Hohe Acht statt Nürburgring: Faszinations-Fahrt im BMW 850i
Es muss nicht immer der Nürburgring sein. Wer den Rennkurs links liegen lässt und entspannt die Hohe Acht umrundet, stellt dabei fest, dass die "Grüne Hölle" einen himmlischen Anblick bietet, wenn man sie von oben betrachtet. Kein Auto eignet sich dafür besser als der BMW 850i.
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Ein Freitag im Juni um die Mittagszeit. Der Nürburgring ist eingehüllt in das Summen eines gewaltigen Hornissenschwarms. Während auf dem Grand-Prix-Kurs Testwagen über die Strecke gejagt werden, wird die Nordschleife von Motorsport-Tourist:innen zum internationalen Sportwagen-Schlachtfeld erklärt (Alle Infos zu den Nürburgring-Touristenfahrten). Abgesehen von wenigen Einheimischen prügeln mehrheitlich Besuchende aus Großbritannien, Schweden, Italien, Frankreich, Luxemburg, Österreich, Spanien, der Schweiz und vor allem auch aus den Niederlanden ihre Sportgeräte um den Kurs.
Mangelnde Ortskenntnis und begrenztes Fahrtalent können ihren Enthusiasmus offensichtlich nicht bremsen. Zehn Minuten als Zaungast an einem beliebigen Streckenabschnitt genügen für die Erkenntnis, dass man ein Schmuckstück wie diesen praktisch neuwertigen BMW 850i aus dem Baujahr 1991 von solcherlei Gesundheitsgefährdungen fernhalten sollte. Das geflügelte Wort von der "Grünen Hölle" Nürburgring bekommt eine weitere Bedeutung.
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Der BMW iX3 (2025) im Video:

Außerhalb des Nürburgrings finden sich grandiose Straßen zum Cruisen mit dem BMW 850i
Zum Glück giert das V12-Coupé ohnehin nicht nach hoher Querbeschleunigung. Mit 300 PS (221 kW) bei 1,8 t Lebendgewicht liefe es auf der Nordschleife heute ohnehin Gefahr, von einer jungen Dame aus Bernkastel in ihrem Käfiggestärkten Opel Corsa OPC vernascht zu werden. Gibt es also eine gefahrlosere Alternative, die kurvige Eifel zu genießen? Und ob! Wir pfeifen auf Bestzeiten und surfen mit dem Achter nicht um die Nürburg, sondern um die Hohe Acht und entdecken dabei die himmlischen Seiten der Grünen Hölle.

Von Meuspath kommend schwingt sich der 850i auf die L92 bergab in Richtung Adenau, durchquert den Ortskern und lässt sich auf der B257 weiter ins Ahrtal rollen, passiert Leimbach, Dümpelfeld und Hönningen. Spätestens an der Abzweigung auf die L85 Richtung Kesseling bei Ahrbrück ist vom Renntrubel nichts mehr zu spüren, sogar die meisten Biker sind hier gesetzteren Alters und meist auf elektrifizierten Drahteseln unterwegs. Das einstige Topmodell des Hauses BMW macht auf diesen schmalen, gewundenen Sträßchen zweiter Ordnung viel mehr Spaß als erwartet. In Zeiten, wo schon der kleinste seiner zahllosen Enkel 1,80 m breit ist, sitzt der nur fünf Zentimeter breitere 850i wie ein schlank geschnittener Maßanzug.
Nonplusultra der 90er: Der 8er kostete so viel wie fünf BMW 316i
Obwohl wir ganz im Sinne der Adenauer Verkehrspolizei den Rahmen der Straßenverkehrsordnung eisern respektieren, begeistert der 850i durch den beinahe linearen Schub seines geschmeidigen Zwölfzylinders. Samtweich und trotzdem druckvoll tritt er an und surft fast schwerelos wie auf einer Welle weiter von Kurve zu Kurve. Die Lenkung reagiert etwas diffus, aber ohne Hektik – in der Ruhe liegt ihre Kraft. In den 90ern war der Achter ein Nonplusultra auf deutschen Straßen. Er kredenzte souveräne Dynamik, umhüllt von Eleganz, Feinschliff und technokratischem Stil, wie es damals nur BMW in dieser Art zustande brachte – allerdings zu einem Preis, für den man auch fünf 316i bekommen hätte.
Technische Kabinettstückchen und trockene Funktionalität prägen die Ausstattung. Die Klappscheinwerfer bieten bei Nacht exzellentes Licht, bleiben am Tag in der Versenkung und ermöglichen so einen cW-Wert von 0,29 (Der cW-Wert erklärt). Die wahlweise mit Leder oder Velours bezogenen Hightech-Designersitze mit ihren scheinbar über den massiven Rückenlehnen schwebenden großen Kopfstützen wirken heute noch futuristisch. Von knochentrockener Sachlichkeit geprägt sind dagegen die exzellent ablesbaren Bordinstrumente. Sie erteilen den verirrten Interieurdesignteams von heute Anschauungsunterricht in ergonomischer Perfektion. BMW setzte auch in diesem Bereich damals Maßstäbe – und gab sie später ohne Not wieder auf. Dabei entsteht Freude am Fahren nur unter der Gewissheit, jederzeit souverän den Überblick zu behalten.
Die leckersten Kurven liegen hier aufgereiht wie an der Perlenschnur
Einen wahrhaftig souveränen Überblick genießen wir nach einer viertelstündigen Zirkelei durch steile Serpentinen auf dem einspurigen Pfad hinauf zum Landgasthof Steinerberghaus. Das mit einer sehr schmackhaften Küche glänzende Lokal liegt ganz allein inmitten von zigtausend Ginsterbüschen auf 530 m Höhe über Normalnull und gewährt von seiner Terrasse aus eine fantastische Aussicht über die bewaldeten Höhenzüge der Südeifel. Mittendrin erhebt sich die Hohe Acht, in über 40 km Entfernung ist die Spitze des Koblenzer Fernsehturms am Horizont noch mit bloßem Auge zu erkennen.

Für den Rückweg bieten sich von Kesseling aus zwei Straßen an: die kürzere Strecke schlägt zwischen zwei grünen Bergkämmen eine Schneise in Richtung Süden und führt über Kaltenborn direkt auf die Hohe Acht zu. Es gibt am Freitagnachmittag selbst in der Eifel nur noch wenige praktisch unberührte Landstraßen, auf denen die leckersten Kurven wie an der Perlenschnur aufgereiht in der Sonne liegen. Der BMW 850i verspeist sie der Reihe nach mit wachsendem Appetit, und weil es so schön war, kehren wir um und fahren in der entgegengesetzten Richtung nach Kesseling zurück. Außerdem möchten wir die nicht minder attraktive Alternative auch noch ausprobieren.
Die Hohe-Acht-Tour endet wieder an der Nordschleife
Die L85 schlägt nämlich von Kesseling aus einen Bogen nach Osten und führt über Staffel nach Niederheckenbach, wo eine noch schmalere Straße nach Cassel abbiegt und schließlich bei Kempenich auf die B412 stößt. Wer sich dort rechts hält, steuert ebenfalls wieder die Hohe Acht an, auf der ein Wanderparkplatz dazu einlädt, per pedes in die Grüne Hölle einzutauchen. Dazu müsste man allerdings die Kraft aufbringen, den BMW 850i am Waldrand abzustellen und eine Weile sich selbst zu überlassen. Der Wille des BMW, sein eigenes Work-out-Programm noch weiter auszudehnen, ist jedoch stärker.
Gerade die B412 bietet auf ihrer Passage über die Hohe Acht ein fabelhaftes "Sechs-Gänge-Menü" mit flüssigen Schwüngen und Spitzkehren, das sich Auto-Gourmets im 850i auf der Zunge zergehen lassen. Danach schmiegt sich die Bundesstraße auf Höhe des Abschnitts Wippermann an die Nordschleife und hechtet aus der Höhe hinunter ins Tal Richtung "Pflanzgarten", wo sie auf die Hauptverkehrsader B258 stößt. Die Zielgerade unserer alternativen Eifelrunde ist erreicht. Am Ring summen immer noch die Hornissen. Der BMW 850i schnurrt mit uns vor Zufriedenheit um die Wette. Während die anderen in der Grünen Hölle schmoren, hat er den grünen Himmel gesehen.
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Technische Daten des BMW 850i
| Classic Cars 09/2019 | BMW 850i |
| Zylinder/Ventile pro Zylin. | 12/2 |
| Hubraum | 4988 cm³ |
| Leistung | 221 kW/300 PS 5200/min |
| Max. Gesamtdrehmoment bei | 450 Nm 4100/min |
| Getriebe/Antrieb | 6-Gang-Getriebe/Hinterrad |
| L/B/H | 4780/1855/1340 mm |
| Leergewicht | 1790 kg |
| Bauzeit | 1989-1999 (8er ges.) |
| Stückzahl | 20.072 (850i/Ci bis 1994) |
| Beschleunigung null auf 100 km/h (AZ 16/1990) | 7,3 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | 17,8 l S |
| Grundpreis (Jahr) | 135.000 Mark (1991) |














