Vergleich

BMW 3.0 CS trifft Jaguar XJ 4.2 C: Edel-Coupés der 70er im Duell

BMW und Jaguar, zwei Marken der Oberklasse, treffen im Vergleich aufeinander. Der XJ 4.2 C verkörpert puren Luxus, der 3.0 CS einen gehörigen Schuss Sportlichkeit: Gibt es dennoch Parallelen? Wo liegen die Unterschiede?

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Jaguar XJ 4.2 C und BMW 3.0 CS fahrend von vorne.
Jaguar XJ 4.2 C und BMW 3.0 CS beweisen, wie unterschiedlich Oberklasse-Coupés in den 70ern sein konnten. Interessante Parallelen finden sich dennoch. Foto: Frank Ratering
Der BMW 3.0 CS fahrend von vorne.
Die weit nach vorn gezogene „Nase“ und natürlich der Hofmeister-Knick prägten lange Zeit BMWs Designsprache. Foto: Frank Ratering
Der BMW 3.0 CS fahrend von hinten.
Der große Kofferraum macht das Coupé sogar reisetauglich. Foto: Frank Ratering
Das Cockpit des BMW 3.0 CS.
Das BMW-Cockpit wirkt aufgeräumt, aber keinesfalls schmucklos. Das Dreispeichenlenkrad, der kurze Schaltknauf ... Foto: Frank Ratering
Die Sitze des BMW 3.0 CS.
... und die ausgeformten Sitze zeugen von den sportlichen Ambitionen des E9. Foto: Frank Ratering
Der Motor des BMW 3.0 CS.
Der 3.0 CS ersetzte 1971 den 2,8er, im gleichen Jahr folgte der 3.0 CSi mit D-Jetronic. Foto: Frank Ratering
Der Jaguar XJ 4.2 C fahrend von vorne.
Die Seitenlinie wirkt ungewöhnlich: Das Coupé ist deutlich seltener als die bekannte Limousine. Foto: Frank Ratering
Der Jaguar XJ 4.2 C fahrend von hinten
Das Vinyldach war Standard beim Zweitürer. Foto: Frank Ratering
Das Cockpit des Jaguar XJ 4.2 C.
Natürlich Leder, natürlich Holz, natürlich Automatik: Das Coupé bietet, was man von einem Jaguar erwartet. Hier hat der Besitzer das Interieur sogar noch verfeinert (zum Beispiel mit Chromringen um die Instrumente). Foto: Frank Ratering
Die Sitze des Jaguar XJ 4.2 C.
Die schwarzen Ledersessel laden zu langen Etappen ein. Foto: Frank Ratering
Der Motor des Jaguar XJ 4.2 C
Der Reihensechszylinder ist deutlich wartungsfreundlicher als der ebenfalls für das Coupé angebotene 287-PS-V12 (211 kW). Foto: Frank Ratering
Jaguar XJ 4.2 C und BMW 3.0 CS fahrend von hinten.
Achim Rott vom Jaguar Stammtisch Neuwied trifft auf Volker Pehl vom BMW Coupé Club e.V. Vielen Dank für die Unterstützung! Foto: Frank Ratering

Edelgleiter gegen Sportcoupé: Im Vergleich treffen Jaguar XJ 4.2 C und BMW 3.0 CS aufeinander

Coupés sind die Kür des Automobilbaus: Sie müssen nicht praktisch sein, das Platzangebot ist zweitrangig, hier zählt (zunächst) nur eins: die Optik. Und so treten hier zwei echte Schönheiten aus den 70er-Jahren an.

Zwar lief die Produktion des eleganten Jaguar XJ 4.2 C erst 1975 an – in dem Jahr also, als der BMW 3.0 CS sich schon wieder verabschiedete. Doch einen ersten Ausblick auf das Serienmodell hatte Jaguar schon 1973 präsentiert – dazu später mehr. Klar ist an dieser Stelle, dass E9 und das Coupé der zweiten XJ-Serie ohne die Verzögerung direkt aufeinander getroffen wären.

Der BMW M2 CS im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Sechs Zylinder, drei Liter: BMWs Formel für Fahrfreude

Hätte, hätte, Steuerkette – bereits 1968 hatten die Münchner:innen ihrer Oberklasse-Baureihe das Coupé zur Seite gestellt. Wie der kleinere 2000 CA/CS wurde auch der neue Zweitürer bei Karmann in Osnabrück respektive Rheine gefertigt. Er wurde aber ausschließlich mit Sechszylinder-Motoren ausgeliefert. Den Anfang machte der 2800 CS – bis 1971. Dann folgte das Drei-Liter-Modell, zunächst nur mit Vergaser, einige Monate später auch mit der D-Jetronic.

Für unseren Vergleich bringt Volker Pehl seinen 3.0 CS mit, also das Vergasermodell mit 180 PS (132 kW). In Sachen BMW bereits vorbelastet, macht er aus seiner Begeisterung über das fjordsilberne 74er Modell – und vor allem dessen Fahrwerk – keinen Hehl: „Er ist einfach toll zu fahren!“ Wer mag ihm da widersprechen? Genau das war ja das Ziel der Bajuwaren auf dem Weg zur neuen Sportlichkeit: Der 2000 CS war schick, die Kundschaft forderte aber mehr Leistung.

Der BMW 3.0 CS fahrend von vorne
Foto: Frank Ratering

Die bekam sie nun. Der E9 war weit mehr als ein gepimptes Neue-Klasse-Coupé: Der Vorderwagen musste wegen der größeren Motoren neu gestaltet werden, auch sonst war fast alles anders, inklusive des Fahrwerks mit längerem Radstand und breiterer Spur. Dieses Auto darf getrost als Urknall der viel zitierten „Freude am Fahren“ gelten: Der Reihensechszylinder überzeugt sowohl mit seiner Akustik wie mit seiner Kraftentfaltung.

Egal, ob mit Vergaser oder Einspritzung: Die Drei-Liter-Version wurde nicht umsonst zur beliebtesten E9-Variante. Der 2.5 CS war 1974/75 die nett gemeinte Antwort auf die Ölkrise, spielt aber in der Historie der Baureihe keine große Rolle. Wichtiger und begeisternder waren die CSL-Varianten, mit denen man letztendlich auch auf die Rennstrecke ging. Kurzum: Mit seinem üppigen Innenraum erweist sich der zivile 3.0 CS als komfortables Reise-Coupé, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 213 km/h lässt er bei Bedarf auch mal die Kuh fliegen.

Auch das XJ Coupé war im Motorsport unterwegs

Derartige Eskapaden sind dem distinguierten Coupé aus dem Hause Jaguar natürlich völlig fremd – sollte man meinen. Tatsächlich hatte Broadspeed einige Zwölfzylinder-Coupés für die Tourenwagen-Europameisterschaft vorbereitet, unter anderem für Andy Rouse und Derek Bell. Die Autos waren schnell, aber alles andere als zuverlässig.

Belassen wir es also dabei und wenden uns dem hier gezeigten Auto von Achim Rott zu: Unter dessen langer Haube verrichtet der 4,2 l große Reihensechszylinder seinen Dienst. Mit 170 PS (125 kW) liegt die Leistung etwas unter der des BMW, zudem trägt der Brite auch deutlich mehr Gewicht mit sich herum. Dass er obendrein mit einer Automatik ausgestattet ist, zeugt in diesem Fall von der Souveränität des Jaguar.

Der Jaguar XJ 4.2 C fahrend von vorne
Foto: Frank Ratering

Komfort ist angesagt, kein hektisches Schalten auf der Suche nach der fehlenden Zehntelsekunde. Lässig gleitet der elegante Zweitürer dahin. Auch an der Zapfsäule kommt kein Stress auf, wenn die beiden Tanks im Heck nacheinander befüllt werden wollen ...

Sir William Lyons lieferte noch einmal ein echtes Meisterstück ab: Das Coupé der XJ-Reihe gilt als letztes Auto, an dem der Jaguar-Chef selbst mitgearbeitet hat. Nicht nur das: Oft wird es gar als „Lyons’ Liebling“ betitelt. Dass die Konzeption mit den voll versenkbaren Seitenscheiben und der fehlenden B-Säule den Marktstart um zwei Jahre nach hinten geworfen hatte, ist schade.

„Mit dem Jaguar XJ Coupé war Sir William Lyons ein echtes Meisterstück gelungen. Schade, dass der Wagen nicht früher auf den Markt kam“
Thomas Pfahl

Die Produktion der beiden Autos lief nicht immer glatt

Denn 1975 scharrte schon der XJ-S mit den Hufen, der als reinrassiges Coupé oder Cabrio den E-Type beerben sollte. Der zweitürige XJ war quasi „über“, er verschwand nach zwei Jahren und 10.426 Modellen (Jaguar und Daimler) wieder aus den Preislisten. Was bleibt, ist die Anerkennung, zu den schönsten Coupés der Automobilgeschichte zu gehören. Na, immerhin.

Dass er durchaus ein gesuchter Klassiker ist, die Marktpreise aber längst nicht so abgehoben sind wie bei anderen Vertretern seiner Klasse, mag der berühmt-berüchtigten Lässigkeit geschuldet sein, die den streikfreudigen British-Leyland-Arbeitenden jener Zeit zugeschrieben wird.

Zum BMW-Coupé heißt es, dass der Transport der bei Karmann gefertigten, unbehandelten Rohkarossen von Niedersachsen zur Endmontage nach Bayern an vielen Autos seine Spuren hinterlassen hat. Die verschweißte Struktur macht Reparaturen darüber hinaus recht aufwendig.

Trotzdem haben die insgesamt 30.546 Coupés der Baureihe E9 einen bleibenden, absolut positiven Eindruck hinterlassen: Sie ebneten dem überaus beliebten 6er (E24) den Weg, der sie 1975 planmäßig ablöste.

Fazit

Beide Autos sind typisch für ihre Marke: Der Jaguar XJ 4.2 C bietet Komfort und Luxus im Überfluss, der BMW 3.0 CS ist der wilde Kerl, der gern sportlich unterwegs ist.

Technische Daten von BMW 3.0 CS und Jaguar XJ 4.2 C

Classic Cars 01/2026

BMW 3.0 CS

Jaguar XJ 4.2 C

Zylinder / Ventile pro Zylin.

6 / 2

6 / 2

Hubraum

2985 cm³

4235 cm³

Leistung

132 kW/180 PS bei 5500 U/min

125 kW/170 PS bei 4500 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

255 Nm bei 3700 U/min

384 Nm bei 3750 U/min

Getriebe / Antrieb

4-Gang-Getriebe / Hinterrad

3-Stufen-Automatik / Hinterrad

L / B / H

4660 / 1670 / 1370 mm

4845 / 1770 / 1375 mm

Leergewicht

1340 kg

1730 kg

Bauzeit

1971 – 1975

1975 – 1977

Stückzahl

8199

10.426 (Jaguar+Daimler)

Beschleunigung null auf 100 km/h

8,2 s

10,0 s

Höchstgeschwindigkeit

213 km/h

185 km/h

Verbrauch auf 100 km

10,6 l S

12,2 l S

Grundpreis (Jahr)

26.975 Mark (1975)

37.610 Mark (1976)