Vorstellung

BMW 745i SA: Der 7er mit M1-Herz

Fällt der Begriff Südafrika in Zusammenhang mit automobiler Zeitgeschichte, werden Fans von Classic Cars schnell hellhörig. Dieses Mal werfen wir einen Blick auf die wohl schnellste Oberklasse-Limousine der 80er-Jahre aus dem Hause BMW: den BMW 745i SA (E23).

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Der BMW 745i SA in der Frontansicht.
Der südafrikanische BMW 745i SA entstand als eine Art Notlösung. Der turboaufgeladene M102-Reihensechser kollidierte mit der rechts montierten Lenksäule. Foto: Collectible Wheels
Der BMW 745i SA in der Heckansicht.
BMW Südafrika schuf 1983 kurzerhand ein eigenes Spitzenmodell der E23-Baureihe. Foto: Collectible Wheels
Das Cockpit des BMW 745i SA.
Kund:innen, die sich für einen 745i SA entschieden, bekamen eine Vollausstattung mit jedem erdenklichen Extra.  Foto: Collectible Wheels
Die Sitze des BMW 745i SA.
Feinstes Nappaleder statten nicht nur die extra profilierten Sitze aus, sondern auch die Seitenverkleidung und das Armaturenbrett.  Foto: Collectible Wheels
Der Motor des BMW 745i SA.
Den Titel des schnellsten Serien-7er verdankte der BMW 1983 dem 3,4-l-Sechszylinder, der aus dem M1 stammte. Foto: Collectible Wheels
Die Frontansicht auf den BMW 745i SA.
Von außen verrät nur wenig, dass es sich hier um einen inoffiziellen M7 handelt. Foto: Collectible Wheels
Die Heckansicht des BMW 745i SA.
Lediglich das M-Logo deutet darauf hin, dass hier etwas anders ist.  Foto: Collectible Wheels

Wenn man im europäischen Raum vom BMW 745i der Generation E23 spricht, dann fallen Petrolheads wohl sofort diese Eckdaten ein: 3,4-l-Reihensechszylinder (M106), 252 PS (185 kW), turboaufgeladen. Das waren 1983 äußerst imposante Daten für die Oberklasse-Limousine aus dem Hause BMW, welche die lange Geschichte der 7er-Reihe einläutete. Doch wie bereits am Beispiel von BMW 530 MLE und Ford Sierra XR8 gezeigt, wissen geneigte Leser:innen bereits, was jetzt kommt. Denn BMW SA (Südafrika) schuf sich ein ganz eigenes Spitzenmodell der E23-Baureihe. Das geschah allerdings nicht unbedingt aus Spaß an der Freude, sondern hatte vor allem zwei gute Gründe.

Der BMW i7 M70 xDrive (2023) im Fahrbericht (Video):

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

BMW 745i SA: Notlösung mit BMW M1-Motor

Als der performante europäische BMW 745i im Jahr 1980 mit M102-Sechszylinder (252 PS/185 kW) Teil der Modellpalette wurde, standen Länder wie Großbritannien und Südafrika vor einem Problem: Hier herrscht Linksverkehr. Folglich mussten die dort ausgelieferten Fahrzeuge mit der Lenksäule auf der rechten Seite ausgeliefert werden. Das individuelle Problem des 745i manifestierte sich in Form des Turboladers. Er stand einer rechts montierten Lenksäule im Weg.

Konstruktionsbedingt konnte die Turboschnecke nicht einfach so ihre Seite wechseln. BMW England ging aufgrund dessen den drastischen Schritt und entschied sich, den stärksten 7er einfach nicht anzubieten. Anders sahen das allerdings die Südafrikaner:innen. In Sachen automobile Lösungen zu finden, hatten sie bereits Erfahrung. Das 1973 fertiggestellte BMW-Zweigwerk in Rosslyn (Südafrika) hatte 1973 mit dem 530 MLE (Motorsport Limited Edition) bewiesen, dass sie für Pionierleistungen und clevere Lösungen zu gebrauchen waren, und schufen nebenbei noch den Urahn des BMW M5

Der Motor des BMW 745i SA
Foto: Collectible Wheels

Ganz nach diesem Motto schnappten sie sich unter dem damaligen BMW SA Entwicklungschef Bernd Pischetsrieder einen E23 und kreierten den BMW 745i SA. Der Unterschied zum europäischen Modell? Steckt unter der Haube! Darunter wanderte der legendäre Hochdrehzahl-Motor mit dem Kürzel M88/3 und somit das gleiche Triebwerk, das auch den ikonischen BMW M1 befeuerte. Die mechanische Kugelfischer-Einspritzung tauschte man gegen eine damals moderne Bosch Motronic.

Das Ergebnis waren beeindruckende 290 PS (213 kW) aus 3456 cm3 Hubraum (13 PS mehr als im M1), die den großen BMW 7er innerhalb von nur sieben Sekunden auf 100 km/h beschleunigten. Damit schnappte er sich 1983 offiziell den Titel des schnellsten und wohl auch lautesten Serien-E23. Das Bremssystem entlieh man sich vom BMW 635 CSi, während Felgen und Karosserie leicht in der Breite wuchsen. Wer sich für die schnelle Limousine entschied, hatte die Wahl zwischen einem ZF-4-Gang-Automatikgetriebe oder einem 5-Gang-Sportgetriebe.

Nappaleder und Klimaautomatik für den ersten M7

Im Innenraum bekamen Käufer:innen alles an Luxus und Ausstattung, was zu dieser Zeit möglich war: Elektrische Fensterheber, elektrische Spiegel, Schiebedach, Klimaautomatik und ein elektrisches Heckrollo waren unter anderem an Bord. Speziell für den BMW 745i SA gab es profilierte Sitze, die wie das Armaturenbrett und die Seitenverkleidungen mit Nappaleder bezogen wurden. Die Fensterheberschalter positionierte man aufgrund des geänderten Mitteltunnels um den Schalthebel statt um die Handbremse.

BMW 745i SA Cockpit
Foto: Collectible Wheels

Besonders war auch der Tacho, der neben dem berühmten M-Logo auf Geschwindigkeits- und Drehzahlmesser auch einen Maximalwert von 280 km/h anzeigte. Apropos M: Außen platzierte man ebenfalls den schnellsten Buchstaben der Welt. Zwischen den Scheinwerfern und am Heck prangte zunächst noch das M-Logo, bis das deutsche Haupthaus im Laufe der Produktion ein Verbot aussprach.

Erster und einziger 7er mit Erfolg im Motorsport

Der zweite gute Grund für die Entwicklung des Luxus-Geschosses war die motorsportliche Ambition von BMW Südafrika. Mit 200 produzierten Exemplaren war es möglich, den BMW 745i SA für den Rennsport zu homologieren. 1985 trat er in der südafrikanischen Group 1-Rennserie gegen Alfa Romeo GTV, Ford Sierra XR8 und Mazda RX7 an, wo er auch prompt den Sieg einfuhr. Übrigens blieb es bis heute der einzige Motorsport-Titel, den BMW jemals mit einem 7er gewann. Ein Jahr später war allerdings schon Schluss mit der Group 1. Dafür sah man nun die Chance, den 7er in der lokalen Group A-Rennserie an den Start zu schicken. Dazu wurde der M88-Reihensechser gegen den S38-Sechszylinder getauscht, der 1986 in BMW M5 (E28) und M635 CSi (E24) eingesetzt wurde.

1987 endete die Produktion des BMW 745i SA nach 192 gebauten Fahrzeugen. Nur 17 davon verließen mit einem manuellen Getriebe die Werkshallen in Rosslyn, der Rest hatte stets ein Automatikgetriebe an Bord. So oder so ist nicht bekannt, wie viele "M7" heute noch existieren. Die Zahl dürfte wohl äußerst gering ausfallen. Einer der schnellen Siebener findet sich mittlerweile in der BMW-Sammlung in München, während sich ein einziger weiterer BMW 745i SA in privater deutscher Hand befindet.