
Max. Drehmoment | 1600 Nm bei 3800 /min |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4835 / 2100 (2400)* / 1047 mm |
Trockengewicht | 1450 kg |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 2,2 s |
Höchstgeschwindigkeit | 380 km/h |
Verbrauch auf 100 km | k.A. |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 4.760.000 € (alle 40 Exemplare ausverkauft) |
Alle Daten Werksangaben; *Breite inklusive Außenspiegel | |


















