BMW 3er: Fünf Jahrzehnte zwischen Fahrspaß und Fortschritt
"Aus Freude am Fahren" – den berühmten BMW-Marken-Claim erfüllt der 3er bereits seit 1975 mit Leben. Die Erfolgsgeschichte, die mit der Baureihe E21 mitten in den 70ern begann, setzte sich bis heute ohne Unterbrechung fort bis in die aktuelle siebte Generation G20. Schauen wir zurück auf die vielen – meist von Fahrdynamik beseelten – BMW 3er und wagen zudem einen Blick in Zukunft des Dauerbrenners.
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Als zur IAA 1975 der erste BMW 3er der Baureihe E21 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war das kein leichtes Erbe für den neuen Mittelklasse-BMW. Denn der Vorgänger – die 02-Baureihe, kurz: "der Nullzwo" – hatte es bereits international zu Ruhm gebracht, nicht zuletzt wegen der Topmotorisierung in den 2002-Typen. Dort arbeitete ein 2,0-l-Sechszylinder, noch dazu im prestigeträchtigen Reihenformat. So etwas gehörte sich schlicht nicht für ein Mittelklasse-Auto, das dann – wie von BMW nicht anders zu erwarten – auch sportliche Ambitionen weckte.
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Der BMW M3 Touring (2022) im Video:

50 Jahre BMW 3er: Alle Generationen im Überblick
Der erste 3er machte zunächst durch das neue, straffe BMW-Markendesign auf sich aufmerksam, entwickelt von Chefdesigner Paul Bracq. Das kam bereits beim 1972 vorgestellten ersten BMW 5er sehr gut an. Die Ähnlichkeit des ersten Dreier zum Fünfer war unverkennbar, obwohl vielen der allerersten E21-Modelle ein entscheidendes Merkmal des neuen Designs fehlte: die Doppelscheinwerfer. Diese gab es für den BMW 3er nämlich erst ab 320 aufwärts. Los ging es also zunächst mit vier Zylindern in 316, 318 und 320/320i – nach Hubraum gestaffelt von 1,6 über 1,8 bis zu 2,0 l und mit einer durchaus hohen Leistungsausbeute (90 PS/66 kW, 98 PS/72 kW, 109 PS/ 80 KW, 125 PS/91 kW). Das war von Anfang an eine typische Eigenschaft des 3er BMW.
Zu Objekten der Begierde entwickelten sich dann schnell die Sechszylinder im 320 und vor allem ab 1978 im Topmodell 323i mit dem neuen M20-Sechszylinder samt K-Jetronic-Saugrohreinspritzung, die 143 PS (105 kW) aus 2,3 l Hubraum kitzelten. Seine beiden charakteristischen Abgasendrohre – eins links, eins rechts außen – bekamen nicht wenige zu sehen, denn der bis zu 190 km/h schnelle BMW 323i war Stammgast auf der Überholspur. Worauf beim Kauf eines BMW E21 zu achten ist, klärt unsere Kaufberatung.

Als E30 kam der 3er richtig in Fahrt
Was dem ersten Dreier jedoch fehlte, war eine gewisse Varianz im Aufbau. Das sollte sich ab 1982 ändern mit der zweiten Generation E30 – in einem von Claus Luthe perfekt weiterentwickelten Design. Zudem gewann der 3er an Platz und Komfort und damit an Alltagstauglichkeit. Erstmals gab es ihn auch mit vier Türen. Und neben dem – wie schon beim 02 und beim E21 – vom Stuttgarter Karosserie-Spezialisten Baur gefertigten Cabrio war der E30 nun auch als bügelfreies Cabriolet made by BMW erhältlich – bis heute vielleicht einer der schönsten 3er. Zur IAA 1987 kehrte dann die Bezeichnung touring wieder, die in der 02-Reihe noch eine etwas glücklose Schrägheckversion bezeichnete. Im 3er hingegen stand touring für den ersten BMW-Kombi überhaupt, der sich in den nächsten 3er-Generationen immer stärker durchsetzte und – zumindest in Deutschland – zum gefragtesten 3er wurde.
Während der E30 am Fahrwerks-Layout des Vorgängers festhielt (McPherson, Querlenker, Stabi vorn, Schräglenker, Federbeine, Stabi hinten), wurde das Antriebsprogramm massiv ausgebaut. Neben dem ersten Sechszylinder-Diesel im 324d und mit Turbo im 324td (ab 1987) wurde der hochbeinige 325iX als erster 3er über alle vier Räder angetrieben. Der 325e hingegen war ein besonders umweltfreundlicher 3er: ausschließlich mit einem Drei-Wege-Katalysator und einem 2,7-l-Sechszylinder mit lediglich 122 PS (89 kW) ausgerüstet, aber hohem Drehmoment (230 Nm) bei niedrigen Drehzahlen.

Der M3 startete 1985 eine neue Ära
Mit dem erstmals 1985 gezeigten BMW M3 startete die BMW M GmbH die eng mit dem Motorsport verbundene Erfolgsgeschichte des 3er BMW. Der erste M3 war das Homologations-Modell für die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft (DTM) und wurde von einem hochdrehenden 2,3-l-Vierzylinder mit 200 PS (147 kW) angetrieben. Bis heute sind die M3-/M4-Typen erfolgreich in der Tourenwagen- und Langstrecken-Rennszene unterwegs, während die straßenzugelassenen Versionen – auch als Cabrio – stets zu den Besten ihrer Klasse zählen.
In der dritten 3er-Generation E36 (1990 bis 2000) bekam der M3, den es wahlweise auch als Cabrio gab, dann erstmals einen technisch anspruchsvollen Hochdrehzahl-Sechszylinder. Technisch zeichneten sich die nun geräumigeren E36-Modelle durch eine neue Mehrlenker-Hinterachse aus – abgesehen vom neuen 3er compact, der noch die Schräglenker-Konstruktion des E30 nutzte. Mit dem zweitürigen Compact (So den besten 3er Compact kaufen) machte der 3er einen Ausflug in die Golf-Klasse, konnte dort aber mit der Raumökonomie der Quermotor-/Frontantrieb-Konkurrenz nur schwer mithalten und war vergleichsweise teuer. Der elegantere und erfolgreichere zweitürige E36 war das – anstelle einer zweitürigen Limousine – angebotene 3er Coupé, wahlweise auch als M3.

Mit dem E46 wurde das Coupé eigenständig
Mit dem Start der vierten 3er-Generation (E46, 1998 bis 2007) bekam das Coupé ein eigenständigeres Design, technisch rüstete BMW den 3er mit DSC (ESP), der so nur bei BMW bis heute eingesetzten variablen Ventilsteuerung Valvetronic (Benziner), immer intelligenteren Navi-Systemen und Xenon-Licht nach. Der Turbodiesel im BMW 320d (136 PS/100 kW, ab 2001 mit 150 PS/110 kW) war zudem der erste 3er-Motor mit effizienter Direkteinspritzung, der sich bei der AUTO ZEITUNG mit Kraft und kleinem Verbrauch bestens im Dauertest über 100.000 km bewährte. Am oberen Ende der E46-Skala kletterte die Leistung des nur als Coupé und Cabrio verfügbaren M3 auf 343 PS (252 kW).

Mit der fünften 3er-Generation E90 im Jahr 2005 kehrte der M3 neben Coupé und Cabrio auch wieder als Limousine zurück. Doch der M3 war nun ein ganz anderer. Das lag an seinem neuen, charismatischen Hochdrehzahl-V8, der 420 PS (308 kW) bis 450 PS (330 kW) freisetzte und mit einem blitzartig schaltenden Doppelkupplungsgetriebe kombiniert wurde. Bei den zivileren 3erTypen erhielt der Dreiliter-Sechszylinder im 306 PS (225 kW) starken 335i eine Biturbo-Aufladung. Ein 3er compact war im E90-Portfolio nicht mehr zu finden, dafür bekam das Cabrio ein damals angesagtes Stahl-Klappdach.

Der 4er ergänzt den 3er
Mit dem Wechsel zur sechsten Generation (F30, ab 2011) wurde aus 3er Coupé und Cabrio die neue 4er-Baureihe, basierend auf derselben Technik wie im 3er. Dem 4er Coupé stellte BMW zudem eine viertürige Variante namens 4er Gran Coupé zur Seite, während die klassische 3er-Familie aus Limousine und Touring um den neuen 3er Gran Turismo – kurz: 3er GT – erweitert wurde. Mit verlängertem Radstand, hoher Sitzposition und variablem, 520 bis 1600 l fassendem Kofferraum war der 3er GT nicht nur einer geräumigsten, sondern auch einer der bequemsten 3er-BMW – kam aber dennoch nicht so gut an und verschwand dann später wieder aus dem 3er-Programm.
Mit dem F30 hielten unter der Haube von 3er/4er nur Motoren mit Turbo-Aufladung Einzug: vom 1.5 Dreizylinder im 318i (ab Facelift 2015) über die 2,0-l-Vierzylinder bis hin zum 3.0 Reihensechszylinder. Das betraf auch M3/M4, wo ein bis zu 460 PS (338 kW) starker Biturbo-Sechszylinder tobte. Zudem gab der F30 2012 unter der Bezeichnung Active Hybrid 3 sein Debüt als Vollhybrid, der erste Plug-in-Hybrid folgte 2016 mit BMW 330e iPerformance. Die Elektrifizierung des 3er BMW schritt ab 2019 weiter fort in der siebten Generation (G20).

Neben den Plug-in-Hybrid-Versionen 320e und 330e gibt es in der G20-Baureihe 2021 sogar den ersten vollelektrischen 3er, allerdings in Gestalt des 4er Gran Coupé: Der i4 basiert auf der gleichen Plattform wie 4er-/ 3er-Verbrenner, allerdings in der Elektro-Ausführung (unten). Verschwunden sind hingegen der 3er GT sowie der Dreizylinder im 318i, in dem nun wieder ein 2.0 Vierzylinder-Turbo arbeitet. Neu beim M3 sind die Touring-Version und die optionale Allrad-Variante. Die aktuell zum zweiten Mal geliftete G20-Generation fällt aus Fahrersicht vor allem durch das digitale Cockpit auf.

Der 3er von 2026 nimmt Gestalt an
Die nächste, achte Generation des 3er BMW, die im kommenden Jahr auf den Markt kommt, wirft bereits ihre Schatten voraus, unter anderem mit der Studie BMW Vision Neue Klasse. Auf deren Basis haben wir hier einen Designentwurf des kommenden Dreier (G50) entwickelt. Unter der Bezeichnung Neue Klasse firmierte seinerzeit der Vorgänger des 02, somit finden sich am G50 Design-Zitate, besonders an der Front mit der kleinen Niere und den schräg angestellten Tagfahrleuchten.

Die neue technische Basis "Neue Klasse" ist eine reine E-Plattform inklusive komplett neuer Hard- und Software-Struktur. Die achte 3er-Generation basiert also als E-Variante auf der ganz neuen Plattform, die mit 800 V und einer Batterie mit besonders hoher Energiedichte arbeitet. Das bedeutet: mehr Reichweite und schnelles Nachladen an der HPC-Ladesäule. Auf der neuen Basis ist auch ein vollelektrischer, über 1000 PS (735 kW) starker M3 denkbar, auf den die voll funktionsfähige Fahrdynamik-Studie BMW Vision Driving Experience hindeutet.
Alternativ rüstet BMW den G50 zudem mit elektrifizierten Verbrennern vom Mild- bis hin zum Plug-in-Hybrid mit viel E-Reichweite aus. Diese Modelle basieren dann weiterhin auf der weiterentwickelten Cluster Architecture CLAR. Obwohl bei der achten Generation zwei komplett unterschiedliche Plattformen zum Einsatz kommen, sollen die Unterschiede zwischen Verbrennern, Hybriden und voll-elektrischem 3er kaum auffallen – weder im Design noch in der Bedienung. Letztere ändert sich generell, wie das futuristische Cockpit der Studie Vision Neue Klasse (oben) erahnen lässt, das bereits fit zu sein scheint für die nächsten 50 Jahre BMW 3er.








