Einzeltest

Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW: PHEV im Test mit Schwächen

Mit dem Plug-in-Hybrid-Antrieb im neuen Q3 Sportback hat Audi ein ebenso kräftiges wie effizientes Energiepaket geschnürt. Im Test offenbart er aber auch Schwächen!

(1/11)
Der Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW fahrend von schräg vorne fotografiert.
Beim Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW geht sowohl die Turbo- als auch die Elektro-Power an die Vorderachse – also kein quattro-Allradantrieb. Foto: Audi
Der Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW fahrend von schräg hinten fotografiert.
Auf flotter Kurvenfahrt lenkt der Q3 mit seiner Progressivlenkung spontan ein, verlegt sich dann aber gern auf ein zahmes Untersteuern. Foto: Audi
Das Cockpit des Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW.
Tristes Instrumenten- und griffgünstiges Touchdisplay. Head-up-Display im teuren Tech-Paket. Unpraktisch: der mit Wischer- und Licht-Funktionen überfrachtete Blinker-Stummel. Foto: Audi
Die Vordersitze im Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW.
Das sportive S line-Interieur kommt mit bequemen Sportsitzen, kostet aber 3225 Euro extra. Foto: Audi
Die Rücksitzbank im Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW.
Praktisch: geteilte, einstell- sowie klappbare Fondlehne und in Längsrichtung verschiebbare Bank. Foto: Audi
Der Kofferraum des Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW.
Beim Q3 e-Hybrid schrumpft der Sportback-Kofferraum von 488 auf 375 l. Foto: Audi
Der Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW steht an einer Ladesäule, fotografiert von schräg vorne.
Der Q3 fährt etwa 100 km am Stück elektrisch. Den Akku während der Fahrt zu laden, ist allerdings nicht möglich. Foto: Audi
Technische Zeichnung zum Antriebsstranges des Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW.
Basierend auf der neuen MQB Evo-Plattform des Volkswagenkonzerns wurden Leistungsfähigkeit und Effizienz der Hochvolt-Elektrokomponenten stark verbessert. Foto: Audi
Technische Zeichnung zum Antriebsstranges des Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW.
Der 4-Zylinder-TFSI (130 kW/177 PS) arbeitet im Verbund mit dem 85-kW-E-Motor am Eingang des S tronic-Getriebes. Der elektrische Klimakompressor kann auch im Stand laufen. Foto: Audi
Technische Zeichnung zur Mehrlenker-quattro-Hinterachse des Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW.
Als Plug-in-Hybrid hat der Q3 – leider – keinen quattro-Antrieb, verfügt aber optional über die neuen adaptiven Dämpfer, bei denen sowohl Druck- (Einfedern) als auch Zugstufe (Ausfedern) geregelt werden. Foto: Audi
Der Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW stehend von schräg hinten fotografiert.
Der neue Q3 ist als Plug-in-Hybrid besonders sinnvoll, weil die MQB-Evo-Technik mehr Effizienz und E-Reichweite zur Folge hat. Dem stehen ein teils unharmonisches Antriebsverhalten sowie Mängel bei der Bedienbarkeit gegenüber. Der Qualitätseindruck fällt besser aus als bei manch anderem neuen Audi. Foto: Audi

Viel Power: der Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW im Test

Der neue Audi Q3 tritt in der bislang sehr erfolgreichen Kompakt-SUV-Baureihe ein schweres Erbe an. Wie alle kompakten Audi mit Quermotor basiert auch der neue Q3 auf der Volkswagen-MQB-Plattform, allerdings nun in der jüngsten technischen Evolutionsstufe MQB Evo. Von den Verbesserungsmaßnahmen profitierte vor allem der Plug-in-Hybrid. Im neuen Q3 e-hybrid 200 kW – im Test in der Flachdach-Version namens Sportback – bringt es die Kombination aus dem 1.5 TFSI-Turbo-Benziner (177 PS) und der im Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe untergebrachten E-Maschine auf eine Systemleistung von 200 kW (272 PS). Diese verleiht dem Plug-in-Hybrid viel fühl- und messbares Temperament und lässt den Q3 in nur 7,0 s auf Tempo 100 sprinten. Elektronisch abgeregelt wird dann bei 215 km/h.

Der Plug-in-Hybrid im Q3 wurde – auch in Hinblick auf die Effizienz – als Fronttriebler entwickelt. Das hat Konsequenzen nicht nur bei den Messfahrten, sondern auch im Alltag. Mit der Wucht aus zwei Motoren ist die Vorderachse schnell überfordert, die Räder beginnen zu scharren, werden dann von der Schlupfregelung wieder eingefangen, was – zusammen mit dem teils etwas zögerlich schaltenden Doppelkupplungsgetriebe – zu einem unharmonischen Antriebsverhalten führt. Zudem zerrt der kraftvoll elektrisch unterstützte Antrieb zuweilen heftig an der Lenkung. Zu Beginn der Testfahrten zog der Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW unter Volllast sogar stark nach rechts, was sich mit zunehmender Laufleistung jedoch besserte.

Der Audi Q3 im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Guter Testverbrauch, serienmäßige bis zu 50 kW Ladeleistung

Von der deutlich gestärkten Elektroabteilung profitiert der Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW allerdings bei den Verbrauchsmessungen. Im Mix aus Fahrten mit voller und leerer 19,7-kWh-Lithium-Ionen-Batterie kommen wir auf einen praxisgerechten Testverbrauch von 4,2 l Super und 9,9 kWh Strom auf 100 km – nicht schlecht für den 1896 kg schweren Testwagen. Insbesondere Berufspendler:innen werden den Q3 e-hybrid überwiegend als Elektroauto bewegen.

Im gemischten Betrieb, zum Teil auch über die Autobahn, wo der Q3 bis zu 140 km/h elektrisch fährt, kommen wir auf eine E-Reichweite von knapp über 100 km. Und selbst wenn dann der Akku-Strom zur Neige geht, lässt sich der Audi am DC-Schnelllader mit bis zu 50 kW Ladeleistung nachladen. Im Test waren es bei winterlichen Temperaturen meist zwischen 30 und 40 kW, dennoch ist das Nachladen auf Fernfahrten durchaus eine Option im Q3 e-hybrid, zumal Audi dafür keinen Aufpreis verlangt.

Interieur: E-Technik kostet Platz, umständlicher Blinkerhebel

Die samt E-Technik im Boden untergebrachte Batterie fördert jedoch nicht nur die Elektrotalente des Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW, sie schränkt auch das Kofferraumvolumen auf eher schmale 375 l ein. Nach Umklappen der in Längsrichtung verschiebbaren Rückbank fasst der Laderaum bis zu 1196 l. Sind hier statt der Koffer die Fondpassagier:innen untergebracht, freuen sich diese – nachdem sie beim Einstigen wegen der flachen Dachlinie den Kopf einziehen mussten – über guten Sitzkomfort mit viel Beinfreiheit. Die etwas eingeschränkte Kopffreiheit dürften nur Sitzriesen als störend empfinden.

Wer vorn auf den sehr bequemen Sportsitzen des S line-Interieurs (3225 Euro) Platz nimmt, sieht sich mit der neuen Cockpitarchitektur des Q3 konfrontiert. Neben hochwertig wirkenden Verkleidungen und Materialien – in letzter Zeit nicht mehr selbstverständlich bei Audi – fallen hier das ziemlich unrunde Lenkrad sowie das leicht bogenförmige Panoramadisplay auf. Letzteres besteht aus dem recht schmucklosen und im Layout wenig variablen Digitalinstrument, an das sich rechts das griffgünstig positionierte Touchdisplay anschließt, mit angenehm großen Schaltflächen und gut erfassbarer Bedienstruktur.

Weniger erfreulich gestalten sich alltägliche Aktionen, wie etwa das Bedienen des Blinkers. Statt der üblichen Hebel hinter dem Lenkrad finden sich im Q3 nun merkwürdige Schaltstummel, die nur umständlich und keinesfalls intuitiv greifbar sind. So ist das Blinkerelement links ziemlich überladen: mit einem nur mit spitzen Fingern zu ertastenden Rändelrädchen für die Wischerfunktionen, weiteren Tipptasten für Front- und Heckwischer sowie mit einer zusätzlichen Bedienebene für Fern- und Fahrlicht. Das bedeutet eine völlig unnötige Beeinträchtigung in der Bedienbarkeit häufig genutzter Funktionen.

Fahreindrücke: Gute Geräuschdämmung, (zu) straffes Fahrwerk

Dabei präsentiert sich der Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW im Fahrbetrieb recht umgänglich und komfortabel. Der sehr guten Geräuschdämmung – der Testwagen ist mit einer optionalen Akustik-Seitenverglasung ausgerüstet – steht ein straff abgestimmtes Fahrwerk mit optionalen, zweifach geregelten, adaptiven Dämpfern (im 5600 Euro teuren Tech pro Paket) gegenüber. Besonders bei langsamer Fahrt poltern die optionalen 20-Zoll-Räder (Serie: 18 Zoll) recht ruppig über Querfugen hinweg. Angenehmer und ruhiger geht es dagegen über die Autobahn.

Auf flotter Kurvenfahrt lenkt der Q3 mit seiner Progressivlenkung spontan ein, verlegt sich dann aber gern auf ein zahmes Untersteuern. Das Bremsgefühl im Pedal ist zuweilen etwas diffus, auch weil sich hier natürlich die verzögernd wirkende Rekuperation der E-Maschine einmischt. Die Bremsleistung selbst ist hervorragend und standfest – siehe Messwerte. Teure, aber teils sinnvolle Ausstattungspakete katapultieren den Audi Q3 Sportback e-Hybrid 200 kW (ab 51.150 Euro) auf einen Testwagenpreis von 72.555 Euro.

Fazit

Der neue Q3 ist als Plug-in-Hybrid besonders sinnvoll, weil die MQB-Evo-Technik mehr Effizienz und E-Reichweite zur Folge hat. Dem stehen ein teils unharmonisches Antriebsverhalten sowie Mängel bei der Bedienbarkeit gegenüber. Der Qualitätseindruck fällt besser aus als bei manch anderem neuen Audi.

Technische Daten & Messwerte

AUTO ZEITUNG XX/20XX

HYBRID Marke Modell Antriebsbezeichnung

Technik

Motoren

1,5-l-Vierzylinder, Turbo, ein E-Motor

Hubraum

1498 cm³

Bohrung / Hub

74,5 / 74,5 mm

Verdichtung

10,5 : 1

Leistung Verbrenner

130 kW / 177 PS (5500 – 6000 /min)

Leistung E-Motor

85 kW (116 PS)

Systemleistung

200 kW / 272 PS

Max. Systemdrehmoment

250 Nm (1500 – 4000 /min)

Antrieb

6-Gang, Doppelkupplung, Vorderrad

Spannung / Kapazität

400 V / 25,7 kWh (brutto)

Gewicht

Leergewicht (Werk / Test)

1825 kg / 1896 kg

Zulässiges Gesamtgewicht

2405 kg

Effektive Zuladung

509 kg

Gewichtsverteilung (v / h)

53,4 / 46,6 %

Anhängelast (gebremst / ungebremst)

1400 / 750 kg

Dachlast / Stützlast

75 / 90 kg

Abmessungen

Gesamtmaße (L / B / H)

4531 / 1843 (2087)* / 1560 mm (Breite inkl. Spiegel: 2087 mm)

Radstand

2681 mm

Kofferraumvolumen

375 – 1196 l

Fahrleistung

0 – 50 km/h

3,2 s

0 – 100 km/h

7,0 s

0 – 150 km/h

13,4 s

Höchstgeschwindigkeit

215 km/h

Bremsweg

100 – 0 km/h (kalt / warm)

35,7 / 35,5 m

50 – 0 km/h / 150 – 0 km/h

9,1 / 75,4 m

Verbrauch & Reichweite

WLTP-Verbrauch auf 100 km

1,7 l + 15,1 kWh

Testverbrauch auf 100 km

4,2 l + 9,9 kWh

Elektr. Reichweite (WLTP / Test)

104–118 km / 104 km

Umwelt & Abgas

Abgasnorm

Euro 6e

CO2-Emission

50–40 g/km

Preis

Grundpreis

51.150 €

Testwagenpreis

72.555 €

Rabatt

k. A.

Steuer & Versicherung

Kfz-Steuer pro Jahr

30 €

KH / VK / TK Typklassen

17 / 22 / 21

KH / VK / TK Versicherung

704 / 971 / 155 €

Wartung & Garantie

Serviceintervall

30.000 km / 24 Monate

Garantie Gesamtfahrzeug

2 Jahre

Garantie Hochvolt-Akku

k. A.

Garantie Lack / Rost

3 / 12 Jahre

Mobilitätsgarantie

von Service zu Service