Audi RS2 Limousine: Der seltenste Ableger des RS2-Programms
Vom Mythos RS2 blieb nur der Avant – doch im Schatten der Legende entstand eine RS2 Limousine, die nie sein durfte. Ein Rückblick auf einen fast vergessenen RS-Ausreißer aus Ingolstadt.
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Manchmal entstehen die aufregendsten Kapitel der Automobilgeschichte aus Momenten der Zweckfreiheit – wenn Konstrukteur:innen nicht liefern müssen, sondern dürfen. Die Audi RS2 Limousine ist ein solches Kapitel. Ein leiser Exot, entstanden in einer Phase der Neuorientierung, als Audi zwischen verglühter Motorsportvergangenheit und ungewisser Performance-Zukunft manch technische Sünde und manche Überraschung zuließ.
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1994: Der Avant RS2 tritt ins Rampenlicht – und die RS2 Limousine ins Dunkel
Der Avant RS2, entstanden im Schulterschluss mit Porsche, schockte 1994 die Sportwagenwelt. Ein Hochleistungs-Kombi mit 315 PS (232 kW), 410 Nm und permanentem Allradantrieb: 5,8 s auf 100 km/h, 262 km/h Spitze. Und all das in einem Fahrzeug, dessen Plattform ursprünglich für den Audi 80 B4 gedacht war. Porsche übernahm im "Rösslebau" in Zuffenhausen den Zusammenbau, modifizierte die Ansaugung, installierte stärkere Turbolader, Bremssättel vom Porsche 968 Club Sport und stülpte dem Wagen gleich eine neue Identität über: "P1" stand im Brief, "Audi" stand nur noch sinngemäß auf der Haube.
Doch im Schatten dieses Serientriumphs entstand auch etwas, das nie für die Öffentlichkeit bestimmt war: eine RS2 Limousine. Sie war keine Designstudie, sondern eine echte fahrbereite Umsetzung. Insgesamt vier Exemplare sollen gebaut worden sein. Zwei entstanden direkt bei Audi auf Basis der ohnehin seltenen S2 Limousine (nur 306 gebaut), zwei weitere bei einem Entwicklungspartner.

Gleiches Herz mit viertürigem Kleid
Die Zutaten: identisch mit dem Avant. Auch die Limousine trägt die Porsche-Spiegel vom 964, die Nebelleuchten und Blinker aus Stuttgart, die 17-Zoll-Porsche-Cup-Räder und den durchgehenden Heckreflektor – ein ikonisches Detail, das schon bei 964 und später 993 Einzug hielt. Unter der Haube: der 2,2-l-Fünfzylinder mit Vierventiltechnik, Schmiedekolben, aufwändig optimierter Peripherie und 1,4 bar Ladedruck – ein technisches Manifest, das kein Audi zuvor in Serie so radikal zelebriert hatte.
Im Inneren der Limousine: straffes Leder, schneeweiße Instrumente bis 300 km/h, manuell sperrbares Hinterachsdifferenzial. Der Blick durch die rahmenlosen Kopfstützen fällt auf schmale C-Säulen – ein Panorama der Understatement-Eleganz, das den brutalen Vortrieb fast verschämt konterkariert.
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Das Potenzial der Limousine wurde unterschätzt
Dass die RS2 Limousine nie das Licht der Showrooms erblickte, war im Endeffekt keine Frage der Technik, sondern – wie so oft – des Marktes. Während sich das S2 Coupé bis zu seiner Einstellung im Jahr 1995 insgesamt 7370 Mal verkaufte, war die S2 Limousine ein Ladenhüter. Die RS2-Version hätte sich wohl noch schwerer getan, zumal die Basis-Limousine im August 1994 ohnehin auslief. Für stolze 98.800 Mark fanden immerhin 2891 Avant RS2 eine:n Käufer:in.
Die Basis verschwand, bevor der Plan Form annehmen konnte. Und auch ein RS2 Coupé blieb Theorie. Porsche hatte Vorbehalte – zu nahe lag ein solches Modell an den eigenen Produkten. Die Idee eines RS4 auf Basis der C-Baureihe (Audi 100) lebte ebenfalls wie die RS2 Limousine nur in der Sammlung weiter, während bei der neu gegründeten quattro GmbH längst am S6 plus mit V8 gearbeitet wurde. Die RS-Limousine aber? Verschwand im Archiv der Fahrzeugsammlung von Audi Tradition.










