Maybach 57 S: Wie AMG dem Luxus die Lässigkeit austrieb

Bevor sich die Marke Maybach als sensationeller Flop wieder in Schall und Rauch auflöste, schenkte sie uns noch den 57 S. Mit diesem Dampfhammer wurden Chauffierende zu Rennfahrer:innen!

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Der Maybach 57 S fahrend von schräg vorne fotografiert.
Maybach 57 S Foto: AUTO ZEITUNG

Auf die Schräglage folgt der Untergang: Der muskulöse Maybach 57 S konnte die Marke nicht mehr retten.

Der Maybach 57 S statisch von schräg hinten fotografiert.
Maybach 57 S Foto: Maybach

Das vielleicht luxuriöseste Fahrer-Auto aller Zeiten sucht bis heute seinesgleichen.

Der Maybach 57 S fahrend von schräg vorne fotografiert.
Maybach 57 S Foto: AUTO ZEITUNG

Dank Fahrwerksoptimierungen inklusive Tieferlegung ging der S williger ums Eck.

Der Maybach 57 S fahrend von der Seite fotografiert.
Maybach 57 S Foto: Maybach

Seine 612 PS (450 kW) konnte er aber vor allem längsdynamisch ausspielen.

Der Maybach 57 S fahrend von schräg hinten fotografiert.
Maybach 57 S Foto: Maybach

Details wie die eckigen Endrohre und die 20-Zöller verraten das "Spezial"-Modell.

Das Cockpit des Maybach 57 S.
Maybach 57 S Foto: AUTO ZEITUNG

Garniert mit Kohlefaser-Applikationen konnte der Maybach die Technik der S-Klasse nicht verbergen. 

Die Frontsitze des Maybach 57 S.
Maybach 57 S Foto: AUTO ZEITUNG

Im Innenraum herrscht der ultimative Luxus anno 2005.

Die Rücksitze des Maybach 57 S.
Maybach 57 S Foto: AUTO ZEITUNG

Auch im Fond des kürzeren 57 ließ es sich gut aushalten. Programm-Empfehlung für die Bildschirme: unbedingt Motorsport!

Maybach 57 S
Maybach 57 S Foto: AUTO ZEITUNG

Nach dem AMG-Upgrade kam der auf sechs Liter Hubraum vergrößerte V12 auf 1000 Nm Drehmoment.

Gerade einmal zehn Jahre lagen zwischen dem publikumswirksamen Verladen der ersten Maybach-Limousine in einem Glaskasten auf dem Transatlantik-Riesen "Queen Elizabeth II" zur Weltpremiere in New York und dem Tag, an dem das letzte Exemplar Ende 2012 in Sindelfingen vom Band lief. Mittlerweile ist die Mercedes-Tochter schon länger tot als lebendig, doch das Milliardengrab tut den Stuttgarter:innen bis heute in der Seele weh. Wer es aber dem Oasis-Song "Don't look back in anger" nachmacht, dem bleiben auch Highlights wie der Maybach 57 S im Gedächtnis haften. Das Maybach-Marketing hätte mit dem S für "Spezial" kaum untertriebener beschreiben können, was die Kundschaft im zu Beginn etwa 420.000 Euro teuren Luxusliner erwartete.
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Video: AUTO ZEITUNG

Youngtimer mit Sonderstatus: Maybach 57 S

Nur Fans erkennen den Maybach 57 S anhand der veränderten Kühlergrillstreben, den 20-Zöllern, den eckigen Endrohren sowie den Kohlefaser-Applikationen im Innenraum. Der erlauchte Rest merkt spätestens beim Tritt aufs Gaspedal, dass AMG mal wieder nicht die Finger vom Zwölfzylinder lassen konnte. Mit einer Aufbohrung von 5,5 auf sechs Liter Hubraum kitzelte das Ingenieursteam weitere 62 PS (46 kW) und 100 zusätzliche Newtonmeter aus dem Triebwerk, das nun 612 PS (450 kW) und ein Gebirge von 1000 Nm Drehmoment im Datenblatt vorzuweisen hatte. Dank Modifikationen am Fahrwerk inklusive Tieferlegung konnte AMG dem 57er auch ein Stück Seitenneigung abgewöhnen. Um eine konstante Bremsleistung auch bei forscher Gangart zu gewährleisten, hatte man außerdem die Bremsbelüftung optimiert. 

Der Maybach 57 S fahrend von schräg hinten fotografiert.
Foto: Maybach

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Der 57 S pulverisierte seine Pneus

Mit diesen Upgrades gesegnet durfte der Maybach 57 S Karacho-mäßig ans Limit seiner Kaste gehen – vielleicht sogar darüber hinaus: Im AUTO ZEITUNG-Test anno 2006 wussten die Hinterräder bei abgeschalteter Traktionskontrolle und Fahrdynamikregelung gar nicht mehr, wohin mit ihrer Kraft und wechselten schleunigst in einen gasförmigen Aggregatzustand. Mit anderen Worten: Der gut 5,7 m lange Koloss driftete in beachtlichen Winkeln durch die Kurven der Handlingstrecke.

Die gemessenen Beschleunigungswerte von 5,3 s auf 100 und nur 16,6 auf 200 km/h bei einem Leergewicht von mehr als 2,7 t komplettierten den irrwitzigen Eindruck. Nur die Höchstgeschwindigkeit von abgeregelten 275 km/h muten mit Hinblick auf die Motorleistung irdisch an. Der Grund: Hochgeschwindigkeitsreifen für 300 Sachen und mehr hätten den unantastbaren Fahrkomfort zu sehr in Mitleidenschaft genommen.

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Wenig Ästhetik für viel Geld

Doch auch ein Fahrer-Auto wie der Maybach 57 S konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Limousine immer noch nicht ästhetisch wirkte, weil sie wie eine übergewichtige Mercedes S-Klasse aussah. Daher verwundert es kaum, dass sie sich zum doppelten Preis eines top ausgestatteten Bentley Flying Spur bescheiden verkaufte. Heute werden die wenigen produzierten Exemplare schon für weniger als 100.000 Euro angeboten. Auch den größeren Maybach 62 gab es übrigens als S, doch die etwa 6,2 Meter lange Straßenyacht bestellte man sich nur, wenn man seinem oder seiner Chauffierenden etwas Gutes tun wollte.

Technische Daten des Maybach 57 S

Classic Cars Maybach 57 S
Zylinder/Ventile pro Zylin.12/3; Biturbo
Hubraum5980 cm³
Leistung450 kW/621 PS
Max. Gesamtdrehmoment bei1000 Nm 2000-4000/min
Getriebe/Antrieb5-Stufen-Automatik/Hinterräder
L/B/H5728/1980/1557 mm
Leergewicht2735 kg
Bauzeit2005-2010 (W 240 E60 LA)
Stückzahl503
Beschleunigung
null auf 100 km/h
5 s
Höchstgeschwindigkeit275 km/h
Verbrauch auf 100 km16,4 l S
Grundpreis (Jahr)419.920 Euro (2005)