Audi 100 Coupé S Frua: Der Audi R8 der 70er-Jahre
Anfang der 70er fuhr Audi endlich in ruhigeren Gewässern und hatte sich ein gewisses Selbstbewusstsein angeeignet. Da schien selbst ein Mittelmotorsportler wie der Audi 100 Coupé S Frua im Bereich des Möglichen. Darum fanden die vier Ringe und der Keil trotzdem nicht zusammen.
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Ein Audi für den Sportwagen-Olymp: Das 100 Coupé S Frua sollte hoch hinaus
Kaum zu glauben, aber zehn Jahre bevor das Audi 100 Coupé S Frua 1974 in Genf (Schweiz) präsentiert wurde, war die Marke Audi noch in völliger Schaffenspause gefangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fokussierte sich das Vier-Ringe-Konglomerat der Auto Union auf die DKW-Zweitakter, deren Ölfahne die Kundschaft aber langsam nicht mehr riechen konnte. Dann passierte alles ganz schnell.
VW kaufte der damaligen Mutterfirma Mercedes das Markengeflecht ab und ging mit dem Audi F103 samt Stuttgarter Viertaktmotor ab dem Jahre 1965 auf die Jagd nach der Mittelklasse-Kundschaft. Plötzlich hießen die Konkurrenten Opel, Ford, BMW und Glas. Gerade die Entwicklung der letzteren beiden Marken ist dabei interessant, denn sie führte am Ende zur Mittelmotor-Studie auf Basis des Audi 100 Coupé S.
Nur ein Jahr nach der Reinkarnation von Audi schluckte BMW die Hans Glas GmbH und beraubte Hausdesigner Pietro Frua mit der Einstellung der Produktpalette seiner Arbeitsgrundlage. Natürlich hatte der Italiener auch noch gute Verbindungen zu Maserati, doch mit der dortigen Übernahme durch Citroën 1968 schaute man auch beim Dreizack deutlich empfindlicher auf die Finanzen.
Dem Stilisten blieb also nicht viel übrig, als mit seinem Studio in Eigenregie Konzepte auf die Räder zu stellen, mit denen er die Klinken der Vorstandstüren der Automobilgiganten putzen konnte. Auch die aufstrebende Marke Audi geriet dabei in seinen Fokus. Immerhin hatten die Ingolstädter:innen 1969 mit dem 100 Coupé S bewiesen, dass man offen für derlei Prestige-Projekte war.
Der Audi Q6 Sportback e-tron im Fahrbericht (Video)

Zu exotisch: Mittelmotor, Keilform und Klappscheinwerfer
Das Audi 100 Coupé S sollte 1974 auch die Basis für Fruas eigenen Entwurf bilden. Zumindest in Sachen Modellbezeichnung. Alles andere hatte der Italiener völlig auf links gedreht, das begann schon beim Antrieb. Statt des nasalen Serien-Layouts mit weit vorne platziertem Motor und Vorderradantrieb, experimentierte der Coupé-Könner mit der gerade extrem angesagten Mittelmotorbauweise samt Hinterradantrieb.
Dafür wanderte der 112 PS (82 kW) starke 1,9-l-Vierzylinder hinter die Fahrgastzelle, belüftet durch filigrane Kiemen hinter den Türen. Überhaupt war vom Audi 100 beziehungsweise vom nüchternen Markendesign allgemein nichts mehr übrig geblieben. Die Keilform in bester Maserati-Merak-Manier brachte zwar tonnenweise exotischen Flair, aber auch eine gewisse Anonymität mit sich.
Der spitz zulaufenden Klappscheinwerfer-Front fehlten Fixpunkte für die Augen, während das Heck mit seinen rundlichen Formen im unteren und den kantigen Linien im oberen Bereich weder Fisch noch Fleisch war. So jedenfalls dürften es die Audi-Verantwortlichen Mitte der 70er wahrgenommen haben, denn eine Zusammenarbeit mit Frua kam nicht zustande.
Der Designer schien aber so überzeugt von seinem Entwurf zu sein, dass er zwei Jahre später den BMW 5er in eine verblüffend ähnliche Silhouette steckte – allerdings hatte er aus seinem Fehler gelernt und das gängige Doppelnieren-Gesicht am 528 GT Frua übernommen. Genützt hat es nichts, beide Studien kamen wohl zur falschen Zeit. Bei Audi sollte es noch bis 2006 dauern, bis mit dem R8 erstmals ein Mittelmotor-Sportwagen mit den vier Ringen debütieren würde. Fruas verantwortlicher Landsmann Walter de Silva hatte seinerzeit glücklicherweise ein probates Mittel gegen die Inkognito-Gefahr gefunden: den Single-Frame-Grill.
















