Audi 100 Bischofberger Family: Ein UFO mit vier Ringen
Zwei Betten, 180 km/h Spitze: So sieht’s 1984 aus, wenn sich ein Schwabe den Traum vom perfekten Wohnmobil erfüllt.
Die genannten Produkte wurden von unserer Redaktion persönlich und unabhängig ausgewählt. Beim Kauf in einem der verlinkten Shops (Affiliate Link bzw. mit Symbol) erhalten wir eine geringfügige Provision, die redaktionelle Selektion und Beschreibung der Produkte wird dadurch nicht beeinflusst.
Nicht einmal Ferdinand Piëch legt ein Veto ein, zumindest kann sich der Sohn von Helmut Bischofberger nicht daran erinnern. "Mein Vater war nicht der Typ, der groß gefragt hat", sagt Thomas Bischofberger. "Er hat einfach gemacht." Und weil Bischofberger schneller fahren will, als es mit den üblichen Campern der 80er möglich ist, baut er sich einfach selbst ein Wohnmobil, das Tempo 180 läuft. Es gibt nicht vieles, was Audi-Fans heute über den Bischofberger Family wissen. Sein Erbauer lebt nicht mehr, das Autohaus im schwäbischen Backnang ist aufgelöst. Zehn, höchstens 40 Audi 100 sind es wohl, die der VAG-Händler Helmut Bischofberger zum Wohnmobil umbaut. Plus ein einziger Audi 200 Turbo. Der rennt 220 km/h und gilt in Campingkreisen als schnellstes Doppelbett der Welt.
Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon
Der Audi Q3 (2025) im Fahrbericht (Video):

Audi 100 Bischofberger Family: Der Camper, den es nicht gibt
Schon der bewohnbare Audi 100 kostet damals 55.000 Mark – so viel wie ein Alkoven-Wohnmobil. Doch der Bischofberger ist ein handgebauter Exot, viel Geld bleibt für seinen Erbauer nicht hängen. Schon in den 90ern steigt er aus dem Geschäft mit Campern aus. Der Tüftler macht jetzt in Immobilien, nicht mehr in Audi mit Science-Fiction-Karosserie.
Bei Maren Imhoff aus Oldenburg ist es genau umgekehrt. Aus dem Erlös eines Hausverkaufs schafft sich die Möbeltischlerin aus Hude bei Oldenburg ihren ersten alten Audi an, ein Coupé GT von 1982. In einer Privatsammlung entdeckt sie kurz darauf einen von vier oder fünf Bischofberger Family, von denen die Szene weiß. Natürlich ist er nicht zu verkaufen, dennoch beginnt die Audi-Enthusiastin die Suche nach einem Auto, das es im Prinzip nicht gibt. Dass sie nach zwei Jahren erfolgreich endet, halten Audi-Insider:innen für so wahrscheinlich wie eine Marienerscheinung.
Auch interessant:
136 PS aus fünf Zylindern für 160 km/h
Es ist einer der frühen Audi 100 Typ 44, die in Backnang zum Wohnmobil werden, ein Nullausstatter in Dunkelgrün ohne CC- oder CD-Paket, aber mit 136-PS-Fünfzylinder (100 kW) und Dreistufen-Automatik. Viel von der Welt hat er nicht gesehen, auf dem Tacho stehen heute nur etwas mehr als 120.000 km. Im Schrank klebt noch der Aufkleber der letzten Gasprüfung, er stammt von 1989. Und auch Maren Imhoff hat keine großen Reisepläne: "Im Grunde reicht es ja, auf Oldtimertreffen einen Kaffee kochen zu können."
Es ist die Seltenheit, die sie reizt. Und die kühne Optik, die den Audi so besonders macht. Für Helmut Bischofberger ist die Kleinserie damals kein großes Ding. Mit glasfaserverstärktem Kunststoff hat er Erfahrung, schließlich hat er schon T2-Bullis zum Wohnmobil umgebaut. Den hinteren Teil der Audi-100-Karosserie flext der Schwabe ab und schweißt einen Hilfsrahmen aus Stahlrohr ans Heck. Dem TÜV ist es recht, er schickt die Wohn-Audi per Einzelabnahme auf die Reise. Ein Tempolimit fordert er nicht. Sogar durch Waschanlagen darf die Käuferschaft eines Bischofberger fahren, mit 1,86 m fällt er ja nicht allzu hoch aus.

Alles Wichtige ist an Bord
Und trotzdem ist er ein richtiges Wohnmobil mit Doppelbett, einer Sitzgruppe, die sich zum zweiten Bett umbauen lässt, Kühlschrank, Gasherd und Truma-Heizung – also mit allem, was auch heute ein Campingbus so dabei hat. Nur das Einsteigen ist mühsam, aber wer sich mit eingezogenem Kopf ins Innere gefädelt hat, fühlt sich wie im Ikea-Katalog von 1984, staunt über das 2,10-m-Dachbett mit den beiden Leseleuchten, die stattliche Stehhöhe bei aufgeklapptem Dach und die penible Verarbeitung.
Selbst der hellbraune Mülleimer im Vorratsschrank ist noch da. "Das ist mein UFO", sagt Maren Imhoff. So ungefähr hat es Helmut Bischofberger auch gesehen, wie sein Sohn Thomas sagt. "Er hatte keinen Businessplan. Er wollte einfach wissen, ob so etwas machbar ist." Maren Imhoff hat er überzeugt. Und Ferdinand Piëch sowieso.
Auch interessant:
Technische Daten des Audi 100 Bischofberger Family
Classic Cars 02/2021 | Bischofberger Family (Audi 100 Typ 44) |
|---|---|
Zylinder/Ventile pro Zylin. | R5/2 |
Hubraum | 2144 cm³ |
Leistung | 100 kW/136 PS 5700/min |
Max. Gesamtdrehmoment bei | 180 Nm 4800/min |
Getriebe/Antrieb | 3-Stufen-Automatik/Vorderrad |
L/B/H | 5727/1850/1860 mm |
Leergewicht | 1540 kg |
Bauzeit | 1983–1986 |
Stückzahl | unter 40 |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 16,0 s |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 12,0 l S |
Grundpreis (Jahr) | 55.000 Mark (1984) |
















