Fahrbericht

Audi 80 (B3): Wir fahren einen Oldtimer für 500 Euro

1986 landete im Audi-Schaufenster ein Ufo: Was war dieser 80er modern und anders! Heute fährt die Audi 80-Generation B3 mit H-Kennzeichen herum – und ist trotzdem noch richtig günstig.

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Der Audi 80 fahrend von schräg vorne
Sein Besitzer kaufte den Audi 80 aus Rentner-Ersthand 2019 für gerade einmal 500 Euro. Wir durften ihn fahren. Foto: Wim Woeber
Der Audi 80 fahrend von schräg hinten
Selbst mit kleinen Reparaturen und den Kosten für das H-Kennzeichen sowie für die Ummeldung blieb der 80 ein Oldtimer für unter 1000 Euro. Foto: Wim Woeber
Der Audi 80 fahrend von vorne
Na, was fehlt? Ein rechter Außenspiegel war 1987 noch nicht aufpreisfrei dabei. Foto: Wim Woeber
Der Audi 80 fahrend seitlich
Mit einem cw-Wert von 0,29 war der Audi 80 ein Aerodynamik-Meilenstein. Foto: Wim Woeber
Der Audi 80 fahrend von hinten
Nachteil des Stummelhecks: ein winziger Kofferraum. Foto: Wim Woeber
Das Cockpit des Audi 80
Es ist noch kein Airbag-Lenkrad, auch wenn es so aussieht. Die Verarbeitung zeigt bis heute, wie qualitativ hochwertig Audi mit dem 80 der dritten Serie wurde. Foto: Wim Woeber
Der Motor des Audi 80
Saubere 75 PS (55 kW): So lecker kann der Motorraum eines Billigautos aussehen. Foto: Wim Woeber

Unterwegs mit einem für 500 Euro gekauften Audi 80 (B3)

Der Mann hats nicht so mit Klischees. Seinen VW 412 liebt Michael Fischer aus Nürnberg ebenso wie den Renault Fuego, den Volvo 960 und den roten BMW 745i, die zu seiner kleinen Sammlung gehören. So einer denkt voraus, deshalb war ihm der behütete Audi 80 1.8 B3 im Farbton Mandelbeige-Metallic schon 2009 aufgefallen. Seinem damaligen Tiefgaragen-Nachbarn hinterließ er die so oft zitierte Nachricht, die mit „Wenn Sie Ihr Auto mal verkaufen ...“ beginnt.

Doch erst nach 32 Jahren und 136.000 km trennte sich das betagte Ehepaar von seinem Audi mit dem unverwüstlichen 75-PS-Vergasermotor (55 kW). Aus der Verwandtschaft wollte ihn niemand, in den Export verramschen kam für den Erstbesitzer nicht in Frage. Auch das Damoklesschwert der Abwrackprämie schwang am Audi vorbei: Es war keine Neuanschaffung geplant.

Am Ende sicherte Fischer dem Goldstück für ganze 500 Euro das Weiterleben. Ein bisschen was kam noch dazu, denn trotz des guten Pflegezustands mussten ein paar Kleinigkeiten am Audi 80 gemacht werden: Zahnriemen für 25 Euro, Radlager vorne für 35 Euro, Domlager für 35 Euro und eine gebrauchte Sitzgarnitur für 100 Euro sowie die Kosten für die H-Kennzeichen-Abnahme und Ummeldung für insgesamt 280 Euro.

Für die aufgeschabte Fahrersitzwange liegt erstmal beigefarbener Ersatz aus einem Audi 90 bereit, der rostigen Kante eines vorderen Kotflügels wird die Sprühdose helfen. Eine goldene Motorhaube ohne Knick in der vorderen Kante sucht Fischer noch. Das anfängliche Kaltlaufruckeln stellte sich dagegen als Bedienfehler heraus: Wer kann schon ahnen, dass dieses modern gestylte Auto, immerhin schon mit ungeregeltem Katalysator, noch einen Choke zum Herausziehen besitzt?

Der Audi Q6 Sportback e-tron im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Ein Audi ohne Servolenkung und rechtem Außenspiegel, dafür noch mit Choke

Nicht nur daran (und am serienmäßig fehlenden rechten Außenspiegel) zeigt sich, dass so ein Audi 80 der dritten Serie längst ein Oldtimer ist. Mit seinem honigfarbenen Lack und der beigefarbenen Innenausstattung repräsentiert dieses Auto die 1980er-Jahre wie ein orangefarbener Audi 80 die 70er oder ein Leasing-schwarzer Q3 die Neuzeit. Sogar das Armaturenbrett samt Lüftungsdüsen strahlt in hellem Beige. Für so etwas muss man heute selbst bei Oberklassefahrzeugen teure Design- und Individualisierungsoptionen zubuchen. Damals war das – anders als Zentralverriegelung und Radio – im Grundpreis von 21.030,70 Mark enthalten.

Auch sonst durfte der Audi 80 der 80er schon ein bisschen Premium sein: Die Sitze sind straff, die Schaltung rastet noch immer präzise ein und die beigen Oberflächen sehen so frisch wie bei einem jungen Gebrauchten aus. Der Fahreindruck ist typisch Audi der alten Art: Es geht im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten gut geradeaus, auch in Kurven.

Wie einst beim DKW der 1950er sitzt der Motor längs vor der Vorderachse. Bei einem Zweizylinder-Zweitakter im Handtaschenformat ist das sicherlich ideal, doch schon der Vierzylinder wiegt für diese Lage eine Idee zu viel. Um dem allzu sturen Untersteuern entgegenzuwirken, ist viel Arbeit am großen Volant erforderlich. Die Lenkung will am Kurvenausgang förmlich zurückgedreht werden. Doch was solls, hier geht es ja nicht mehr um den Alltag. Und deshalb wertet Michael Fischer das servolose Gekurbel als echten Pluspunkt. Von Michael Rohde

Fazit

Der Audi 80 B3 ist ganz unauffällig in der Sammlerszene angekommen. Er ist ein Design-Meilenstein und steht für den großen Stilwandel der 1980er-Jahre. Das macht ihn interessant für Klassik-Liebhabende, die den leisen Auftritt lieben und sich am ungefilterten Fahrerlebnis erfreuen

Technische Daten des Audi 80

Classic Cars 08/2019

Audi 80 1.8

Zylinder / Ventile pro Zylin.

R4 / 2

Hubraum

1781 cm³

Leistung

55 kW/75 PS bei 4500 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

137 Nm bei 2500 U/min

Getriebe / Antrieb

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

L / B / H

4393 / 1695 / 1397 mm

Leergewicht

1070 kg

Bauzeit

1986 - 1990

Stückzahl

1.287.799 (80 B3 ges.)

Beschleunigung null auf 100 km/h

13,7 s

Höchstgeschwindigkeit

167 km/h

Verbrauch auf 100 km

9,0 l S

Grundpreis (Jahr)

27.286 Mark (1986)