Autoproduktion in Deutschland: Die Stromer-Republik
Die E-Auto-Produktion in Deutschland eilt von einem Rekord zum anderen. Nur China profitiert noch mehr vom Wandel der Industrie. Wie stark das Wachstum bei uns die wegfallenden Verbrenner-Kapazitäten kompensiert.
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Produktion in Deutschland: Nur China baut noch mehr Stromer
Die deutsche Autoindustrie habe die E-Mobilität verschlafen. Dieses Vorurteil hört man seit Jahren landauf, landab. Dabei ist die Bundesrepublik nach China der weltweit zweitgrößte Produzent von E-Autos und Plug-in-Hybriden: 2025 wurden in den Fabriken in Deutschland 1,22 Mio. reine Stromer gefertigt. Das ist nicht nur ein Anstieg von rund 15 Prozent, sondern bedeutet auch ein weiteres Rekordjahr in Folge.
Noch größer fiel der Zuwachs bei den Plug-in-Hybriden aus: Ein sattes Plus von 54 Prozent katapultierte die Produktion der Hybride mit Stecker auf 0,45 Mio. Neuwagen. Mit zusammen 1,67 Mio. Stromern muss sich Deutschland damit international nur China geschlagen geben. Die Volksrepublik rangiert mit 16,1 Mio. E-Autos und Plug-in-Hybriden weit vorn auf dem ersten Platz.
Der BMW iX3 im Fahrbericht (Video)

Der VDA prognostiziert weiteren Anstieg
Betrachtet man jedoch den Anteil der Stromer an der gesamten Produktion der jeweiligen Länder, liegt China mit 53,9 Prozent nicht weit vor der Bundesrepublik mit 40,2 Prozent. Die USA auf Rang drei – immerhin das Herkunftsland von Tesla – liegen mit einem Anteil von 10,4 Prozent und einer Million gebauten Neuwagen deutlich hinter Deutschland zurück. Südkorea, Japan und Frankreich kommen sogar nicht einmal zusammengerechnet auf das Stromer-Volumen der deutschen Werke. Für dieses Jahr prognostiziert der Verband der Automobilindustrie (VDA) zudem einen weiteren Anstieg auf 1,76 Mio. Neuwagen.
Dabei ist die Wachstumskurve von 2020 bis 2025 schon beeindruckend genug: Innerhalb von fünf Jahren versiebenfachte sich die Produktion von reinen E-Autos in Deutschland. Ganze Standorte und ihre Zulieferernetzwerke wurden auf die Herstellung der Stromer umgestellt – eine Herkulesaufgabe für die gesamte Branche.
Großbritannien als der Exportmarkt schlechthin
Im gleichen Zeitraum legte auch die Fertigung von Plug-in-Hybriden „made in Germany“ um 80 Prozent zu. Da wundert es nicht, dass das zweimillionste produzierte reine E-Auto des BMW-Konzerns im Mai im Werk im bayerischen Dingolfing vom Band lief und der ebenfalls zweimillionste Elektro-VW im Februar aus der Fabrik in Zwickau kam.
Was dagegen überrascht: Die meisten Autos mit Stecker aus Deutschland gingen im Vorjahr nach Großbritannien. 192.000 Neuwagen exportierte die Bundesrepublik in das Vereinigte Königreich. Danach folgten Frankreich mit 106.000 und die USA mit 98.000 Fahrzeugen.
Verbrennerproduktion bricht um 23,9 Prozent ein
Was viele E-Auto-Kritiker:innen von Seiten der Politik gern vergessen: Nur dank der schnell ausgebauten Produktion der Stromer konnte die Autoherstellung in Deutschland insgesamt stabilisiert werden. Denn die Verbrenner verzeichnen seit Jahren einen Rückgang: Wurden 2020 noch 3,09 Mio. Benziner und Diesel in der Bundesrepublik gebaut, werden es 2026 nur noch 2,35 Mio. sein – ein Einbruch um 23,9 Prozent.
Allein die ausgeweiteten Kapazitäten für E-Autos und Plug-in-Hybride sorgten dafür, dass sich das Herstellungsvolumen hierzulande seit 2023 auf einem Niveau von 4,1 Mio. Neuwagen pro Jahr einpendelte. Neben den Investitionen in die Werke bescherte die Transformation zur Elektromobilität auch den Forschungs- und Entwicklungsausgaben in Deutschland einen Höchststand: So entfallen über ein Drittel der Aufwendungen für Innovationen in der Bundesrepublik auf die Autobranche. Die Elektroindustrie auf Rang zwei kommt lediglich auf einen Anteil von 16 Prozent.

Stefano Volpetti, Chief Global Growth Officer von Philip Morris, sieht Parallelen in der Transformation von Auto- und Tabakindustrie
Die Autoindustrie ist nicht die einzige Branche, die sich verändert. Welchen Wandel treibt Philip Morris voran?
Im Kern beider Branchen steht dieselbe Herausforderung – die Verbrennung. So wie Autohersteller sich aufgrund schädlicher Emissionen vom Verbrennungsmotor abwenden, entfernen wir uns von Zigaretten, da die Verbrennung die Hauptursache für die gesundheitlichen Schäden des Rauchens ist. Bei Philip Morris bedeutet das, Zigaretten durch wissenschaftlich fundierte, rauchfreie Alternativen für erwachsene Raucher zu ersetzen, die andernfalls weiter rauchen würden. Unser Ziel ist es, rauchfreie Produkte zum Hauptbestandteil unseres Geschäfts zu machen.
Jahrzehntealte Produktionsverfahren mussten verändert werden. Wie baut man schnell das neue Know-how auf?
Wenn man von Produkten auf Basis von Verbrennung zu etwas grundlegend anderem übergeht, reicht es nicht aus, Prozesse nur anzupassen – man muss die Fertigung von Grund auf neu denken. Bei Philip Morris bedeutete das, schnell die Stärke globaler Betriebsabläufe mit neuer Expertise in den Bereichen Lebenswissenschaften, Ingenieurwesen und Elektronik zu verbinden und gleichzeitig massiv in die Mitarbeitenden zu investieren – durch schnelle Weiterqualifizierung und Umschulungen sowie Neueinstellungen.
Wissenschaft und Technologie spielen also eine ungleich größere Rolle. Wie verändert das den Wettbewerb?
Wir entwickeln rauchfreie Produkte, die sich nahtlos in den Alltag und die Gewohnheiten erwachsener Raucher einfügen: intuitiv in der Anwendung, konsistent in der Leistung und zuverlässig – untermauert durch strenge wissenschaftliche Nachweise und hohe Qua- litätsstandards. Das definiert den Wettbewerb neu: Erfolg basiert nicht mehr auf bloßen Behauptungen, sondern auf Belegen, Innovationsgeschwindigkeit und dem Aufbau nachhal- tigen Vertrauens bei Konsumenten.
Die Autoindustrie arbeitet noch immer daran, ihre Kunden von der elektrischen Zukunft zu überzeugen. Wie weit ist Philip Morris auf diesem Weg?
Global betrachtet sind wir bereits weit fortgeschritten. Bis Ende 2025 sind mehr als 43 Mio. volljährige Konsumenten auf unsere rauchfreien Produkte umgestiegen. Im ersten Quartal 2026 war unser rauchfreies Portfolio in 108 Märkten verfügbar. Wenn Regulierung, Aufklärung und Verfügbarkeit zusammenkommen – wie etwa in Japan und Schweden – beschleunigt sich der Umstieg der Konsumenten deutlich. Diese Entwicklungen stärken unser Ziel, bis 2030 ein überwiegend rauchfreies Unternehmen zu werden, bei dem zwei Drittel des globalen Nettoumsatzes aus rauchfreien Produkten stammen.













